Meyer Burger beschafft sich Kapital

Der Thuner Solarkonzern will sein Eigenkapital um 160 Millionen Franken aufstocken. Es ist die dritte Verwässerung innert sieben Jahren – die Börse reagiert verstimmt.

Knapp gerettet: Lange Zeit war unklar, ob und wie Meyer Burger seine im Frühjahr auslaufenden Schulden bezahlen kann.

Knapp gerettet: Lange Zeit war unklar, ob und wie Meyer Burger seine im Frühjahr auslaufenden Schulden bezahlen kann.

(Bild: Keystone)

Andreas Flütsch@tagesanzeiger

Die Aktionäre von Meyer Burger reagierten gestern ungehalten auf die angekündigte Rekapitalisierung. Sie trennten sich in Scharen von ihren Titeln. Nach Eröffnung der Börse wechselten innert 40 Minuten gegen 1,1 Millionen Stück die Hand, also fast dreimal so viele wie üblich. Die Aktie verlor bis am Abend 13,5 Prozent und schloss mit 2.31 Franken nahe am Allzeittief vom letzten Freitag.

Der Ärger der Anleger ist nachvollziehbar. Meyer Burger mutet ihnen seit 2009 die dritte Kapitalerhöhung zu. Was jeweils dazu führt, dass der Gewinn auf mehr Aktien verteilt werden muss, ihr Anteil also verwässert wird. Als Trostpflaster für die happige Aufstockung des Aktienkapitals um 160 Millionen Franken sollen die Aktionäre die neuen Titel unter Börsenkurs beziehen können.

Meyer Burger zögerte den erneuten Gang an den Kapitalmarkt lange hinaus. Noch Ende September kündigte der auf Maschinen zur Produktion von Solarpanels und -modulen spezialisierte Hersteller ein weiteres Sparprogramm an. Um die operativen Kosten um 50 Millionen Franken zu senken, werden bis Mitte 2017 weltweit 250 von heute 1550 Stellen gestrichen – 80 davon in Thun.

Nachfrage in Asien geschrumpft

Dieser Kostenschnitt war nötig, kurierte indes nicht die schwache Kapitalausstattung. Meyer Burger schreibt wegen der stark geschrumpften Nachfrage vorab aus Asien seit 2012 rote Zahlen – in den letzten viereinhalb Jahren wurden über 600 Millionen Franken Verlust aufgehäuft. Wegen der Defizite ist der Anteil des Eigenkapitals in der Bilanz bis Mitte Jahr auf 25,6 Prozent gefallen. Angebracht wäre nach Firmenangaben eine Eigenkapitalquote von 35 bis 40 Prozent. Zudem hat Meyer Burger im ersten Halbjahr 2016 operativ zwar die Gewinnzone erreicht. Aber nur auf Stufe Ebitda – also vor Abzug von Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 25 Millionen Franken bei einem Halbjahresumsatz von 218 Millionen Franken.

Wie empfindlich die Aktionäre von Meyer Burger inzwischen auf schlechte Nachrichten reagieren, war am Freitag zu sehen: Als der grösste US-Solarpanelhersteller von einem Preissturz von 30 Prozent sprach und seine Jahresziele senkte, brach der Kurs von Meyer Burger zeitweise bis zu einem Fünftel ein. Und einzelne Grossinvestoren wie Veraison Capital sagten offen, Meyer Burger brauche dringend mehr Kapital.

Über die Jahre ist so viel Geld verbrannt worden, dass die Mittel zur Rückzahlung einer im Mai 2017 fälligen Obligationenanleihe von 130 Millionen Franken fehlen. Ende September verfügte das Unternehmen noch über 88 Millionen Franken flüssige Mittel. Ein «umfassendes Rekapitalisierungsprogramm» soll Meyer Burger nun wieder zukunftsfähig machen. Ob ein von UBS und CS angeführtes Bankenkonsortium die gewünschten 160 Millionen Franken Neugeld voll zeichnet, ist noch offen. Noch hätten die Banken keine festen Zusagen gemacht, sagte Meyer Burger gestern. Möglich sei auch, dass das Neugeldvolumen in einer ersten Stufe kleiner ausfalle. Einfach wird das ohnehin nicht. Nach den Banken müssen auch die Aktionäre überzeugt werden, schliesslich müssen diese die Kapitalerhöhung an einer ausserordentlichen GV absegnen.

Hypothek verlängert

Eine weitere Knacknuss ist die Entschärfung einer Wandelanleihe über 100 Millionen Franken. Diese ist an sich erst 2020 fällig, die Obligationäre können aber über eine eingebaute Spezialklausel die vorzeitige Rückzahlung im 2018 verlangen. Ihnen bietet Meyer Burger einen höheren Zins und bessere Umwandlungsbedingungen, wenn sie auf die vorzeitige Rückzahlung verzichten. Dazu ist die Zustimmung von genügend Obligationsinhabern erforderlich.

Bereits zugesichert hat eine Bankengruppe, eine Hypothek von 30 Millionen Franken für das Verwaltungs- und Produktionsgebäude in Thun für drei Jahre zu verlängern. Dies gelte auch für eine Kreditlinie von 60 Millionen Franken, versichert das Unternehmen.

Meyer Burger wirbt mit für die Rekapitalisierung mit dem Argument, diese lohne sich für die Aktionäre, da der Konzern von der steigenden Nachfrage nach hochwertigen Solarpanels überdurchschnittlich profitieren werde. Ein Indiz dafür liefere ein jüngst in der Türkei abgeschlossener Vertrag, der die Lieferung von Maschinen zur Herstellung hochwertiger Solarzellen und -module für 67 Millionen Euro umfasse. Innert fünf Jahren wolle der türkische Kunde so viele Maschinen ordern, dass er damit Anlagen für rund ein Gigawatt Solarstromkapazität produzieren könne.

DerBund.ch/Newsnet

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