Die Zurückhaltung des neuen Chefs

Meyer Burger versucht nach verlustreichen Jahren unter neuer Führung die Trendwende zu schaffen. Im Gegensatz zum Vorgänger verspricht Hans Brändle aber keine rosige Zukunft.

Hans Brändle muss das Unternehmen aus den tiefroten Zahlen führen

Hans Brändle muss das Unternehmen aus den tiefroten Zahlen führen

Mathias Morgenthaler@_Morgenthaler_

Es war keine einfache Situation für Hans Brändle, den neuen Chef der Solartechnologiegruppe Meyer Burger: Bei seinem ersten offiziellen Auftritt konnte er zwar deutlich bessere Zahlen präsentieren als jene der Vorjahre, musste aber darauf verweisen, dass er damit wenig zu tun habe: Die erfolgreiche Rekapitalisierung des nach vier verlustreichen Jahren in Geldnot geratenen Unternehmens hatte noch sein Vorgänger Peter Pauli in die Wege geleitet, ebenso das Sparprogramm im Umfang von 50 Millionen Franken.

Und dann wurde Brändle gleich zu Beginn der Medien- und Analystenkonferenz auch noch mit dem neuen Verwaltungsratspräsidenten Alexander Vogel verwechselt, was ihn zur launigen Bemerkung veranlasste, ihm werde sonst eher eine Ähnlichkeit mit George Clooney nachgesagt.

97 Millionen Franken Verlust

Aber zurück zu den guten Nachrichten: Meyer Burger scheint nach kumulierten Verlusten von 580 Millionen Franken zwischen 2012 und 2015 auf dem Weg der Besserung. Im vergangenen Jahr resultierte zwar unter dem Strich nochmals ein saftiger Verlust von 97 Millionen Franken, aber auf operativer Ebene gelang eine Trendwende: Auf Stufe Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) konnte erstmals seit vier Jahren wieder ein leicht positives Ergebnis (11 Millionen Franken) vermeldet werden, was Brändle als «Highlight» bezeichnete.

Ansonsten gab sich der neue Chef merklich zurückhaltender als sein Vorgänger Pauli, der ihm Ende Jahr hatte weichen müssen. Als Ziel für das kommende Jahr gab er aus, erneut den Umsatz von 2016 erreichen zu wollen. Dieser war gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent auf 453 Millionen Franken gestiegen, was laut Finanzchef Michel Hirschi allerdings zu relativieren ist, sind doch viele 2015 gewonnene Aufträge erst im letzten Jahr ausgeliefert worden und damit in den Büchern sichtbar geworden.

Weiter sagte Brändle, man wolle «so schnell wie möglich» wieder schwarze Zahlen schreiben, nannte aber weder Zeitpunkt noch erforderliche Umsatzgrösse für dieses Ziel. Er sei überzeugt, dass Meyer Burger bald wieder ein «strahlender Diamant» sei.

Hans Brändle im Interview

Markt wächst, Kunden warten zu

Brändle verwies auf das «gute Marktmomentum», konkret die überdurchschnittlichen Auftragseingänge im Januar und Februar, und das steigende Interesse der Kunden, nicht nur bestehende Maschinen aufzurüsten, sondern auch in neue Technologien mit markant höherer Energieeffizienz zu investieren. Allerdings wirke die Solarbranche auf ihn konservativ: Jeder wolle investieren, aber keiner vorangehen.

Klar ist: Der Endverbrauchermarkt wächst. 2016 wurden 75 Gigawatt an Kapazität zugebaut. Fachleute rechnen damit, dass sich die weltweit installierte Leistung in der Solarstromproduktion bis 2020 mindestens verdoppeln wird (auf 600 bis 700 Gigawatt). Die Kehrseite dieses starken Wachstums in der Fotovoltaik ist, dass die Preise für Solarmodule deutlich rascher sinken als die Herstellungskosten.

Das drückt auf die Margen der Modulhersteller und setzt auch ihre Zulieferer wie Meyer Burger unter Druck. Nur wer die Kosten schnell genug senken kann, wird überleben. Brändle betonte allerdings, Meyer Burger habe eine sehr starke Marktposition mit Marktanteilen von 80 Prozent und mehr in Schlüsseltechnologien wie der Zellbeschichtung oder der Optimierung der Module. Als «unangefochtener Technologieführer», der alle grossen Solarzellenhersteller auf seiner Kundenliste habe, könne das Thuner Unternehmen neue Industriestandards setzen.

Grosse Hoffnungen setzt Meyer Burger auf die sogenannte Heterojunction-Technologie, die dank beidseitiger Beschichtung der Solarzellen deren Effizienz markant steigert. In Kombination mit der Smartwire-Technologie, die dazu führt, dass der Strom mit weniger Verlusten von den Solarmodulen abgeführt werden kann, wird die Leistung eines Solarmoduls von 300 auf 384 Watt gesteigert. Brändle hofft, dass im Markt bald die Bereitschaft vorhanden sein wird, in diesen Technologiesprung zu investieren.

Sanierer und Hoffnungsträger

Gleichzeitig betonte er, die Profitabilität müsse in allen Unternehmensbereichen noch stärker im Denken verankert werden. Im Bereich Diamantdrahtproduktion beispielsweise sei Meyer Burger zu langsam gewesen, um heute mit der Maschine, die für das Zuschneiden der Wafer aus Siliziumblöcken verwendet wird, Geld zu verdienen. Deshalb wurde die eigene Diamantdraht-Produktion in der notorisch defizitären Fabrik in Colorado Springs Anfang März eingestellt, was 72 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz kostete.

Auch in den anderen Einheiten geht der Personalabbau weiter: 240 Stellen sind im letzten Halbjahr abgebaut worden. Dennoch schwärmte Brändle am Mittwoch von einem «hoch motivierten Team». Auf Nachfrage präzisierte er, eine gewisse Verunsicherung sei nach den schwierigen letzten Jahren unvermeidlich, er registriere aber eine noch stärkere Aufbruchstimmung. Die Mitarbeiter seien dankbar, dass es nun vorangehe. Als neuer Chef sei er nicht nur für die Kosten- und Margenoptimierung zuständig, sondern auch ein Hoffnungsträger, dass die Trendwende endlich gelinge.

Der Bund

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