Vorwärts im Kriechgang

Der ewige Silberstreifen am Horizont ist für Meyer Burger etwas heller geworden. Das Auftragsbuch ist so voll wie seit 2011 nicht mehr.

Meyer Burger hat im ersten Semester über 260 Angestellte entlassen: Konzernchef Hans Brändle (r.) an einer Pressekonferenz.

Meyer Burger hat im ersten Semester über 260 Angestellte entlassen: Konzernchef Hans Brändle (r.) an einer Pressekonferenz.

(Bild: Keystone)

Mischa Stünzi

Meyer Burger schleicht weiter vorwärts auf dem Erholungspfad. Zwar blieb das Thuner Solartechnologie-Unternehmen im ersten Halbjahr in den roten Zahlen. Allerdings verringerte sich der Verlust gegenüber dem ersten Semester 2016 spürbar. Ein deutliches Zeichen dafür, dass es langsam aufwärtsgeht, ist das Auftragsbuch. Der Auftragsbestand stieg um 15 Prozent auf über 300 Millionen Franken und ist damit so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Konzernchef Hans Brändle wurde am Mittwoch nicht müde zu betonen, dass die Fotovoltaik-Industrie derzeit in einer Phase der technologischen Erneuerung stecke und Meyer Burger davon profitieren werde.

Noch haben sich die Kundenaufträge allerdings nicht in Umsatz ummünzen lassen. Es gebe eine ziemlich grosse zeitliche Lücke zwischen dem Auftrag und der endgültigen Zahlung, sagte Brändle an der gestrigen Telefonkonferenz. Es sei aber sein erklärtes Ziel, diese Verzögerung zu reduzieren. Der Umsatz, der gegenüber der Vorjahresperiode leicht schrumpfte, lag denn auch unter den Erwartungen der Analysten. Die Anleger reagierten enttäuscht auf die Zahlen und liessen die Aktien in einem insgesamt positiven Markt um gut 2 Prozent sinken. Trotzdem hat sich der Kurs seit Anfang Jahr verdoppelt. Dieser nehme damit die Erholung von Meyer Burger zum grossen Teil vorweg, meinte ZKB-Analyst Richard Frei.

Mehr temporäre Angestellte

Mit dem Ende des ersten Semesters wurde auch das jüngste Sparprogramm abgeschlossen. Im Zusammenhang damit wurden im ersten Halbjahr über 260 Arbeitsverträge gekündigt. Heute zählt Meyer Burger noch 1300 Vollzeitstellen in elf Ländern. Weil mit den neuen Kundenaufträgen die Arbeit aber nicht weniger wird, musste Meyer Burger die entlassenen Festangestellten durch temporäre Kräfte ersetzen. Ihre Zahl stieg seit Anfang Jahr von 80 auf 213 per Ende Juni.

Zum Thema Sparen heisst es bei Meyer Burger aktuell, man werde kontinuierlich daran arbeiten, die Kostenstrukturen zu optimieren. Ein grosser Wurf ist kostenseitig also nicht mehr vorgesehen. Wenn Meyer Burger in naher Zukunft Gewinn schreiben will, muss sich das Unternehmen somit besonders beim Ertrag steigern. Das letzte Mal erzielten die Thuner im Jahr 2011 ein positives Ergebnis.

DerBund.ch/Newsnet

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