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Vollblutunternehmer auf Einkaufstour

Franke, Forbo, Feintool und jetzt Rieter - Michael Pieper hat in 20 Jahren Arbeit die Topliga der Schweizer Industriellen erobert.

Was treibt Michael Pieper an, mit 62, wenn andere kürzertreten, immer neue Firmenbeteiligungen zu kaufen? Diese Woche hat er seinen Anteil an Rieter auf 6,7 Prozent aufgestockt. Weitere 10 Prozent am Winterthurer Maschinenkonzern besitzt er bereits indirekt über den Bodenbelags- und Klebetechnikkonzern Forbo, den er als 30-Prozent-Hauptaktionär dominiert.

Es gehe ihm nicht darum, ein Imperium aufzubauen, lässt Pieper verlauten. Er wolle Rieter nicht übernehmen. Wer Pieper verstehen will, muss weit zurückgehen. Sein Vater Willi, ein mehrfacher Olympiadesegler, war Unternehmer und äusserst dominant, wie Pieper der «Bilanz» verriet, als das Magazin ihn vor drei Jahren zum «Mann des Monats» kürte. Nach dem Studium an der Uni St. Gallen stieg er beim Vater ein. Als dieser mit 65 nicht wie versprochen abtrat, ging Pieper in die USA und arbeitete dort als Investmentbanker. Auch im zweiten Anlauf gab es Krach, worauf der Junior sich mit einer Finanzfirma in Zürich selbstständig machte. Erst 1988 überschrieb der Senior seinem Ältesten, völlig überraschend, die Franke-Gruppe, eine seiner Beteiligungen.

Finanzinvestoren: «Schabernack» Endlich konnte Pieper zeigen, was in ihm steckte. Unter ihm hat der Küchentechnik-Konzern den Umsatz auf 3 Milliarden Franken versechsfacht und beschäftigt fast 13'000 Mitarbeiter. Franke zählt beispielsweise in der Systemgastronomie zur Weltspitze. Allein McDonald's orderte 2007 für fast eine halbe Milliarde Franken.

Erstmals breiter wahrgenommen wurde Pieper, als er sich 2004 mit der Beteiligungsgesellschaft CVC anlegte. Diese wollte Forbo übernehmen, die rote Zahlen schrieb. Pieper trat aus dem Verwaltungsrat zurück, weil Forbo, an der er 5 Prozent besass, in seinen Augen zu billig verscherbelt werden sollte. Wo andere wohl ausgestiegen wären, stockte Pieper sein Forbo-Paket auf 26 Prozent auf und forderte den Abbruch der Übung. Nach einer beispiellosen Schlammschlacht streckte CVC die Waffen und verkaufte.

Von Private-Equity-Firmen hält Pieper, der sich als langfristigen, industriellen Investor sieht, seither gar nichts. Sie würden auf Pump gekauften Firmen das Geld entziehen und sie nach einigen Jahren ausgelutscht wieder abstossen. Aus industrieller Sicht sei das «Schabernack», sagte Pieper der «Finanz und Wirtschaft» in einem seiner raren Interviews.

Industrieller Beschützerinstinkt Dem Küchenindustriellen macht es sichtlich Spass, angeschlagene Firmen zum Blühen zu bringen. Wobei er bei seinen Beteiligungen - anders als bei Franke, die er jeweils ab fünf Uhr morgens straff führt - andere durchaus machen lässt. Bei Forbo etwa liess er This Schneider, der mit Selecta ein Vermögen gemacht hatte, aus dem Unruhestand vom Bauernhof in Frankreich holen. Schneider, der sein Gehalt in Aktien erhält, ist heute nach Pieper zweitgrösster Aktionär von Forbo. Kein Wunder, gelang der Turnaround. Auch beim Maschinenkonzern Feintool teilt Pieper das Risiko mit Gründer Fritz Bösch, der weiterhin 26 Prozent hält.

Im Fall Rieter scheint wieder Piepers industrieller Beschützerinstinkt zu spielen. Der Maschinenkonzern drohte zum Spielball von Spekulanten zu werden, nachdem er wegen Schwierigkeiten im Autozuliefergeschäft und rückläufigen Textilmaschinenbestellungen in einem Jahr die Hälfte seines Börsenwerts einbüsste.

Kurzfristig wolle er bei Rieter nicht aufstocken, sagt Pieper, er halte sich aber alle Optionen offen. Es würde indes erstaunen, wenn der Vollblutunternehmer auf die angeschlagene Rieter nicht Einfluss nähme. Piepers Eitelkeit besteht darin, sich mit immer neuen Höchstleistungen zu beweisen. Er will zeigen, dass man selbst aus langweiligen Industriefirmen noch etwas machen kann. Das Geld liege auf der Strasse, man müsse es nur schneller sehen und aufheben als die Konkurrenz, so Pieper.

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