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Vapiano reagiert auf «enttäuschendes» 2018

Der neue Chef der weltweit tätigen Restaurantkette greift ein. Und was bedeutet das für den Schweizer Ableger?

Pizzabäcker: Vapiano in Basel.
Pizzabäcker: Vapiano in Basel.
Alexandra Wey, Keystone

Das Konzept bei Vapiano ist einfach: Der Gast erhält am Eingang eine Karte, die er vorlegt, wenn er sich Pizza, Pasta, Risotto oder Salate an einer der Theken frisch zubereiten lässt. Gezahlt wird beim Ausgang des Lokals. Schnelle Kost für gestresste Grossstadtmenschen, so das Konzept, welches auch als «fast casual» bezeichnet wird. Die Kette eröffnete bereits 2002 – und damit noch am Anfang des Convenience-Hypes – eine erste Filiale in Hamburg. Danach folgte eine massive Expansion ins Ausland – oft anhand von Franchisen.

Doch trotz dem Trend zu Convenience und schnell zubereitetem frischem Essen läuft es im Hause Vapiano seit einiger Zeit nicht rund. Am Wochenende hatte das Unternehmen eine Gewinnwarnung herausgegeben. Obwohl im Herbst letzten Jahres bereits zweimal die Prognosen nach unten korrigiert wurden, sind die vorläufigen Zahlen schlechter als befürchtet.

Aktie auf Rekordtief

Der Umsatz sei auf etwa 370 Millionen Euro zurückgegangen und damit hinter den Planungen zurückgeblieben. Der Nettoverlust werde sich deutlich ausweiten. Im Vorjahr lag dieser noch bei –29,6 Millionen Euro.

Die Aktie stürzte zu Wochenbeginn ab – zeitweise sank sie um bis zu 13 Prozent auf ein Rekordtief von 5,36 Euro. Das ist der zweitgrösste Sturz, seit das Unternehmen 2017 an die Börse ging. Seit dem Börsengang hat diese mehr als zwei Drittel ihres Werts verloren. Anfang 2018 notierte die Aktie noch bei etwa 25 Euro.

Mit Expansion übernommen

Mit ausschlaggebend dafür sei die nicht zufriedenstellende Entwicklung des vierten Quartals 2018 sowie das schwache Geschäft einiger neu eröffneter Restaurants, teilte Vapiano mit. Die Kette hatte sich mit der rapiden Expansion übernommen. Ende 2018 betrieb das Unternehmen laut der «Süddeutschen Zeitung» bereits 231 Restaurants in 33 Ländern, darunter in Mexiko, Brasilien, Saudiarabien, Ägypten und China. Der frühere Chef Jochen Halfmann wollte bis 2020 sogar auf 330 Standorte kommen. Doch nicht alle neuen Restaurants waren erfolgreich.

Halfmann ist seit Ende November letzten Jahres nicht mehr im Amt. In seiner Zeit hatte er mit mehreren Krisen zu kämpfen: Es gab Vorwürfe, dass Mitarbeiter angeblich inkorrekt bezahlt worden waren, in einzelnen Lokalen habe es Mängel bei der Hygiene gegeben. Mitarbeiter berichteten 2015 gegenüber deutschen Medien, sie hätten Gästen Nudeln mit grünem Schimmer und übel riechendes Pouletfleisch serviert.

Speisekarte verkleinern

Für Halfmann übernahm der ehemalige Starbucks-Manager Cornelius Everke. Der will nun einiges umkrempeln: «Nach einem operativ sehr enttäuschenden Geschäftsjahr 2018 werden wir das Jahr 2019 nutzen, um einen strategischen Übergang zu schaffen und die Komplexität unseres Geschäftsmodells deutlich zu reduzieren», liess er sich in der Mitteilung zitieren. Konkret will Everke die Speisekarte verkleinern und so die Wartezeiten für die Kunden verkürzen. Fokus solle wieder auf die italienischen Wurzeln des «Fast Casual Dinings» gelegt werden.

Das Tempo, in dem neue Restaurants eröffnet werden, will er drosseln, neue Lokale soll es vorerst nur noch in Metropolen geben. Das Geschäft ausserhalb Europas werde geprüft und möglicherweise verkauft. In den USA hat das Unternehmen bereits sieben Filialen an Franchisepartner veräussert.

Langsames Filialwachstum

Ob das angebotene Menü künftig auch in der Schweiz verkleinert werde, kann Schweiz-Lizenznehmerin Sabina Sodano noch nicht sagen. «Solche Veränderungen brauchen einen gewissen zeitlichen Vorlauf. Wenn die Testphase abgelaufen ist, wird das neue Modell an alle Franchise-Nehmer ausgerollt.»

Vapiano betreibt in der Deutschschweiz fünf Restaurants und drei in der Romandie – alle als Franchise. Hinzu kommt ein Lieferservice in Zürich. Sodano sagt gegenüber der Redaktion Tamedia, das Konzept Vapiano laufe hierzulande nach wie vor sehr gut. «Wir verzeichnen weiter ein Wachstum beim Umsatz.»

Ausbau beim Lieferservice

Allerdings war das Wachstum bei der Anzahl Schweizer Filialen eher schleppend verlaufen, wenn man dieses mit der globalen Expansion Vapianos vergleicht. Wurde 2007 die erste Filiale im Zürcher Einkaufszentrum Sihlcity eröffnet, kamen in den letzten 12 Jahren nur 4 weitere in der Deutschschweiz hinzu – eine in Zürich, zwei in Basel, eine in Bern.

Grund dafür nennt Sodano die schwierige Suche nach Standorten: «Wir brauchen grosse Flächen für die Restaurants.» Sollte sie in Zürich etwas an einer exponierten Lage mit entsprechender Fläche und einem bezahlbaren Mietpreis finden, würde sie aber noch eine Filiale eröffnen, so Sodano. Wachstum verspricht sie sich vor allem beim Lieferservice: «Das werden wir klar ausbauen.»

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