Valiant will ihr Risiko senken

Steigen die Zinsen, haben Schweizer Banken ein ernsthaftes Problem. Die Berner Regionalbank Valiant hat einen eigenen Weg gefunden, dieses Risiko zu minimieren.

Neues Geld soll die Expansion ermöglichen und die Risiken senken: Valiant-Filiale am Bundesplatz.

Neues Geld soll die Expansion ermöglichen und die Risiken senken: Valiant-Filiale am Bundesplatz.

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Mischa Stünzi

Die meisten Banken können mit den aktuellen Tiefstzinsen leben. Die Zinsmarge ist bei den meisten Instituten zwar tiefer als früher, aber das reicht zum Leben. Darauf, dass sie auf ihren Krediten keinen oder nur noch wenig Zins verrechnen können, haben sie mit radikalen Zinssenkungen auf den Konten reagiert. Wehe aber, wenn die Zinsen dereinst rasch und unerwartet anziehen. Dann haben die Banken ein Problem.

Die Zinsen auf den vergebenen Krediten – besonders den Hypotheken – sind oft langfristig fixiert. Das Geld für diese Ausleihungen holen sich die Banken bei den Kunden. Anders als bei den Krediten sind die Zinsen für diese Kundengelder in der Regel aber variabel. Mit anderen Worten: Der Zins auf dem Konto steigt, sobald am Markt wieder höhere Zinsen bezahlt werden. Damit kommen die Zinsmargen zwischen Hammer und Amboss, wobei die fixen Zinseinnahmen aus dem Kreditgeschäft der Amboss sind und der steigende Zinsaufwand der Hammer ist. In Fachkreisen spricht man in diesem Zusammenhang vom Zinsänderungsrisiko. Die meisten Marktbeobachter bezeichnen dieses derzeit als historisch hoch.

Naheliegend wäre es, dass sich die Banken mit einer Versicherung – dem sogenannten Swap – gegen dieses Risiko absichern. Das ist derzeit allerdings teuer. Und viele Institute können es sich angesichts der tiefen Marge nicht leisten, die Risiken vollständig abzusichern.

Günstiges Geld für Expansion

Einen anderen Weg, um das Zinsänderungsrisiko zu reduzieren, geht nun die Valiant. Sie will diesen Monat mit Hypotheken gedeckte Obligationen herausgeben – sogenannte Covered Bonds. Etwas, das man ansonsten eher von Grossbanken kennt. In diesen Tagen besuchen Bankvertreter in der ganzen Schweiz potenzielle Investoren für eine erste Tranche von mindestens 150 Millionen Franken.

Für die Valiant hat dieses Obligationenprogramm, das sie seit rund zwei Jahren vorbereitet, mehrere Vorteile. Im Zentrum steht, dass sie so ihre Refinanzierung diversifizieren kann. Bankchef Markus Gygax sagte unlängst der «Finanz und Wirtschaft»: «Die Schlacht im Banking wird in der Refinanzierung gewonnen.» Bisher finanziert die Valiant ihre Ausleihungen zu rund 80 Prozent mit Kundengeldern. Die restlichen 20 Prozent stammen laut Mediensprecher Marc Andrey aus Pfandbriefen.

Diese funktionieren relativ ähnlich wie die neuen Obligationen, werden aber nicht von der Bank selber herausgegeben, weshalb die Valiant sie nicht flexibel auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen kann. Mit den Covered Bonds können die Ausleihungen fristenkongruent refinanziert werden, das heisst die Obligation läuft dann aus, wenn auch der Bankkredit ausläuft. Folglich werden beide gleichzeitig und damit beim gleichen Zinsniveau erneuert. So könne das Zinsänderungsrisiko weitgehend ausgeschaltet werden, sagte Gygax.

Gleichzeitig kann die Valiant mit den gedeckten Obligationen zu sehr günstigen Konditionen Geld aufnehmen. Die Wertschrift wurde von der Ratingagentur Moody’s mit der Bestnote Aaa bewertet. Das neue Geld nutzt die Bank nicht nur, um bestehende Kredite zu refinanzieren, es soll ihr auch die laufende Expansion Richtung Romandie und Ostschweiz ermöglichen. Andrey erklärt, ein neues Marktgebiet erschliesse man in der Regel zuerst über die Kredite. Diese Kredite wollen refinanziert sein, beispielsweise eben über Covered Bonds.

Das ist erst der Anfang

Den Investoren bietet die gedeckte Obligation eine höhere Sicherheit. Denn für die Schuld und die Zinsen steht nicht nur die Valiant gerade. Die Bank hat zusätzlich im Juni eine Tochtergesellschaft gegründet, die Valiant Hypotheken AG. Bei ihr sind die Hypotheken hinterlegt, sie tritt damit als Garantin auf. Sollte es der Muttergesellschaft schlecht gehen, wird die Tochter, je nachdem wie gravierend die Situation ist, immer autonomer. Im unwahrscheinlichen Fall eines Konkurses der Valiant wäre es gar denkbar, dass die Mutter liquidiert wird und die Valiant Hypotheken AG als eigenständiges Unternehmen weiterexistiert.

Die Eigenheimbesitzer, deren Hypotheken als Sicherheit bei der Hypotheken AG hinterlegt sind, müssten somit ihre Zinsen an ein neues Institut überweisen und bekämen im schlimmsten Fall gar einen neuen Gläubiger. Das ist laut Andrey in den Hypothekarverträgen geregelt.

Insgesamt hat die Valiant Kundenausleihungen von über 23 Milliarden Franken in den Büchern. Im Verhältnis dazu ist der covered Bond, der noch diese Woche emittiert werden und Ende Monat an der Börse gelistet werden soll, ist mit seinen mindestens 150 Millionen Franken ein kleiner Fisch. Gemäss Investorenpräsentation ist das aber nur der Anfang. Das neue Programm soll kontinuierlich ausgebaut werden. Laut Andrey ist geplant, dass jährlich Obligationen bis zu 500 Millionen ausgegeben werden können. Am Ende sollten die neuen Papiere einen «substanziellen» Anteil an der Refinanzierung haben, sagt Andrey.

Der Bund

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