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US-Rettungsplan für Banken

Die US-Regierung will die Finanzbranche mit staatlicher Hilfe von faulen Krediten befreien. Die Börsen in den USA schossen um vier Prozent in die Höhe, Asiens Märkte ziehen mit.

Händler an der New Yorker Börse: Für einmal gibt die Kursentwicklung Anlass zur Freude.
Händler an der New Yorker Börse: Für einmal gibt die Kursentwicklung Anlass zur Freude.
Keystone

Finanzminister Henry Paulson teilte in Washington mit, dass über einen «Gesamtplan» beraten werde, um die Krise zu überwinden. Paulson und US-Notenbankchef Ben Bernanke berieten mit Vertretern des US-Kongresses und der Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, über das Vorgehen. «Wir sprachen über eine umfassende Herangehensweise, die per Gesetz das Problem der nicht-liquiden Vermögenswerte in den Bilanzen bewältigen soll», so Paulson.

Bernanke beschrieb die Gespräche im Kongress als «sehr, sehr positiv». Pelosi sagte: «Wir hoffen, sehr schnell voranzukommen. Tempo ist entscheidend.» Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sagte, er erwarte einen Vorschlag binnen Stunden.

Vorbild aus den 80er-Jahren

In einem Bericht des Senders CNBC hiess es, nach den Überlegungen von Finanzminister Paulson soll sich die angedachte Auffanglösung an dem Modell der Resolution Trust Corp. orientieren, das die Regierung Ende der 80er Jahre nach dem Zusammenbruch mehrerer Spar- und Darlehenskassen erfolgreich zur Bekämpfung der damaligen Finanzkrise einsetzte.

Die 1989 vom Kongress gegründeten RTC versetzte den Staat in die Lage, Grundvermögen, Hypotheken und andere Anlagen im Gesamtwert von 394 Milliarden Dollar zur Stützung des Marktes zu kaufen, die aus dem Bestand hunderter zusammengebrochener Spar- und Darlehensbanken stammten. Die RTC verkaufte die erworbenen Vermögen über Jahre hinweg und wurde schliesslich aufgelöst.

Beratungen am Wochenende

Die Beratungen mit den Vertretern von Senat und Repräsentantenhaus sollten über das Wochenende fortgesetzt werden, um einen «Weg nach vorne aufzuzeigen», sagte die Sprecherin weiter.

Laut einem Kongress-Mitarbeiter erwägt Paulson die Schaffung einer staatlichen Behörde zur Abwicklung von faulen Positionen in den Büchern der Banken. Vorbild solle die Resolution Trust Corporation sein, die 1989 uneinbringliche Kredite abgewickelt hatte.

Banken von Ramschpapieren befreien

In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten riskante Papiere und «faule Kredite» gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten. Eine solche Lösung würde nach Ansicht ihrer Befürworter die Bilanzen der Banken von Lasten befreien und ihnen einen normalen Geschäftsbetrieb ermöglichen. Auch müssten nicht mehr wie bisher Rettungsaktionen für einzelne Geldhäuser gestartet werden. In der Folge wären Banken eher bereit, Geld zu verleihen.

Im Gefolge der Pleite der US-Bank Lehman Brothers waren die Börsen in den vergangenen Tagen weltweit in schwere Turbulenzen geraten. Die grossen Notenbanken der USA, Japans und in Europa hatten hohe Milliardenbeträge in den Markt gepumpt, um die Märkte zu stabilisieren.

Ausweg für Morgan Stanley?

Am Donnerstag erholten sich die US-Aktienmärkte nach den Gerüchten über den staatlichen Rettungsplan wieder. In Reaktion auf die mögliche Auffanglösung kletterte der Dow-Jones-Index zum Handelsschluss um fast 3,9 Prozent auf 11’019,69 Punkte. Auch die Börsen in Lateinamerika und Japan reagierten in der Nacht zum Freitag mit teils kräftigen Gewinnen.

Der Rettungsplan könnte auch der um ihre Zukunft ringenden US-Investmentbank Morgan Stanley helfen. Das Traditionshaus verhandelt derzeit laut Medien einerseits mit dem viertgrössten US-Finanzkonzern Wachovia über eine Fusion. Parallel versuche die Bank aber weiter, ihre Unabhängigkeit zu retten - womöglich mit Kapital von Chinas Staatsfonds CIC. Dieser könnte seine Beteiligung von bereits zehn auf bis zu knapp 50 Prozent aufstocken.

Ermittlungen gegen Spekulanten

Die US-Justiz geht unterdessen wegen der Börsenturbulenzen verschärft gegen Spekulanten vor. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kündigte umfassende Ermittlungen zu böswillig gestreuten Gerüchten und illegalen Praktiken bei Börsenwetten auf fallende Kurse an.

Heftige Kursstürze hatten zuletzt Investmentbanken und den US-Versicherer AIG an den Rande des Abgrunds getrieben oder wie im Fall von Lehman Brothers sogar in die Insolvenz gestürzt.

SDA/cpm

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