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US-Mercedes-Chef unter mysteriösen Umständen gefeuert

Mercedes hat sich in den USA als Marktführer etabliert. Nun muss Ernst Lieb, der Chef des Konzern, gehen. Über den überraschenden Abgang können Experten nur spekulieren.

Unter seiner Führung kam für Mercedes in den USA der grosse Erfolg: Ernst Lieb.
Unter seiner Führung kam für Mercedes in den USA der grosse Erfolg: Ernst Lieb.
Keystone

Der langjährige Mercedes-Chef in den USA geht Hals über Kopf. Ernst Lieb sei mit sofortiger Wirkung freigestellt worden, erklärte eine Sprecherin des Mutterkonzerns Daimler gestern in New York. Zu den Gründen wollte sich Daimler auch heute nicht äussern. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert aus der offiziellen Pressemittelung, in der es kurz und knapp heisst: «Ernst Lieb werden ab sofort alle Aufgaben als Geschäftsführer von Mercedes entzogen».

Der Abgang kommt so schnell, dass Daimler noch keine Zeit hatte, einen endgültigen Nachfolger zu finden. Stattdessen übernimmt bis auf weiteres US-Finanzchef Herbert Werner die Leitung des Tagesgeschäfts bei der wichtigen Landesgesellschaft.

Marktführer für Luxusautos

Zumindest von den Verkäufen her hätte Daimler keinen Grund gehabt, Lieb abzulösen: Mercedes-Benz hat den einst so erfolgreichen japanischen Rivalen Lexus in den USA abgehängt. Während Mercedes seinen Absatz in den ersten neun Monaten um 10 Prozent auf 182'000 Wagen steigern konnte, musste die Toyota-Premiummarke einen Rückgang um 17 Prozent auf 136'000 Wagen hinnehmen. Mit BMW liegt Mercedes etwa gleichauf. Der deutsche Finanzanalyst Juergen Pieper bestätigt gegenüber Bloomberg die gute wirtschaftliche Lage des Autokonzerns in den USA: «Die Verkäufe haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt.»

Selbst Branchenkenner können zurzeit nur spekulieren, weshalb zum abrupten Abgang kam: «Ich verstehe das nicht. Es muss persönliche Gründe gebe angesichts der Tatsache, dass sie Marktanteile gewinnen und die Absatzzahlen zulegen», sagt Joe Phillippi, Analyst bei AutoTrends Consulting gegenüber der Automobilzeitung «The Detroit Bureau».

Lieb stand seit 2006 an der Spitze von Mercedes-Benz USA, nachdem er vorher für die Region Australien/Pazifik zuständig war. Die USA sind nicht nur einer der bedeutendsten Absatzmärkte für Mercedes; hier produziert der Premiumanbieter auch die meisten seiner Geländewagen in einem Werk im südlichen Bundesstaat Alabama.

Seit 36 Jahren im Unternehmen

Lieb ist ein Daimler-Veteran und seit insgesamt 36 Jahren im Unternehmen. Noch vor wenigen Monaten eröffnete er zusammen mit Konzernchef Dieter Zetsche eine neue, riesige Verkaufsniederlassung mitten in Manhattan. Auch bei der Werbung drehte Lieb auf: Der Superdome in New Orleans - das bekannte Football-Stadion der Stadt - heisst zehn Jahre lang Mercedes-Benz Superdome.

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