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UBS: Weshalb das Vertrauen zurückkehrt

Gestern galt die UBS als Wackelkandidat, heute springen ihre Kurse steil nach oben. Das hat die Bank auch Marcel Ospel zu verdanken.

Marcel Ospel hat früh reagiert – jetzt zahlt es sich aus.
Marcel Ospel hat früh reagiert – jetzt zahlt es sich aus.
Keystone

Wie war das noch vor kurzem? Die UBS stand da als herausragender Prügelknabe der europäischen Bankwelt, offen wurde darüber spekuliert, ob die grösste Schweizer Bank nicht bald ebenso zusammenkrachen könnte wie Lehman Brothers.

Und heute? Da ist es, als ob nichts passiert wäre. Der Aktienkurs der UBS sprang am Morgen 37 Prozent in die Höhe, nach Gewinnmitnahmen notiert er zur Mittagszeit immer noch fast 30 Prozent über dem Vortag. Das Jojo-Spiel ist der klarste Beweis dafür, dass die Grossbank in diesen Tagen nicht sehr rational beurteilt wird, im Guten wie im Schlechten. «Es ist immer noch viel Psychologie im Kurs», sagt Rainer Skierka, Bankenspezialist bei Sarasin, «die Entwicklung wird nicht nur durch die Fundamentaldaten bestimmt.»

Übertreibungen werden korrigiert

Und was sagen die Fundamentaldaten? Unter anderem, dass die UBS kaum je bedroht war. Die Bankchefs Peter Kurer und Marcel Rohner signalisierten Mitte August zwar selber, dass man noch nicht über dem Berg sei und eventuell weitere Abschreiber anstünden. Im Markt schätzt man das Minus im zweiten Halbjahr zwischen 4 und 5 Milliarden Franken ein. Doch solch eine Summe «kann die UBS verkraften», wie Panagiotis Spiliopoulos sagt, der Chefanalyst der Bank Vontobel. Spiliopoulos hatte sich am Mittwoch, als die UBS-Aktien panikartig verramscht wurden, der Herde entgegengestemmt und in einem Schreiben an die Investoren die UBS-Aktien zum Kauf empfohlen. «Die Märkte sind langfristig effizient, aber kurzfristig übertreiben sie», sagt er heute: «Jetzt wird die Übertreibung der letzten vier Tage teilweise korrigiert».

Verkraften könnte die UBS einen weiteren Milliardenabschreiber, weil ihre Eigenkapitaldecke wieder stabil genug ist. Ihre Kernkapitalquote, die so genannte Tier 1, liegt bei knapp 12 Prozent, also über dem selbst gesetzten Minimum von 10 Prozent. Zum Vergleich: Das neue Konstrukt aus Lloyds und HBOS wird eine Kapitaldecke von weniger als 6 Prozent haben, ohne dass dies die Märkte zu Panikverkäufen verführt. Die UBS aber würde ihre selbstgesteckte, höhere Alarmgrenze erst nach weiteren Abschreibungen in der Grössenordnung von 10 Milliarden erreichen, so die Schätzung von Analysten. Gleichzeitig fliessen der Bank in jedem Halbjahr drei bis vier Milliarden Franken aus dem lukrativen Private Banking zu.

Früh Geld beschafft, früh informiert

Schlecht begründet war also die grösste Angst der letzten Tage - die Angst nämlich, die UBS müsse nochmals so viel Geld abschreiben, dass sie zu einer weiteren Kapitalerhöhung gezwungen wird: Dann nämlich würde es schwer, neue Spender zu finden. Vielmehr zeigt sich heute, dass die UBS auch einiges richtig machte: Sie hat, noch durch Marcel Ospel persönlich, ihr Kapital sehr früh wieder aufgestockt.

«Die UBS war ein first moverbei der Kapitalbeschaffung», sagt Rainer Skierka von der Bank Sarasin: «Das zahlt sich jetzt aus.» Auch habe die UBS immer relativ frühzeitig über ihre Problemfelder informiert, so Skierka. Dies hatte den Nachteil, dass die Schweizer Bank immer wieder als besonderer Problemfall der Subprime-Krise behandelt wird – wie erneut in den letzten Tagen. Doch es hat den Vorteil, dass ihre Probleme, bei kühler Betrachtung, inzwischen recht fassbar scheinen.

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