Toblerone und die fehlenden Zacken

Ein britischer Discounter will eine Toblerone-Kopie auf den Markt bringen. Dagegen klagt Hersteller Mondelez. Doch er könnte über eine von ihm vorgenommene Designänderung stolpern.

Die alte Toblerone mit elf (oben) und die neu designte mit neun Zacken: Noch schützenswert? Foto: Alastair Grant (Keystone)

Die alte Toblerone mit elf (oben) und die neu designte mit neun Zacken: Noch schützenswert? Foto: Alastair Grant (Keystone)

Stefan Eiselin@tagesanzeiger

«Lächerlich», «dumm», «einfach nur ein dämlicher Entscheid» – so schallte es dem amerikanischen Lebensmittelriesen Mondelez entgegen, als er vergangenes Jahr in Grossbritannien eines seiner bekanntesten Produkte veränderte. Er reduzierte damals die Anzahl der Zacken der Toblerone von elf auf neun und das Gewicht der Standardpackung von 170 auf 150 Gramm. Im Gegenzug wurden die Täler zwischen den Schokogipfeln breiter. Dafür blieb der Preis gleich.

Mit der Renovation der Kultschoggi in der Form des Matterhorns reagierte Mondelez auf das als Folge des Brexit-Votums schwach gewordene Pfund, das die Margen markant nach unten trieb. Der Aufschrei über die Massnahme ist inzwischen verstummt, den Entscheid könnte der Konzern trotzdem noch bereuen. Denn ein Konkurrent nutzt genau diesen für seine Sache.

«Lücken am richtigen Ort»

Der Harddiscounter Poundland lancierte vor zwei Monaten eine Schokolade, die der im Jahr 1908 von den beiden Berner Chocolatiers Theodor Tobler und Emil Baumann erfundenen dreieckigen Schoggi verblüffend ähnlich sieht. Er nannte sie «Twin Peaks» und verpasste ihr neben einer gelblichen Packung mit roter Schrift eine Form mit zehn Doppelzacken.

Poundland kam nicht einfach so auf die Idee. Der Detailhändler mit 500 Läden in Grossbritannien und Irland reagierte damit auf den Beschluss von Mondelez, die Toblerone neu zu designen und zu schrumpfen. «Unsere Kunden sind schlau, und die Anpassung bei ihrer Lieblingsschokolade blieb nicht unentdeckt. Darum haben wir eine Ein-Pfund-Alternative kreiert – in der Grösse, die die Kunden wollen, mit britischem Geschmack und mit den Lücken am richtigen Ort», begründete Verkaufschef Barry Williams bei der Vorstellung des Produktes. Poundland war bis dahin der wichtigste Absatzkanal für Toblerone auf der Britischen Insel.

Gegen die Kopie zog Mondelez vor Gericht. Poundland habe den Markenschutz verletzt und ihre Toblerone kopiert. Das Design und die Form der Schokolade wurde vom Schweizer Ableger 1998 unter dem Aktenzeichen 000031203 in der Europäischen Union eingetragen. Der Schutz wurde letztes Jahr bis 2026 verlängert.

Doch das angegriffene Unternehmen weist das von sich. Die Form ihrer Schokolade sei dem Wrekin Hill in der Grafschaft Shropshire nachempfunden. Zudem wiege sie 180 Gramm und damit 20 Prozent mehr. Und nicht zuletzt habe sie einen «unverwechselbar britischen Geschmack». Der Verkaufsstart von Twin Peaks wurde dennoch auf unbestimmte Zeit verschoben.

Sich selbst kopiert?

Der Fall Toblerone gegen Twin Peaks liegt jetzt bei den Richtern. Diese Woche gab Poundland neue Unterlagen ein, um sich zu verteidigen. Und die haben es in sich und bringen Mondelez in die Bredouille, wie die Zeitung «Guardian» schreibt. Der Detailhändler argumentiert nämlich, Mondelez habe mit seiner Designanpassung den Schutzanspruch selbst aufgegeben. Der Konzern habe sich quasi selber kopiert. Poundland findet, Mondelez könne deshalb nicht mehr für sich beanspruchen. «unverwechselbar» zu sein. Eine Markenrechtsexpertin erklärte gegenüber dem «Guardian», diese Argumentation habe durchaus etwas. «Je länger man eine Marke gleichbleibend braucht, desto stärker ist der Anspruch.»

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