Teures Roaming bei Billiganbietern

Migros, Coop und Aldi verlangen zum Teil höhere Gebühren als die Mobilfunkanbieter, mit denen sie zusammenarbeiten.

Selfies verschicken und empfangen kann in den Ferien ins Geld gehen.

Selfies verschicken und empfangen kann in den Ferien ins Geld gehen. Bild: Keystone

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Wer während der Herbstferien am Meeresstrand ausgerechnet mit den Billigprodukten der Detailhändler telefoniert und Fotos empfängt, kann kostspielige Überraschungen erleben. Bei Migros, Coop und Aldi fallen teilweise höhere Roaminggebühren an als bei den Schweizer Mobilfunkbetreibern, deren Netze die Handelskonzerne nutzen. Das haben aktuelle Berechnungen des Online-Vergleichsdienstes moneyland.ch ergeben.

M-Budget von Migros hat Swisscom an Bord geholt. Der Partner von Coop heisst Salt. Und Aldi kooperiert mit Sunrise.

Roaminggebühren fallen an, damit der Kunde eines Schweizer Mobilfunkanbieters über ein ausländisches Netz Gespräche führen kann und mit dem Internet verbunden ist. Die Schweizer Betreiber setzen damit zusammen eine halbe Milliarde Franken um.

Die Einnahmen dank Roaming sind jedoch seit 2011 rückläufig. Gründe sind der steigende Preisdruck und die Möglichkeit, übers drahtlose Internet anstatt über die ausländischen Mobilfunknetze zu telefonieren.

Für den Vergleich hat moneyland.ch eine Aufenthaltsdauer von zwei Wochen in einem beliebten Ferienland angenommen. Berechnet hat das Online-Portal die Kosten für ein Gigabyte Datenverbrauch und jeweils 60 Gespräche zu durchschnittlich zwei Minuten in fünf Destinationen. Die Rede ist von Spanien, den USA, Thailand, Vietnam und Südafrika.

Migros hat Tarife gesenkt

M-Budget Mobile hat zwar auf den 18. Juli 2018 die Preise beim Datenroaming für die Abonnenten gesenkt, ist aber immer noch teurer als die Partnermarke Swisscom. Ein Beispiel: Ein Paket mit 1024 Megabyte Datenroaming ist für Swisscom-Kunden für 19.90 Franken erhältlich.

Ein Abonnent von M-Budget bezahlt für ein Paket mit 500 Megabyte 14.90 Franken. 1000 Megabyte kosten damit 29.80 Franken, was 9.90 Franken mehr ausmacht als beim vergleichbaren Angebot von Swisscom.

Der Telecomexperte von moneyland.ch analysiert: «Es gibt keinen Grund, weshalb für Abonnenten mit M-Budget beim Roaming höhere Kosten anfallen als für normale Swisscom-Kunden», sagt Ralf Beyeler. Swisscom zahle den ausländischen Mobilfunkanbietern fürs Mitbenutzen der Netze gleich viel – unabhängig davon, welches Preismodell der Kunde gewählt habe.

Die Migros entgegnet, dass Roaming nicht isoliert betrachtet werden könne. Es sei immer Teil eines Gesamtangebots. M-Budget Mobile verfolge ausserdem eine andere Philosophie als die Mitbewerber: «Wir wollen den Kunden auf einen gesunden Umgang mit dem Smartphone aufmerksam machen und uns bewusst im Segment für Einsteiger positionieren», sagt Migros-Sprecherin Anne-Catherine Berrut.

Wie günstig ist Aldi?

Aldi wirbt auf der Homepage mit dem Slogan «Günstige Preise – auch im Ausland». Erschwingliche Tarife gibt es bei Aldi nur in den EU-Ländern und einigen weiteren ausgewählten Destinationen wie den USA, der Türkei oder Norwegen.

In anderen Ländern ist Roaming unbezahlbar. Kunden von Aldi müssen mit Kosten von rund 16'000 Franken rechnen, etwa in Vietnam. Immerhin: In der Praxis wird der Kunde keine horrende Rechnung erhalten, weil der Partner Sunrise die Verbindungen vorher unterbricht.

Ausserdem ist Aldi ein reines Prepaid-Angebot. Der Kunde muss daher im Voraus einen Geldbetrag einzahlen.

Das Fazit von Branchenkenner Beyeler: «Es ist unverständlich, dass es auch im Jahr 2018 noch Angebote gibt, bei denen die Kunden 15 Franken für ein einziges Megabyte hinblättern müssen.» Er verweist auf die vergleichbaren Produkte von Sunrise. So erhalte ein Kunde zum Beispiel für Vietnam für 14.90 Franken ein Datenpaket mit 100 Megabyte. Das entspreche 100-mal mehr Volumen zum gleichen Preis.

Aldi schickt voraus, dass sich der Discounter bei seinem Tarifangebot an den Bedürfnissen seiner Kundschaft orientiere. Diese schätze es, insbesondere in der Schweiz, in Deutschland und Österreich sowie in Europa günstig telefonieren und mobiles Internet nutzen zu können. Dank einer schlanken Struktur bei Organisation und Vertrieb können Aldi den Nutzern günstige Roamingtarife für diese Regionen anbietet.

Zu den Ausreissern in Vietnam sowie Südafrika und Thailand sagt Aldi-Sprecher Philippe Vetterli: «Roamingdienste werden zu Standardgebühren angeboten, die sich nicht wesentlich von den Standardtarifen anderer Anbieter unterscheiden.» Die Kundschaft von Aldi Mobile könne das Datenroaming zur Kostensicherheit in solchen Ländern deaktivieren.

Coop punktet mit Prepaid

Kunden mit Prepaid bezahlen mit Coop Mobile deutlich weniger für Roaming als bei Salt. Umgekehrt ist es jedoch mit Abonnement: Coop Mobile ist bei diesem Preismodell teurer als die Partnermarke.

Branchenkenner Beyeler sagt dazu: «Fairerweise muss man betonen, dass der Kunde nur mit Datenpaketen surfen kann. Der Nutzer hat damit keine Kostenfallen zu fürchten.»

Coop teilte einzig mit, das Unternehmen wolle den Kunden mit Coop Mobile ein attraktives Angebot machen.

Migros und Coop waren 2005 in den Mobilfunkmarkt eingestiegen, um ihre Kundschaft fester an sich zu binden und das Image ihrer Billigmarken zu stärken. Zwei Jahre später zog Aldi nach.

Jüngere Menschen gelten als attraktive Kunden, die nach günstigen Angeboten mit wenig Schnickschnack verlangen. Diese Zielgruppe ist wechselwillig und sorgt deshalb in einem gesättigten Schweizer Mobilfunkmarkt für Wachstum. Mit Billigmarken buhlen die Anbieter um diese städtisch geprägten Nutzer. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 30.09.2018, 20:53 Uhr

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