Tesla verklagt Schweizer Zulieferer

Mangelnde Qualität der Flügeltüren-Prototypen: Der Elektroauto-Hersteller will die Schweizer Hoerbiger Automotive Systems vor Gericht ziehen.

Entsprechen nicht den Qualitätsstandards: Die Flügeltüren des Teslas Models X. (30. September 2015)

Entsprechen nicht den Qualitätsstandards: Die Flügeltüren des Teslas Models X. (30. September 2015)

(Bild: Keystone Tesla Motors)

Die Elektroauto-Pioniere von Tesla haben in San José gegen die Hoerbiger Automotive Comfort Systems und Hoerbiger America Holding Klage eingereicht. Sie gehören zur Schweizer Hoerbiger Gruppe.

Wie die «Handelszeitung» am Donnerstag berichtete, hätte Hoerbiger für das Modell X die Türenhydraulik liefern sollen. Dazu sei man 2014 übereingekommen. Doch weil die Schweizer nicht so liefern konnten, wie Tesla-Chef Elon Musk dies wünschte, sei dies mit ein Grund gewesen, dass die Produktion der Falcon-Wing-Türen des Elektro-SUV dauernd verzögert worden sei. Nach über einem Jahr Ärger und Ausgaben für nichts hätte sich Tesla entschieden, von Hoerbiger nichts mehr zu bestellen und einen anderen Zulieferer zu suchen.

Hoerbiger weist in einer Stellungnahme die Anschuldigungen zurück. Das Unternehmen habe alle mit Tesla vereinbarten Anforderungen erfüllt. Man sei «in jeder Hinsicht zur termingerechten Aufnahme der Serienproduktion bereit» gewesen.

Keine weiteren Gelder für Türmechanismus

Die Flügeltüren des Modell X ermöglichen auch in engen Parklücken bequemes Aus- und Einsteigen – und haben Tesla wohl viel Kopfzerbrechen bereitet. Denn die Falkentüren waren einer der Gründe dafür, dass Tesla sowohl die Vorstellung als auch den Produktionsstart seines Elektro-SUV mehrfach verschob.

Weil der Protoyp von Hoerbiger nichts taugte, hätte man die dazu benötigte Technik neu entwickeln müssen, beklagt sich Tesla in einer insgesamt über 40 Seiten langen Klageschrift. Die vorgestellten Prototypen entsprachen nicht Teslas Qualitätsstandards. Tesla wirft Hoerbiger in der Klage etwa vor, dass deren Hydraulikteile Öl verloren oder die Mechanik so stark überhitzte, dass sich die Türen nicht mehr öffnen liessen.

Tesla will nun gerichtlich festgehalten haben, dass man Hoerbiger neben den bisher bezahlten 3 Millionen Dollar keine weiteren Gelder mehr schulde und die Zusammenarbeit einstellen könne.

Holding in Zug

Denn obwohl Tesla Hoerbiger den Deal aufkündigte, hätten die Schweizer weiter «unverschämte» Forderungen gestellt: Etwa, dass die Amerikaner mit Hoerbiger weiter für die ganze Laufzeit der Model-X-Reihe zusammenarbeiten müssten. In der eingereichten Klage hält Tesla fest, dass man mit der Aufkündigung des Vertrags keinerlei Vertragsverletzungen begehe und Hoerbiger nichts mehr schuldig sei.

Hoerbiger schreibt dazu, man sei nach der Vertragsauflösung durch Tesla in Verhandlung über eine «angemessene Entschädigung» für entstandene Kosten gestanden, einschliesslich vertraglicher Verpflichtungen gegenüber eigenen Lieferanten.

Seit 1997 hat die Hoerbiger Firmengruppe ihre internationale Dachholding im Kanton Zug angesiedelt. Das Unternehmen geht auf den österreichischen Erfinder Hanns Hörbiger zurück, der den Grundstein für die Firma mit einem Patent aus 1895 legte.

nag

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