Tesla hat eine Pechsträhne

Produktionsprobleme beim Model 3 und technische Mängel beim E-SUV – was bei Elon Musks Elektroautofirma schiefläuft.

Tesla-Gründer Elon Musk glaubt unbeirrt an die Zukunft seines Unternehmens trotz jüngster Rückschläge.

Tesla-Gründer Elon Musk glaubt unbeirrt an die Zukunft seines Unternehmens trotz jüngster Rückschläge. Bild: Marcio Jose Sanchez

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Beim US-Elektroauto-Pionier Tesla häufen sich derzeit die schlechten Nachrichten. Nach enttäuschenden Zahlen zur Produktion des neuen Hoffnungsträgers Model 3 meldet Tesla nun Qualitätsprobleme beim SUV, dem Model X. Tesla ruft rund 11'000 Model X zur Reparatur, weil bei einigen Modellen die Gefahr bestehen könnte, dass Sitze in der zweiten Reihe bei einem Unfall unerwartet nach vorne rutschen, teilte das Unternehmen mit.

Es seien jedoch bisher keine solchen Vorfälle bekannt. Tesla habe das Problem bei internen Tests entdeckt und sich als Vorsichtsmassnahme für den Rückruf entschieden. Ursache der Probleme seien einige Kabel, die angepasst werden müssen. Betroffen sind Fahrzeuge des Typs Model X, die zwischen dem 28. Oktober 2016 und dem 16. August 2017 gefertigt worden sind, hiess es.

Wegen Problemen mit Sitzen in der dritten Reihe musste Tesla bereits 2700 Wagen des SUV im April 2016 zur Reparatur beordern.

Produktionsproblem beim Model 3 gravierender

Solche Rückrufe mögen nicht gut für das Image von Tesla sein. Die wichtigen Probleme von Tesla liegen nach Ansicht von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer woanders. «Der Rückruf ist nicht dramatisch, für gravierender halte ich die Produktionsprobleme beim Model 3», sagt der Professor für Automobilwirtschaft der Uni Duisburg-Essen und Leiter des Center Automotive Research (CAR).

Bildstrecke - Die Produktion des Modell 3 von Tesla

Anfang des Monats schockte Tesla mit der Nachricht, dass der E-Auto-Pionier nur ganze 260 Stück des Mittelklasseautos Model 3 im dritten Quartal gefertigt hat – rund 80 Prozent weniger als geplant, das Produktionsziel lag bei «über 1500». Tesla begründete die enttäuschenden Zahlen mit «Engpässen in der Produktion», versprach aber gleichzeitig, dass die Probleme «in nächster Zeit» gelöst werden könnten. Doch das Ziel, im Dezember die Fertigung auf 20'000 Stück im Monat hochzufahren, erscheint nun mehr als ehrgeizig.

Kampfansage an die Konkurrenz

Für Tesla ist der Erfolg des Model 3 enorm wichtig. Denn der Wagen stellt den Einstieg in das Massengeschäft dar. Schon der Name «Model 3» ist eine kaum verhohlene Kampfansage an den 3er von BMW, der neben der 5er-Reihe wirtschaftlich das Rückrat des Autobauers aus München darstellt.

Die etablierten Player arbeiten daher mit Hochdruck an einem «Tesla-Killer». Auf Automessen haben Daimler, BMW & Co. reihenweise neue E-Autos vorgestellt, die in puncto Reichweite mit Tesla-Autos mithalten sollen. Doch die meisten dieser neuen E-Autos werden nicht vor 2020 zu kaufen sein. «Tesla hat also noch rund zwei Jahre Vorsprung auf die Konkurrenz», analysiert Experte Dudenhöffer. «Wenn Tesla es in dieser Zeit nicht schafft, in die Gewinnzone zu kommen, wird es schwierig werden», erklärt er. Vor diesem Hintergrund sei jede weitere Verzögerung beim Model 3 kritisch zu sehen. «Tesla läuft die Zeit davon.»

Model 3 kommt vermutlich 2018 in die Schweiz

Rund 455'000 Vorbestellungen liegen Tesla für das Model 3 bisher vor. In Europa dürften die ersten Fahrzeuge der elektrischen Mittelklasse-Limousine im Laufe des kommenden Jahres ausgeliefert werden. Laut Tesla Schweiz sind deutlich über 5000 Tesla hierzulande unterwegs. Die meisten sind die Oberklasse-Limousine «Model S».

Video - Vor über einem Jahr wurde das Modell 3 erstmals vorgestellt

Noch hat die Börse Vertrauen in Tesla-Chef Elon Musk. Der E-Auto-Pionier hat derzeit einen Marktwert von rund 60 Milliarden Dollar – General Motors (GM) wird derzeit mit 65 Milliarden Dollar bewertet. GM erwirtschaftet allerdings einen Jahresgewinn von zuletzt 9,4 Milliarden Dollar. Tesla dagegen schreibt nach wie vor tiefrote Zahlen.

Um die Produktion des Model 3 hochzufahren, braucht Tesla weiter frisches Geld. Erst im August hatte Tesla über eine Anleihe 1,5 Milliarden Dollar frische Mittel aufgenommen. Analysten schätzen den Kapitalbedarf – etwa auch zum Bau der geplanten Batteriefabrik – auf 2 bis 3 Milliarden Dollar pro Jahr.

Trotz aller Probleme: Auch Experte Dudenhöffer anerkennt, dass Tesla schon bisher «Dinge erreicht hat, welche niemand in der Branche je für möglich gehalten hat». So baut Tesla nicht nur E-Autos, die beim Kunden ankommen. Parallel hat der Newcomer ein eigenes neues Vertriebssystem auf die Beine gestellt und eine eigene Lade-Infrastruktur aufgebaut. Auch bei den E-Tankstellen will nun die Konkurrenz nachziehen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.10.2017, 12:03 Uhr

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