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Swisscom ärgert Kunden mit Wechselgebühr

Wer zu einem neuen TV-Angebot wechseln will, muss 99 Franken zahlen. Für die Aktivierung sowie die Lieferung und Bereitstellung der neuen Box, lautet die Rechtfertigung der Swisscom.

Für den Umstieg auf ein neues TV-Abo verlangt Swisscom eine Gebühr von langjährigen Kunden.
Für den Umstieg auf ein neues TV-Abo verlangt Swisscom eine Gebühr von langjährigen Kunden.
Keystone

So hat sich das Swisscom-Kunde N. B.* nicht vorgestellt. Er wollte seinem Anbieter treu bleiben, aber zu einem günstigeren TV-Angebot wechseln. Doch im Verlauf der Beratung wird klar: Er müsste für den Umstieg zuerst zahlen. 99 Franken koste der Wechsel, informierte ihn der Kundenberater. N. B. verzichtete schliesslich darauf.

Den Ausschlag, einen Wechsel überhaupt in Erwägung zu ziehen, gaben die neuen Bündelangebote, die Swisscom anbietet. Sie beinhalten Swisscom TV 2.0, die neue Version des TV-Angebots des grössten Schweizer Telecomkonzerns. Die Preise bei den neuen Angeboten haben sich in ihrer Bandbreite leicht verbreitert. Sie reichen nun von 54 bis 169 Franken pro Monat. Vorher lagen sie zwischen 54 und 149 Franken. Gleichzeitig haben sich die Leistungsmerkmale verändert.

Waren vorher fünf verschiedene Abos erhältlich, sind es jetzt deren sechs. Auffällig ist, dass die Replay-Funktion bereits beim Abo ab 89 Franken enthalten ist beziehungsweise für 74 Franken ohne Festnetzanschluss. Kunde N. B. kam zur Überzeugung, dass er bereits für weniger Geld als bisher genau die Leistung erhalten würde, die er benötigt.

Geld für Versand und Bereitstellung

Auf die Frage, weshalb er eine Gebühr für den Umstieg zahlen müsse, beschied ihm der Berater, das sei wegen der neuen Informatiklösung, die Swisscom für das Angebot eingerichtet habe. Ein Wechsel zu einem günstigeren älteren Abo sei zudem nicht möglich. Neu würden nur noch die neuen Abos verkauft. Im Übrigen sei Swisscom der einzige Anbieter in der Schweiz, der die Kunden in den alten Abos belasse und nicht zum Wechseln zwinge.

Bei Swisscom bestätigt man die Praxis: «Für die Aktivierung von Swisscom TV 2.0 und die Bereitstellung der TV-Box verrechnen wir unseren Kunden einmalig 99 Franken. Dies ermöglicht den Versand und die Bereitstellung der neuen Box inklusive Fernbedienung», sagt ein Sprecher.

Kampf um die letzten Analogkunden

«Swisscom kann sich ein solches kundenunfreundliches Verhalten nur wegen der starken Marktposition leisten», sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler vom Internetvergleichsdienst Comparis.

Unter den Schweizer TV-Anbietern hat der Konkurrenzkampf wieder an Härte zugenommen. Swisscom hat zuletzt mit überarbeiteten Abos für zusätzliche Dynamik gesorgt. Seit September ist nun bei allen Internetangeboten mit einer Ausnahme immer gleich ein TV-Angebot enthalten.

Die Ausnahme bildet DSL mini, das Produkt, das die Swisscom im Rahmen ihres Grundversorgungsauftrages anbietet. Dieses Angebot wird von der Swisscom nicht aktiv beworben und ist preislich auch nicht attraktiv. Inklusive der Kosten für den Festnetzanschluss zahlt der Kunde dafür monatlich 59.35 Franken. Bereits ab 39.50 Franken pro Monat gibt es mit Swisscom Casa ein Kombiangebot, das Internet, TV und Festnetz bietet. Wenngleich der Internetzugang nur halb so schnell ist.

Telecom-Experte Beyeler vermutet, dass die Pläne des Swisscom-Konkurrenten UPC Cablecom diese Entwicklung antreiben. Cablecom will nächstes Jahr das analoge Signal abschalten. Um jene Kunden, die bis jetzt noch in die alten analogen Röhren gucken, scheint jetzt ein Verteilkampf zu entbrennen. «Swisscom hat alle Kunden im Visier, die bis heute noch analog via Kabel von Cablecom fernsehen. Die sind einfacher zu holen, wenn man ihnen zum Internetanschluss noch ein TV-Abo unterjubelt. Diese Kunden haben dann eine Swisscom-Box im Wohnzimmer», sagt Beyeler.

*Name der Redaktion bekannt

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