Swatch muss weiter Uhrenteile an Konkurrenten liefern

Die Wettbewerbskommission fällt ihrem eigenen Sekretariat in den Rücken. Sie billigt das mit Swatch ausgehandelte Abkommen, mit dem der Uhrenkonzern Lieferungen reduzieren wollte, nur teilweise.

Swatch muss weiterhin Schlüsselkomponenten liefern: Ein Uhrmacher-Lehrling bei der Firma «Zeit Zone Zürich AG» in Zürich. (9. Juni 2012)

Swatch muss weiterhin Schlüsselkomponenten liefern: Ein Uhrmacher-Lehrling bei der Firma «Zeit Zone Zürich AG» in Zürich. (9. Juni 2012)

(Bild: Keystone)

Die Zeiger im Streit um Lieferreduktionen zwischen der Wettbewerbskommission (Weko) und dem Uhrenkonzern Swatch werden wieder zurückgestellt. Zwar befürwortet die Weko grundsätzlich, dass die Swatch Group die Lieferung von mechanischen Uhrwerken an Drittkunden unter gewissen Voraussetzungen stufenweise reduzieren kann, hält dies aber bei den Assortiments für verfrüht.

Die Weko schickte deshalb die entsprechende, zwischen dem Weko-Sekretariat und der Swatch Group im Frühjahr 2013 getroffene, einvernehmliche Vereinbarung an den Absender zurück.

Grünes Licht – unter einer Voraussetzung

Die nun nicht genehmigte Regelung sah vor, dass Swatch die Lieferung von mechanischen Uhrwerken wie auch von Schlüsselkomponenten für Uhrwerke (Assortiments) an andere Uhrenhersteller bis ins Jahr 2021 beziehungsweise 2025 reduzieren darf. Bezüglich mechanischer Uhrwerke gab die Weko gemäss einer Mitteilung grünes Licht – unter der Voraussetzung, dass die Swatch-Tochter und Uhrwerke-Herstellerin ETA SA alle ihre Kunden grundsätzlich gleich behandelt.

Für die Jahre 2012 und 2013 wurde die Swatch Group von der Weko dazu verpflichtet, ihre Abnehmer vorerst mit 85 Prozent der gelieferten Uhrwerk-Mengen von 2010 zu beliefern. Für 2014 erachtet die Kommission eine weitere Lieferreduktion von 10 Prozent als angemessen.

Bei den Assortiments dagegen laufen die noch geltenden vorsorglichen Massnahmen - Swatch liefert 95 Prozent der Menge von 2010 - Ende 2013 aus. «Ab dem 1. Januar 2013 muss Swatch die Assortiments wieder vollumfänglich ausliefern», sagte Weko-Präsident Vincent Martenet auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Regelung läuft Ende Jahr aus

Die Weko erachtet eine Lieferreduktion bei den Assortiments aufgrund der derzeitigen Marktverhältnisse sowie der unsicheren weiteren Entwicklung in diesem Bereich als verfrüht. «Es gibt zu viele Unsicherheiten», sagte Martenet . Im Moment gebe es noch keine genügenden Alternativen zu den Swatch-Lieferungen.

Deshalb wolle die Weko die Entwicklungen im Markt in den nächsten Jahren abwarten, bevor sie Lieferreduktionen zustimmen kann. «Wahrscheinlich wird es einige Jahre dauern, bis die Swatch Group und das Weko-Sekretariat wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren werden», hielt Martenet fest. Eine weitere einvernehmliche Regelung zwischen dem Weko-Sekretariat und der Swatch Group müsste erneut der Wettbewerbsbehörde zur Genehmigung vorgelegt werden.

Hayek will innovativere Industrie

Swatch-Chef Nick Hayek geht dies aber alles zu langsam. «Es ist erstaunlich, wie praktisch niemand in der Schweizer Uhrenindustrie sich bewegt hat, seit die Diskussion um das Thema vor über einem Jahrzehnt begonnen hat», liess er in einem schriftlich verfassten Zitat verlauten.

Nicht überraschend war er vom Weko-Entscheid enttäuscht, bedauerte aber auch die fehlende Innovationskraft der Konkurrenten. Diese zeigten wenig Interesse daran, «Neues zu schaffen oder unabhängiger von Swatch Group zu werden». Hayek verwies weiter auf das Anfang Mai an der Uhrenmesse Baselworld vorgestellte neue mechanische Uhrwerk «Sistem51». Damit habe sein Unternehmen bewiesen, dass es möglich sei, in etwas mehr als zwei Jahren ein Produkt zu kreieren und zu industrialisieren, «das nicht nur 60 Prozent, sondern 100 Prozent Swiss Made ist».

Für die neuen Uhren investierte Swatch zwischen 60 und 80 Millionen Franken. Sie werden in diesem Herbst auf den Markt kommen und je Stück zwischen 100 und 200 Franken kosten.

Jahrelanger Streit

Die Kontroverse um die Lieferreduktionen läuft schon seit Jahren. Während der weltweit grösste Uhrenkonzern die Lieferungen an seine Drittkunden kontinuierlich reduzieren will, wehren sich einige kleine Hersteller vehement dagegen.

Sie kritisieren, dass die Fristen den Marken der mittleren Preisklasse nicht genügen, um neue Lieferanten zu finden. Dadurch würde das Wachstum dieser Firmen verlangsamt. Eine Alternative zu Swatch für den Kauf von Uhrwerken gebe es in dieser Preisklasse nicht.

Wegen der von der Weko getroffenen vorsorglichen Massnahmen, die es der Swatch Group erlauben, weniger Komponenten zu liefern, waren mehrere Firmen ans Bundesverwaltungsgericht gelangt, das die Massnahmen der Weko aber im September 2011 bestätigte. Ende Mai 2012 verlängerte die Wettbewerbsbehörde die vorsorglichen Massnahmen bis Ende 2013.

rub/sda

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