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Strafzahlung verbilligt neue Züge um eine halbe Milliarde Franken

Die neuen Doppelstockzüge der SBB kommen zwar später, dürften aber deutlich günstiger sein. Denn die Verspätung kommt den Hersteller teuer zu stehen. Bei Bombardier legt man nun Sonderschichten ein.

So sollen die neuen Züge dereinst aussehen: SBB bestellten im Mai 2009 insgesamt 59 Doppelstockzüge bei Bombardier.
So sollen die neuen Züge dereinst aussehen: SBB bestellten im Mai 2009 insgesamt 59 Doppelstockzüge bei Bombardier.
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Das Auftragsvolumen beträgt rund 1,9 Milliarden Franken.
Das Auftragsvolumen beträgt rund 1,9 Milliarden Franken.
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Kundeninformationssystem in der 1. Klasse.
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Weil die 59 Doppelstockzüge von Bombardier später übers SBB-Netz rollen als geplant, muss der kanadische Hersteller fast eine halbe Milliarde Franken Konventionalstrafe zahlen, schreibt «Der Sonntag». Statt wie ursprünglich vorgesehen Ende 2013 kann der kanadische Hersteller die für den Intercity-Ost-West-Verkehr vorgesehenen Kompositionen erst zwei Jahre später liefern.

Gemäss den Offertunterlagen für die grösste Rollmaterialbeschaffung in der Geschichte der SBB muss der Hersteller für jeden um eine Woche verspäteten Zug eine Strafe von 0,5 Prozent des Stückpreises bezahlen. Bei einem Auftragsvolumen von 1,9 Milliarden Franken belaufe sich der Stückpreis abzüglich von Einmalkosten für die Projektierung auf rund 30 Millionen Franken. Damit betrage die Konventionalstrafe pro Zug und Woche rund 150'000 Franken, rechnet die Zeitung vor.

Gerüchte um weitere Verzögerung

Bombardier trägt wegen eines Konstruktionsfehlers die Verantwortung für ein Jahr Verspätung. Damit beläuft sich die Strafzahlung aktuell auf 7,8 Millionen Franken pro Zug oder insgesamt 460,2 Millionen Franken. Bereits sprechen aber mehrere Branchenangehörige von einer weiteren Verzögerung. Diese belaufe sich auf bis zu vier Jahre. Damit droht Bombardier eine noch viel höhere Konventionalstrafe.

Sie sei vertraglich auf 40 Prozent des Stückpreises beschränkt, berichtet «Der Sonntag» unter Berufung auf eine «zuverlässige Quelle». Damit könne die Strafe bis zu 708 Millionen Franken betragen.

Sonderschichten in deutschem Werk

Die SBB und Bombardier streiten jedoch ab, dass sich die Auslieferung um bis zu zwei weitere Jahre verzögert. «Aktuell liegen uns keine Informationen bezüglich zusätzlicher Lieferverspätungen vor», sagt SBB-Sprecher Christoph Rytz. Gegenüber der «SonntagsZeitung» widerspricht auch Stéphane Wettstein, Chef von Bombardier Schweiz: «Als Datum gilt weiterhin Ende 2015, wie bereits kommuniziert wurde.» Laut Planung soll der letzte Zug 2019 ausgeliefert werden. «Ich gehe davon aus, dass wir diesen Termin wie vorgesehen einhalten können», sagt Wettstein.

Bombardier-Sprecher Andreas Bonifazi erklärt im «Sonntag», Bombardier versuche mit Zweischichtbetrieb und Sonderschichten im deutschen Werk Görlitz die Verspätung zu verkürzen. Es sei aber schwer abschätzbar, wie viel aufgeholt werden könne – und damit auch, wie hoch die Strafzahlung schliesslich ausfallen wird.

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