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Stewardessen weigern sich, ein Kopftuch zu tragen

Eine Frau, die im Iran das Flugzeug verlässt, muss sich verschleiern. Das schreibt Air France ihren Mitarbeiterinnen vor, und das kommt nicht gut an.

Türe auf, Kopftuch rauf: Air France Angestellte bei einer Demonstration 2015 gegen Sparmassnahmen.
Türe auf, Kopftuch rauf: Air France Angestellte bei einer Demonstration 2015 gegen Sparmassnahmen.
Kenzo Tribouillard, AFP

Während derzeit in der Schweiz diskutiert wird, ob muslimische Schüler ihrer Lehrerin den Händedruck verweigern dürfen, diskutiert Frankreich über die Verschleierung von Flugbegleiterinnen. Die Stewardessen von Air France sind erzürnt. Ab dem 17. April fliegt Air France erstmals seit 2008 wieder in die iranische Hauptstadt Teheran, nachdem Anfang Jahr ein Grossteil der westlichen Sanktionen gegen den Iran gefallen ist.

Für das weibliche Kabinenpersonal hat das Konsequenzen. Air France verlangt von ihnen, dass sie ihre Haare verschleiern, sobald sie das Flugzeug in Teheran verlassen. Die französischen Flugbegleiter-Gewerkschaften kritisieren nun die Weisung von Air France. SNPNC-Gewerkschafter Christophe Pillet sagte gegenüber dem «Telegraph», dass weibliche Mitarbeiterinnen nichts von einer solchen Verschleierung durch ein Air-France-Tuch halten würden.

Die Swiss plant derzeit keine Direktflüge nach Teheran anzubieten. Gemäss Meike Fuhlrott, Sprecherin der Swiss, gäbe es derzeit auch keine besonderen Vorschriften für das Personal wie jene bei Air France. In der Vergangenheit war dies aber anders. Michael Singscheidt, Gewerkschafter der Schweizer Kabinenpersonal-Gewerkschaft Kapers, erinnert sich an Jeddah in Saudiarabien, das heute von der Swiss nicht mehr angeflogen wird: «Umhang und Kopfbedeckung waren bei ausländischen Frauen erwünscht.» Solche persönlichen Einschränkungen waren bisher aber kein «dringliches Thema»: «Im heutigen Fliegeralltag dauern die Aufenthalte an den allermeisten Destinationen maximal 24 Stunden. Die persönliche Einschränkung ist entsprechend kurz.»

Air France verweist auf Courant normal

Weniger gelassen als Singscheidt sehen das die französischen Gewerkschaftskollegen. Unac-Gewerkschafterin Flore Arrighi ist die Kopftuchpflicht von Air France zuwider. Sie sagte, dass es ihr zwar nicht zustehe, die iranischen Gesetze zu verurteilen, was die Gewerkschaft aber anprangere, sei der Zwang für die Stewardessen. Arrighi stellte auch gleich eine klare Forderung: «Stewardessen müssen das Recht haben, diese Flüge zu verweigern.» Alle Mitarbeiterinnen müssten ihre individuellen Freiheiten ausleben können. Auch Gewerkschafter Pillet regt sich über die Vorschrift der Air France auf. Die Frauen seien bereit, ein Kopftuch in ihrer Freizeit in Teheran zu tragen, nicht aber unter Zwang als Teil der Uniform.

Die wirtschaftlich angeschlagene Air France, die in den Iranflügen wirtschaftliches Potenzial sieht, reagiert auf die Kritik der Stewardessen und der Gewerkschaften mit einem Appell an den Respekt. Ein Mediensprecher sagte zur Agentur AFP, dass das Air-France-Kabinenpersonal wie alle anderen ausländischen Besucher die Gesetze eines Gastlandes zu respektieren hätten, und das iranische Gesetz sehe vor, dass Frauen in der Öffentlichkeit einen Schleier tragen müssen. Während der Flüge gäbe es keinen Zwang. Der Sprecher fügt weiter an, dass Air France keine Ausnahme sei. Die Regeln würden für alle internationalen Fluggesellschaften gelten, die Teheran anfliegen.

Das iranische Gesetz zwingt Frauen seit der Revolution 1979, ihre Haare zu bedecken, sonst drohen Geldstrafen. Diametral dazu stehen die französischen Gesetze, wo das Tragen von Schleiern in staatlichen Schulen und der öffentlichen Verwaltung und die Ganzkörperverschleierung in der Öffentlichkeit verboten sind.

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