Zum Hauptinhalt springen

Sorge vor neuen Kürzungen bei den Grossbanken

Die Coronakrise schüttelt die Wirtschaft derart durch, dass Gewerkschaften bereits neue Sparprogramme befürchten.

Ob und wie stark neue Kürzungen bei der Credit Suisse und der UBS kommen werden, ist davon abhängig, wie lange das Coronavirus die Weltwirtschaft in Atem halten wird. Foto: Andrea Zahler
Ob und wie stark neue Kürzungen bei der Credit Suisse und der UBS kommen werden, ist davon abhängig, wie lange das Coronavirus die Weltwirtschaft in Atem halten wird. Foto: Andrea Zahler

2020 ist schon jetzt ein historisches Jahr für UBS und Credit Suisse: Im selben Jahr bekommen beide Häuser neue Chefs. Und sowohl Thomas Gottstein bei der Credit Suisse als auch Ralph Hamers ab Herbst bei der UBS müssen sich als Krisenmanager beweisen.

Durch die Angst vor einer Wirtschaftskrise, ausgelöst durch die Coronapandemie, sind die Aktien beider Grossbanken unter die Räder geraten. Auch wenn es am Dienstag wieder etwas nach oben ging, so notieren doch beide Aktien der Grossbanken unter der Marke von 10 Franken. Und UBS wird nur noch mit 60 Prozent ihres Buchwertes bewertet, bei der Credit Suisse sind es 50 Prozent.

Denn auf allen Ebenen des Geschäfts prasseln die Folgen der Coronakrise auf die Banken ein: So hängen die laufenden Gebühreneinnahmen vom Volumen der verwalteten Vermögen ab – und diese sind durch den Crash massiv abgewertet worden. Bankkunden dürften sich zwar im Zuge der Krise neu positionieren und den Banken damit Handelserträge bescheren. Doch der negative Effekt dürfte überwiegen.

Gewinnerwartungen nach unten korrigiert

Donnerstag wird wahrscheinlich die Europäische Zentralbank den Reigen der Notenbanken fortsetzen, welche die Geldschleussen weiter öffnet. Das dürfte der Wirtschaft zwar kaum helfen, für die Zinsergebnisse der Banken ist das aber ein weiterer Schlag. Und sollte die Abkühlung sich tatsächlich zu einer Rezession ausweiten, so sind auch Kreditausfälle zu befürchten.

UBS und Credit Suisse hatten ihre Renditeziele erst im vergangenen Jahr gesenkt. «Die von den Grossbanken kommunizierten Renditeziele halte ich nicht mehr für erreichbar, es sei denn, es werden zum Beispiel Immobilien oder Geschäftsbereiche veräussert», sagt nun Andreas Venditti, Bankanalyst bei der Privatbank Vontobel. Die Analysten der Zürcher Kantonalbank haben ihre Gewinnerwartungen für UBS und CS für dieses und nächstes Jahr nach unten korrigiert.

Eine offene Hintertür

In Sachen Zielanpassung ist von Grossbanken bisher nichts zu hören. UBS stellt daher weiter für das laufende Jahr eine Verzinsung des Eigenkapitals von 12 bis 15 Prozent in Aussicht. Besonders ambitioniert scheint das Wachstumsziel die Kernsparte Vermögensverwaltung zu sein, die von Iqbal Khan und Tom Naratil geleitet wird. Der Vorsteuergewinn soll pro Jahr um 10 bis 15 Prozent steigen. Und der neue Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein bestätigte Mitte Februar, in diesem Jahr eine Rendite auf das Eigenkapital von rund 10 Prozent erreichen zu wollen.

Doch was tun, wenn wegen der Abkühlung die Erträge unter neuen Druck geraten? Weitere Einsparungen dürften eine Antwort darauf sein.

So hatte die Credit Suisse sich bei der Publikation der abgesenkten Ziele bereits eine Hintertür offengelassen und erklärt, zusätzliche Einsparungen identifiziert zu haben, um auch bei einer herausfordernden Marktlage das neue Renditeziel zu erreichen. «Ich gehe davon aus, dass die Credit Suisse ihre Kosten in diesem Jahr zusätzlich um mehrere Hundert Millionen drücken wird», sagt daher Experte Venditti.

Die UBS will in diesem Jahr eine Milliarde einsparen. Das Geld soll aber komplett reinvestiert werden, wie zum Beispiel in die Digitalisierung. Die Grossbank könnte nun einen Teil dieser Investitionen aufschieben – oder aber ihre Sparanstrengungen verstärken. Zu solchen Gedankenspielen wollen sich die beiden Grossbanken nicht äussern.

Arbeitnehmervertreterinnen schwant angesichts der Gemengelage nichts Gutes: «Sollte es eine Rezession geben, so halte ich es für möglich, dass Banken zusätzliche Sparbemühungen inklusive Personalkürzungen vornehmen, auch wenn hier bereits viel passiert ist», sagt Denise Chervet, Geschäftsführerin des Schweizerischen Bankenpersonalverbands.

Ob und wie stark neue Kürzungen kommen werden, wird davon abhängen, ob die Angst vor Corona der Weltkonjunktur nur einen kurzen Dämpfer verpasst oder aber die Eintrübung sich bis in das zweite Halbjahr hinzieht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch