So wirkt sich der Wirbel um Air Berlin auf die Schweiz aus

Die Insolvenz der Airline hat Folgen für den Schweizer Luftverkehr. Reisebüros haben bereits reagiert.

Vorderhand fliegt die Air Berlin weiter: Warteschlange vor dem Check-in-Schalter in Berlin-Tegel. Foto: Alexander Becher (EPA, Keystone)

Vorderhand fliegt die Air Berlin weiter: Warteschlange vor dem Check-in-Schalter in Berlin-Tegel. Foto: Alexander Becher (EPA, Keystone)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Die Insolvenz von Air Berlin strahlt bis in die Schweiz aus. Am Flughafen Zürich fertigt die deutsche Fluggesellschaft am zweitmeisten Passagiere ab. Air Berlin sorgte dort letztes Jahr für 7 Prozent des Passagieraufkommens. Der Abstand zum Platzhirsch Swiss ist jedoch gross. Die Airline des deutschen Lufthansa-Konzerns kommt auf einen Anteil von rund 55 Prozent. Die wichtigsten Air-Berlin-Strecken ab Zürich sind die Flüge nach Berlin und Düsseldorf. Die Insolvenz des deutschen Billigfliegers hat vorerst jedoch keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Vom Flughafen Zürich fliegen alle Air-Berlin-Maschinen normal ab. Auch die Behörden erwarten keine raschen Auswirkungen.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verfolge die Situation. Es bestehe momentan aber kein Anlass dazu, die Aufsichtsmassnahmen zu ändern. Über kurz oder lang dürften die hiesigen Passagiere jedoch die Folgen der Air-Berlin-Insolvenz zu spüren bekommen. Denn in den nächsten Wochen und Monaten wird die Airline mit der Lufthansa und anderen Gesellschaften Gespräche über den Verkauf und die Weiterführung von Betriebsteilen führen. Das könnte dazu führen, dass einzelne Verbindungen aufgegeben werden und es deshalb auf einigen Strecken ab Zürich bald weniger Konkurrenz zur Swiss gibt. Logische Folge davon wären steigende Ticketpreise. Denn was passiert, wenn wenige Anbieter auf einer Verbindung tätig sind, zeigt sich am Beispiel der Strecke Zürich–Frankfurt. Die deutsche Bankenmetropole zählt bereits heute zu den teureren Destinationen, weil sie nur von Swiss und Lufthansa bedient wird.

Sollte Air Berlin tatsächlich auf Verbindungen ab dem Flughafen Zürich verzichten, könnte es zu einem Wettbieten um die Zeitfenster für Start und Landung kommen. Diese Slots sind knapp und daher äusserst begehrt. Die deutsche Bundesregierung geht daher davon aus, dass Air Berlin ihre Slots verkaufen kann und die Airline so einen Teil des Rettungskredits zurückzahlen kann. Die Swiss hat im Mai 2016, als schon einmal über die Zukunft von Air Berlin spekuliert worden ist, gegenüber der «SonntagsZeitung» bereits ein Interesse an Air-Berlin-Slots signalisiert. Laut Medienberichten zählt auch Easyjet zu den möglichen Käufern für frei werdende Zeitfenster. Unklar ist zudem, was mit den Slots der hiesigen Air-Berlin-Tochter Belair passiert, welche Ende Oktober ihren Betrieb einstellen wird. Eigentlich hätten die Belair-Verbindungen an die österreichische Tochter Niki weitergegeben werden sollen.

Vorsichtige Reisevermittler

Der Schweizer Reiseanbieter Hotelplan Suisse arbeitet mit Air Berlin zusammen. «Wir bieten weiterhin Air-Berlin-Flüge im Rahmen von Pauschalreisen an», so Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Doch werde Hotelplan Suisse von nun an keine Tickets mehr verkaufen, für die das Unternehmen Vorleistungen erbringen müsse. Hotelplan Suisse beziehe keine Vollcharterflüge bei Air Berlin, sondern nur einzelne Plätze, daher seien die Auswirkungen der Insolvenz der Fluggesellschaft gering, so Huguenin-dit-Lenoir.

Ähnlich tönt es bei Kuoni. Die Insolvenz von Air Berlin sei natürlich keine gute Nachricht, sie habe aber für die Kunden vorerst keine Folgen. Alle Angebote bis Mai 2018 seien gesichert. Für ein späteres Reisedatum könne aber nicht mehr gebucht werden. Wenn es für einzelne Passagiere zu Einschränkungen auf Air-Berlin-Flügen käme, würde Kuoni eine Lösung finden, so der Sprecher.

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