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So schmerzt Abbau besonders

Adrian Sulc zur beschlossenen Schliessung der Entwicklungsabteilung von Bernafon.

«Swiss made» sind die Hörgeräte von Bernafon schon lange nicht mehr. Doch weil die Entwicklungsabteilung in Bern-Bümpliz sitzt, wirbt das Unternehmen stolz mit «Schweizer Spitzentechnologie» und «Swiss Engineering». Diese Slogans wird Bernafon nun ändern müssen.

Die beliebte Arbeitsteilung von Entwicklung im Inland und Produktion im Ausland wird in diesem Fall beendet. Das ist für den Wirtschaftsstandort Bern und auch für den ganzen Werkplatz Schweiz besonders schmerzhaft. Denn was, wenn nicht hochqualifizierte Ingenieursarbeit, soll die Schweizer Exportindustrie noch anbieten? Stimmt es also generell, dass die Verlagerung der Produktion über kurz oder lang zur Verlagerung von Forschung und Entwicklung führt?

Im Fall Bernafon spielen verschiedene Faktoren mit. Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen. Und auch der gesamte dänische Mutterkonzern ist mit einer Reingewinnmarge von über 10 Prozent sehr gesund unterwegs. Die Verlagerung folgt letztlich der Logik vieler internationaler, börsenkotierter Konzerne: Mit dem Zusammenlegen der Entwicklungsabteilungen werden Kosten eingespart und die Gewinne weiter erhöht.

Besonders weil die dänischen und vor allem die polnischen Löhne unter den schweizerischen liegen. Der starke Franken hat das Seine dazu beigetragen, dass Einsparungen in der Schweiz besonders attraktiv sind.

Hätte der Mutterkonzern von Bernafon seinen Sitz in der Schweiz, würde er den eigenen Standort womöglich schonen. So halten etwa die bernischen Medizinaltechnik-Unternehmen Ypsomed oder Haag-Streit am heimischen Entwicklungsstandort fest, auch wenn die Währungssituation schmerzt.

Unternehmen mit einem lokalen Mehrheitsaktionär können sich glücklich schätzen. Denn Grosskonzerne wie Roche (Standortschliessung in Burgdorf) oder Johnson & Johnson (Stellenabbau bei Crucell in Bern) kennen keinen Heimatschutz. Doch Wirtschaftspatriotismus alleine nützt nichts: Wenn die frühere Ascom-Tochter Bernafon nie nach Dänemark verkauft worden wäre, gäbe es das Unternehmen heute wohl überhaupt nicht mehr.

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