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So retten die Staaten die Banken

Regierungen in der ganzen Welt versuchen, ihre Finanzinstitute vor dem Untergang zu retten. Ein Überblick über die wichtigsten Notaktionen.

UBS-Konzernchef tritt am 26. Februar 2008 mit sofortiger Wirkung zurück. Der ehemalige Credit Suisse-Chef Oswald J. Grübel übernimmt die Führung.
UBS-Konzernchef tritt am 26. Februar 2008 mit sofortiger Wirkung zurück. Der ehemalige Credit Suisse-Chef Oswald J. Grübel übernimmt die Führung.
Keystone
General Motors fährt einen Verlust von 31 Milliarden Dollar ein.
General Motors fährt einen Verlust von 31 Milliarden Dollar ein.
Keystone
Die Wellen der Depression schwappten bis nach Europa – und gaben dort den politischen Extremisten Aufwind. Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der in die Krise geratene Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin.
Die Wellen der Depression schwappten bis nach Europa – und gaben dort den politischen Extremisten Aufwind. Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der in die Krise geratene Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin.
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Die neuste Meldung machte heute Mittag die Runde: Deutschland stellt seinen Banken 470 Milliarden Euro (723 Milliarden Franken) zur Verfügung. Am Morgen bestätigte Grossbritannien, dass es sich bei drei grossen Banken einkauft. Aber auch in allen anderen Industrieländern zogen die Staatschefs den dicken Geldbeutel.

USA: Im Ursprungsland der Krise soll der angeschlagenen Branche ein Rettungspaket im Volumen von 700 Milliarden Dollar (788 Milliarden Franken) helfen. Kernidee ist, dass der Staat den Banken faule Kredite abkauft. Die Regierung erwägt inzwischen nach dem Vorbild Grossbritannien auch den direkten Einstieg bei notleidenden Geldinstituten.

Grossbritannien: Die Hilfen haben ein Gesamtvolumen von rund 500 Milliarden Pfund (980 Milliarden Franken). Das Paket ist aber grundsätzlich anders angelegt als das amerikanische. Für 50 Milliarden Pfund (98 Milliarden Franken) will der Staat bei acht der grössten Banken einsteigen und bekommt dafür stimmrechtslose Vorzugsaktien.

Heute stand die erste Kapitalspritze von 37 Milliarden Pfund (72 Milliarden Franken) für die Royal Bank of Scotland sowie die vor einer Fusion stehenden HBOS und Lloyds TSB bereit. Die Regierung will auch Banken-Anleihen von rund 250 Milliarden Pfund (490 Milliarden Franken) garantieren. Mindestens 200 Milliarden Pfund (391 Milliarden Franken) sollen als zusätzliche Liquidität in den Markt fliessen. Die Garantie auf Bankeinlagen wurde von 35'000 auf 50'000 Pfund (98'000 Franken) erhöht.

Island: Die Regierung kann per Gesetz die Kontrolle über die gesamte Bankenbranche übernehmen. Mehrere grosse Banken, unter anderem Kaupthing, wurden verstaatlicht.

Irland: Die irische Regierung verkündete als erste eine Garantie auf alle Einlagen bei den sechs grossen Banken des Landes, das Volumen der Zusage wird auf rund 400 Milliarden Euro (614 Milliarden Franken) geschätzt.

Anfangs wurde Irland für sein Vorpreschen gerügt. Inzwischen zogen andere Länder mit ähnlichen Massnahmen nach oder erhöhten die jeweiligen nationalen Garantiebeträge: Griechenland, Österreich, Schweden, Dänemark.

Deutschland: Die Regierung musste zunächst eine Bürgschaft über 26,5 Milliarden Euro (40 Milliarden Franken) übernehmen, um den deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) zu retten. Nun plant sie ein gross angelegtes Massnahmenpaket zur Stützung der gesamten Branche: 400 Milliarden Euro (615 Milliarden Franken) an Bürgschaften und 70 Milliarden Euro (107 Milliarden Franken) Kredite aus dem Haushalt. Zudem verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Garantie für alle privaten Einlagen.

Niederlande: Das Geschäft des Bankkonzerns Fortis in den Niederlanden wurde für 16,8 Milliarden Euro (26 Milliarden Franken) komplett vom Staat übernommen. Zudem hält die Regierung für Banken Notkredite im Umfang von 20 Milliarden Euro (30 Milliarden Franken) bereit.

Spanien: Ein Notfonds von 30 bis 50 Milliarden Euro (46 Milliarden bis 77 Milliarden Franken) soll Banken Kapitalspritzen gewähren. Ausserdem gewährte die Regierung eine Garantie für Bankanleihen über bis zu 100 Milliarden Euro (153 Milliarden Franken) bis Ende des Jahres.

Frankreich: Für notleidende Banken wird ein Hilfsfonds aufgesetzt. Unterstützung soll auf Einzelfall-Basis gewährt werden.

Belgien: Die belgische Regierung gab dem Bankkonzern Fortis eine Kapitalspritze von 4,7 Milliarden Euro (7,5 Milliarden Franken) und griff der Bank Dexia unter die Arme.

Italien: Überschaubare Hilfsmassnahmen, deren Volumen auf rund 20 Milliarden Euro (31 Milliarden Franken) geschätzt wird. Es geht vor allem darum, die Regeln zu lockern, für welche Sicherheiten Banken frisches Geld leihen können.

Russland: Die verschiedenen staatlichen Massnahmen zur Stützung der Bankenbranche addieren sich auf 150 Milliarden Dollar (170 Milliarden Franken). Die Finanzmarkt-Aufsicht setzt immer wieder den Handel an den Börsen aus, um den Kursverfall zu stoppen.

(SDA)

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