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Skywork übernimmt Aaretal Reisen

Erst flogen die Fetzen, doch jetzt wird in Berns Fliegereibranche geheiratet: Die Fluggesellschaft Skywork übernimmt den Reiseveranstalter Aaretal Reisen.

Zusammenschluss: Die Fluggesellschaft Skywork übernimmt den Reiseveranstalter Aaretal Reisen.
Zusammenschluss: Die Fluggesellschaft Skywork übernimmt den Reiseveranstalter Aaretal Reisen.
Adrian Moser

Die Münsinger Aaretal-Reisen gehören seit gestern zur Berner Fluggesellschaft Skywork. Es sei ideales Hochzeitswetter, schwärmten der Reisebürogründer Beat Iseli und Skywork-Verwaltungsratspräsident Daniel Borer, als sie die Übernahme von Aaretal durch Skywork verkündeten. Man habe vor der Vermählung «die Fronten geklärt», kommentierte Borer die überraschende Fusion: «Wir haben uns zusammengerauft.»

Das ist nicht selbstverständlich. Gerade zehn Monate ist es her, als ein entnervter Iseli auf dem Flughafen bekannt gab, dass sein Reisebüro künftig nicht mehr mit Skywork zusammenarbeite. Zu oft hätten enttäuschte Kunden mit dem Bus nach Basel gekarrt werden müssen, weil ihre Skywork-Maschine nicht starten konnte: Im Cockpit leuchteten Fehlermeldungen auf, denen nachgegangen werden musste. Skywork sei nicht zuverlässig genug, befand Iseli damals, ein Kunde, der gutes Geld für «Fliegen ab Bern» hinblättere, goutiere das nicht. Sogar ein Gericht wurde angerufen. Dieses sollte klären, ob das «Canceln» einiger Flüge Grund genug sei, um einen langjährigen Vertrag zu kündigen. Dieser Streit wurde vor der gestrigen «Hochzeit» ad acta gelegt.

2010: Helvetic statt Skywork

Iseli holte im Herbst 2010 die Zürcher Fluggesellschaft Helvetic des Financiers Martin Ebner ins Belpmoos. Die Zürcher liessen sich nicht zweimal bitten und detachierten für die Ferienflüge in diesem Sommer eine Fokker-Maschine mit 100 Plätzen dauerhaft nach Bern-Belp ab.

Skywork machte gute Miene zum bösen Spiel und kündigte an, weiterhin ihr immer grösser werdendes Liniennetz zu bedienen und eigene Badedestinationen anzubieten, was auch geschah. Etwa zwei Dutzend Destinationen waren in diesem Sommer ab Bern direkt zu erreichen, so viele wie nie zuvor.

Vernunftehe trotz Streitereien

Iseli sagte gestern vor den Medien, so negativ, wie es kolportiert worden sei, habe er sich nicht über Skywork geäussert. Er räumte aber ein, dass nach jener abrupten Trennung «nicht jeder diesen Schritt machen könnte», eine Wiederannäherung an den kritisierten Geschäftspartner. «Ich bin emotional, aber nicht stur», so Iseli. Borer bestätigte, dass «die Fetzen geflogen und Geschirr zerschlagen» worden sei. Nun sei alles geklärt. Durch das Zusammengehen würden die Kräfte in Bern gebündelt, betonten Iseli und Borer. Iseli ist nicht mehr Besitzer von Aaretal-Reisen, bleibt aber Geschäftsführer: Sein Know-how und die Erfahrung seines Teams blieben erhalten, hiess es dazu. Der 62-jährige Iseli bezeichnete den Verkauf als eine gelungene Nachfolgeregelung.

Unlängst hat die schnell wachsende Skywork in der Schweizerhof-Passage in Bern ein Reisebüro eröffnet. Dieses bleibt bestehen, trotz Aaretal-Reisen. Es sei «das Schaufenster der Airline», sagte Borer. Man könne auch mit Skywork fliegen, ohne ein Pauschalarrangement zu buchen, und Beratung werde auch im Internetzeitalter noch geschätzt.

Kommen und Gehen im Belpmoos

Der Münsinger Unternehmer gründete Aaretal-Reisen 1994, als er hörte, «dass sich im Belpmoos etwas tut», wie sich Iseli erinnert. Dietmar Leitgeb kam mit Air Engiadina nach Bern und wurde Iselis Geschäftspartner. Über Jahre baute Aaretal das Produkt Ferienreisen ab Bern auf. Weniger stabil war die Lage bei den Fluggesellschaften, wie sich der Reisebürogründer erinnert: «Die Carrier im Belpmoos kamen und gingen.» In den letzten Jahren flogen seine Kunden mehrheitlich mit Skywork – bis zum Saisonende 2010.

Borer sagte dem «Bund» am Rande der Medienkonferenz, Skywork befinde sich noch in der Start-up-Phase, liege aber im Plan. Früher als erhofft, nämlich schon 2012, werde die Unternehmung in die Gewinnzone fliegen, «sofern nicht irgendwo ein Vulkan ausbricht», wie der Verwaltungsratspräsident einschränkte. Er bezeichnete es als Glücksfall, dass Skywork 2010 die Entwicklung vom Charterflieger zur Linienflug-Airline eingeleitet hatte und somit nicht mit leeren Händen dastand, als Aaretal sich einem neuen Flugpartner zuwandte.

Borer, der letztes Jahr als Investor bei Skywork eingestiegen ist, betreibt teilzeitlich eine Arztpraxis in der Region Biel. Borer stammt aus einer vermögenden Familie, die mit der Uhrenmarke Rolex viel Geld verdient hat. Ein weiterer Investor ist der Bieler Unternehmer Sébastien Mérillat, der gestern ebenfalls an der Orientierung anwesend war.

Helvetic bleibt in Bern – vielleicht

Bei Helvetic wusste man erst vor wenigen Tagen, dass es im Belpmoos erneut zu einer Rochade kommt. Mit den Frequenzen der Helvetic-Flüge ab Bern sei man sehr zufrieden gewesen, sagte Helvetic-Finanzchef Tobias Pogorevc auf Anfrage. Auch das Kunden-Feedback sei gut. 99 Prozent aller Flüge hätten weniger als fünf Minuten Verspätung gehabt. Helvetic mache nun «eine Auslegeordnung». Er denke, dass es für Helvetic auch künftig Platz im Belpmoos habe. Die Fluggesellschaft suche sich womöglich neue Reisebüropartner, doch auch «eine Schrumpfung» des Angebots sei nicht ausgeschlossen. Ende September wisse man mehr, doch er gehe davon aus, «dass das Schweizer Kreuz in Bern-Belp bleibt».

Tomislav Lang, CEO von Skywork, trat nach dem Dämpfer im Herbst 2010 gestern wieder selbstbewusst auf. Gegenüber dem «Bund» sagte er, als starker Home-Carrier werde Skywork bei der Flughafenbetreiberin Alpar Druck machen, damit die Gebühren gesenkt würden. Skywork werde das Liniengeschäft forcieren, das auch Incoming-Verkehr bringt, Ausländer also, die in Bern oder im Berner Oberland Ferien machen.

SDA/bs

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