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Sika-Putsch «illegal» und «unzulässig»

Der Verwaltungsrat des Baustoffkonzerns Sika will mit einem juristischen Kniff die Gründerfamilie Burkhard entmachten. Diese spricht von einer Enteignung. Auch Saint-Gobain protestiert in scharfen Worten.

Erbitterter Streit um einen möglichen Verkauf des Unternehmens: Blick auf die Klebstoffproduktion von Sika in Düdingen FR. (4. Dezember 2014)
Erbitterter Streit um einen möglichen Verkauf des Unternehmens: Blick auf die Klebstoffproduktion von Sika in Düdingen FR. (4. Dezember 2014)
Christian Beutler, Keystone

Beim Baustoffkonzern Sika tut der Verwaltungsrat alles, um einen Verkauf des Unternehmens an die französische Saint-Gobain zu verhindern: Er will der Gründerfamilie das Stimmrecht auf 5 Prozent beschränken und keine ausserordentliche Generalversammlung einberufen. Die Sika-Führung erklärte in einem Communiqué, die Gründerfamilie Burkard mit ihrer Schenker-Winkler-Holding bilde mit Saint-Gobain eine Gruppe und übe somit ihr Stimmrecht an der Generalversammlung nach den Weisungen von Saint-Gobain aus. Darin liege gemäss wiederholter bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine unzulässige Umgehung der statutarischen Stimmrechtsbeschränkung.

Die Entscheidung des Verwaltungsrates werde durch ein Rechtsgutachten von Professor Peter Nobel gestützt, hiess es weiter. Die Familie Burkard und Saint-Gobain bildeten demnach eine Aktionärsgruppe. Mit der faktischen Übertragung der Stimmrechte an Saint-Gobain müsse die in den Statuten vorgesehene Stimmrechtsbeschränkung von 5 Prozent angewendet werden. Unter diesen Umständen sei die Gründerfamilie auch nicht legitimiert, die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung zu verlangen, wird Nobel zitiert. Um eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen, ist ein Stimmrechtsanteil von mindestens zehn Prozent notwendig.

Saint-Gobain verärgert

Reaktionen erfolgten prompt. Der Baustoffkonzern Saint-Gobain bezeichnet die jüngsten Entscheidungen des Verwaltungsrats von Sika als absolut unzulässig.

Die Machenschaften verstiessen völlig gegen alle Prinzipien des Wirtschaftsrechts und der Regeln zur Unternehmensführung, teilte Saint-Gobain in einer kurzen Stellungnahme mit.

Protest der Gründerfamilie

Auch die Holding der Gründerfamilie Burkard bezeichnet das Ansinnen des Sika-Verwaltungsrates als illegal. Das vom Verwaltungsrat beschlossene Vorgehen komme einer Enteignung der Familie gleich, heisst es in einer Mitteilung. Die Behauptung des Sika-Verwaltungsrates, dass die Vinkulierung umgangen werde, sei falsch, schreibt die Schenker-Winkler Holding der Gründerfamilie. Bisher seien die Aktien nicht übertragen worden. Die Vinkulierung, die sich auf die Übertragung von Aktien beziehe, sei daher nicht anwendbar. Bei vinkulierten Aktien kann der Verwaltungsrat den Eintrag ins Aktienregister verweigern.

Ausserdem hänge die Einberufung einer Generalversammlung nicht von den Stimmrechten, sondern allein vom Kapital ab, schreibt die Familienholding. Die Schenker-Winkler-Holding halte 16 Prozent des Kapitals. Die Einberufung einer Generalversammlung könne deshalb nicht verweigert werden. Um eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen, ist ein Anteil von mindestens zehn Prozent notwendig.

Gewichtige Unterstützung von Aktionären

Laut weiteren Angaben haben mittlerweile Aktionäre mit einem kumulierten Kapitalanteil von mehr als 35 Prozent dem Verwaltungsrat und dem Management ihre Unterstützung für die Wahrung der Interessen der Sika und ihrer Stakeholder zugesagt. Dies entspreche mehr als dem Doppelten des Kapitalanteils der Familienholding. Die Familienholding hält mit 16,1 Prozent des Kapitals 52 Prozent der Stimmen. Sie hat die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung verlangt, um die drei Verwaltungsräte Paul Hälg, Monika Ribar und Daniel Sauter abwählen zu lassen, welche sich gegen einen Verkauf von Sika an Saint-Gobain wehren.

Auf die Ankündigung des Sika-Verwaltungsrates, das Stimmrecht der Gründerfamilie auf 5 Prozent beschränken zu wollen, reagierte auch die Aktie des Bauchemiekonzerns: Die Titel legten am Montagmorgen um fast 5 Prozent auf 3072 Franken zu.

SDA/thu

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