Sicherer Fliegen – dank Daten über Turbulenzen

Die meisten Verletzten gibt es in der Luftfahrt wegen schwerer Turbulenzen. Ein neues System soll Piloten helfen, diese zu umfliegen.

Turbulenter Landeanflug: Ein polnischer Passagier-Jet wurde Ende Oktober beim Landeanflug auf Salzburg so sehr von Sturmböen durchgeschüttelt, dass der Pilot den Anflug abbrechen musste.
Video: Kaoma Bechaz

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Bitte bleiben Sie während der gesamten Flugzeit angeschnallt, auch wenn das Anschnallzeichen erloschen ist.» Viele Passagiere überhören diese Bitte der Crew im Flugzeug inzwischen. Dabei könnte es ihnen sogar das Leben retten. In ganz extremen Fällen könnten Verletzungen in Folge von Turbulenzen tödlich sein, so Gilberto Lopez Meyer, beim Weltluftfahrtverband Iata zuständig für die Sicherheit, an einem Medienanlass in Genf.

Natürlich seien Todesfälle ein Extremfall, betont der Iata-Mann. Doch Turbulenzen sind und bleiben die Ursache für die meisten Verletzten in der Luftfahrt. Laut Berechnungen des Weltluftfahrtverbands kommt es bei einer Airline mit 100 Flugzeugen pro Jahr zu 30 bis 50 Zwischenfällen dieser Art. In der Mehrzahl der Fälle trifft es die Kabinenbesatzung, wenn diese gerade Essen oder Getränke serviert. Oder eben Passagiere, die nicht angeschnallt sind.

Der letzte Zwischenfall dieser Art ereignete sich auf einem Flug von Taipeh nach Chicago Ende November. Elf Personen wurden verletzt, als eine Boeing 777 über Japan plötzlich in schwere Turbulenzen geriet. Handyfoto einer Passagierin nach schweren Turbulenzen in den USA: Die Vorfälle dürften häufiger werden.

Der Weltluftfahrtverband will nun dafür sorgen, dass solche Zwischenfälle seltener vorkommen. «In enger Zusammenarbeit mit vielen globalen Fluglinien und Branchenvertretern schaffen wir gerade die Rahmenbedingungen für eine Plattform und Datenbank», so Lopez Meyer. Diese sollen Piloten und Flugplaner dann nutzen, um frühzeitig entsprechende Gebiete zu umfliegen. Das System soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden und bereits 2019 in Betrieb gehen.

Echtzeitdaten helfen bei der Planung

Vor allem die Verfügbarkeit von Echtzeitdaten sei für die Plattform wichtig, betont Lopez-Meyer. Denn diese könnten helfen, die sogenannten Clear Air Turbulence vorherzusagen. Daher geht der Luftfahrtverband neu eine Partnerschaft mit der World Meteorological Organization WMO ein.

Die arbeitet bereits mit rund 40 Fluggesellschaften zusammen und sammelt so Echtzeitdaten über Windverhältnisse und Temperatur während der Flüge. Doch 40 reiche bei weitem nicht für eine globale Lösung, so Lopez Meyer. Der Luftfahrtverband hat rund 280 Mitglieder. Verpflichtet sind diese allerdings nicht zur Teilnahme an der Lösung.

Doch sie würden definitiv davon profitieren. Denn ein Interesse daran, Verletzte zu vermeiden, hat wohl jede Airline. Und dann gibt es da auch noch den finanziellen Aspekt. Denn durch eine bessere Planung lässt sich auch der Treibstoffverbrauch reduzieren, argumentiert der Verband.

Mehr Turbulenzen wegen Klimawandel

Das Thema wird zudem in Zukunft immer wichtiger, denn der Klimawandel sorgt dafür, dass es in Zukunft öfter zu extremem Wetter auf Flugstrecken kommen dürfte. Turbulenzen über dem Nordatlantik im Winter dürften etwa laut einer Studie der Universität Reading in den nächsten 40 Jahren 10 bis 40 Prozent stärker ausfallen als heute. Die Häufigkeit dürfte laut den britischen Meteorologen sogar um 40 bis 70 Prozent zunehmen.

Auch wenn es sich bei wirklich schweren Turbulenzen anfühlt, als würde das Flugzeug gleich einfach aus dem Himmel fallen: Die Maschinen sind gebaut, um noch viel stärkeren Kräften standzuhalten. Flugzeuge sind gegenüber Luftbewegungen viel widerstandsfähiger als zum Beispiel Schiffe im Wasser. Bleiben sie also angeschnallt, besteht für Passagiere selbst beim schlimmsten Gewackele keine Gefahr und sie können so ruhig bleiben wie der Herr im folgenden Video:

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.12.2017, 19:47 Uhr

Artikel zum Thema

Stewardess stürzt ab

Video In China ist eine Flugbegleiterin aus einem stehenden Flugzeug gefallen. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Mehr...

Elf Verletzte nach Turbulenzen auf Chicago-Flug

Mehrere Crew-Mitglieder und Passagiere erlitten auf einem Flug von Taipeh nach Chicago verstauchte Knöchel und Prellungen. Mehr...

Europäische Luftfahrtbehörde warnt vor Wirbelschleppen

Grosse Flugzeuge können gefährlich starke Turbulenzen verursachen. Weil die Anzahl dieser Vorfälle steigt, publiziert die Easa Verhaltenstipps für Piloten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Die Welt in Bildern

Riesig hohe Surfwellen: Vor der portugisischen Küste befindet sich im Meer der Nazare Canyon eine über 230 Kilometer lange Schlucht mit einer Tiefe von bis zu 5000 Metern, deshalb entstehen hier die beliebten Wellen.
(Bild: Rafael Marchante) Mehr...