Sechs Banker erhielten ein Berufsverbot

Die Finma hat versprochen, die Transparenz zu verbessern und Bankmanager öfter persönlich zur Rechenschaft zu ziehen. Mit dem Enforcement-Bericht kommt die Behörde beiden Anliegen nach.

Gab einen neuen Tarif für Banker durch: Finma-Chef Mark Branson. Foto: Keystone

Gab einen neuen Tarif für Banker durch: Finma-Chef Mark Branson. Foto: Keystone

Simon Schmid@schmid_simon

Im vergangenen Oktober gab Mark ­Branson dem Bankenplatz den neuen Tarif durch. Die Finma werde künftig klare Sig­nale aussenden, was erlaubt ist und was nicht: Fehlbare Banker würden vermehrt auch persönlich angegangen. «Wir haben rund um die Welt eine massive Inflation bei den Strafen für ­Finanzinstitute gesehen», so der neue Chef der Finanzmarktaufsicht. «Wir haben keine entsprechende Verbesserung des Verhaltens beobachtet.»

Der Bankenpolizist scheint Ernst zu machen. Dies legt der Enforcement-Bericht nahe, den die Finma am Dienstag erstmals veröffentlicht hat. Darin legt die Behörde die Anstrengungen dar, die sie 2014 zur Untersuchung und Sanktionierung von fehlbaren Banken und Bankern auf sich genommen hat.

Die Zusammenstellung zeigt Über­raschendes. Sechs Berufsverbote gemäss Finanzmarktaufsichtsgesetz und drei Tätigkeitsverbote gemäss Börsengesetz hat die Finma vergangenes Jahr ausgesprochen. Das ist mehr, als bisher bekannt war, und auch deutlich mehr als in den Jahren 2011 bis 2013. In dieser Zeit hatte die Finma jährlich nur zwei derartige Sanktionen gegen Personen aus dem regulierten Bankenbereich verhängt.

Dreijähriges Berufsverbot für Bank-Coop-Chef

Einziger bekannter Sünder des Jahres 2014 ist der ehemalige Bank-Coop-Chef Andreas Waespi. Ihn hatte die Aufsichtsbehörde im Oktober mit einem dreijährigen Berufsverbot belegt. Waespi hatte jahrelang den Börsenkurs der Bank-Coop-Aktie manipuliert und die Mit­arbeiter instruiert, Stützungskäufe während der Zeit der Geschäftszahlen-Publikationen vorzunehmen.

Die Sanktion gegen Waespi erliess die Finma am 24. Oktober. Wie sich heute zeigt, hatte die Finma bereits kurz zuvor am 12. September einen weiteren Bankenchef wegen eines praktisch identischen Vergehens mit einem Berufs­verbot belegt. Um wen es sich handelt, geht aus dem anonymisierten Bericht ­jedoch nicht hervor.

Die Finma spricht darin bloss von der Person A («Mitarbeiter im obersten Kader der Bank X»): Sie habe zusammen mit anderen Personen beschlossen, «massive Stützungskäufe in den eigenen Effekten zu tätigen», um den Kursverfall aufzuhalten, der zuvor «wegen externer Ereignisse» aufgetreten war.

Möglich, dass sich die Sanktion auf den Fall der Basler Kantonalbank bezieht. Von ihr ist bekannt, dass sie 2013 eine Rüge der Finma wegen Verletzung der Marktverhaltensregeln erhalten hatte. Denkbar ist auch, dass eine ehemalige Führungsperson der Valiant betroffen ist, gegen die von 2011 bis 2012 ein ähnliches Verfahren lief.

Die Finma sagt auf Anfrage des TA, dass aus persönlichkeitsgründen keine genaueren Angaben gemacht werden dürften. Bei der Basler Kantonalbank heisst es, dass keine Person in einem ­Anstellungsverhältnis mit der Bank von einem Berufsverbot betroffen sei.

Pflichten schwer verletzt

Eine übliche Branchenpraxis ist jedoch, sich von Angestellten zu trennen, sobald diese in Behördenverdacht kommen. Schon länger hat sich die BKB bei­spielsweise vom ehemaligen Chef ihrer Zücher Private-Banking-Niederlassung ­getrennt, gegen den die Finma 2013 ein Verfahren eröffnet hatte. Dies in Verbindung mit dem Betrugsskandal rund um den Vermögensverwalter ASE, bei dem Kunden der BKB geschädigt wurden.

Wie aus dem jüngsten Bericht hervorgeht, könnte dieser Mann eine jener Personen sein, die 2014 ein Berufsverbot erhielten. So spricht die Finma im Zusammenhang mit einem weiteren Entscheid vom 23. Mai von einer Person B («Kadermitarbeiter bei einer Bank»), die über Jahre «nur gänzlich unzureichende Abklärungen zu den wirtschaftlichen Hintergründen» eines externen Vermögensverwalters vorgenommen habe und deshalb verantwortlich dafür sei, dass die Bank «während Jahren das Gewährs­erfordernis und die Risikobegrenzungspflicht schwer verletzt» habe.

Ein Anwalt, der mit dem ASE-Fall vertraut ist, glaubt, dass es sich bei dieser und einer weiteren, von der Finma mit dem maximalen Berufsverbot von 5 Jahren belegten Person um die ehemaligen Leiter der BKB-Filiale in Zürich handelt.

«Mehr Klarheit»

Der besagte Banker sagt auf Anfrage des TA, es sei wegen seines Alters von 67 Jahren irrelevant, ob ein Berufsverbot gegen ihn ausgesprochen worden sei oder nicht. Die Finma selbst hatte gegenüber der «Nordwestschweiz» im Oktober allerdings bestätigt, Berufsverbote gegen Verantwortliche bei der Basler ­Kantonalbank erlassen zu haben.

Offen ist die Identität weiterer Banker, die zuletzt ein Berufsverbot erhielten. Eine von ihnen («Mitarbeiter im obersten Kader einer Bank») war laut Finma «hauptverantwortlich für die Umsetzung der aggressiven Expansionspolitik im US-Kundengeschäft» bei der Bank «X», die ab dem Jahr 2008 «überproportional viele unversteuerte US-Kunden von anderen Schweizer Banken» angenommen habe. Der Entscheid zu diesem 2-jährigen Berufsverbot datiert vom 4. Juli und ist noch vor dem Bundesverwaltungsgericht hängig.

Die Hochschuldozentin und Anwältin Monika Roth sieht trotz der Anonymisierungen einen Fortschritt in der Kommunikationspolitik der Finma. «Die Finanzbranche erhält mehr Klarheit über die Erwartungen und die Probleme, mit denen sich die Regulierungsbehörde auseinandersetzt.» Allerdings stört sie, dass die Finma noch immer nicht alle Berichte zu Enforcement-Verfahren publiziert. «Bei Verfahren, die Kernthemen des Anlegerschutzes oder eine Vielzahl von Anlegern in der gleichen Sache betreffen, sollte die Finma grundsätzlich die Berichte publik machen.»

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