Schweizer Pharma-Boss schlägt Trump einen Deal vor

Hier trifft Novartis-Chef Joe Jimenez im Weissen Haus den neuen US-Präsidenten.

Kompromissbereit: US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence empfingen die Vertreter der Pharmaindustrie im Weissen Haus. Mit dabei auch Novartis-Chef Joe Jimenez (h.r.).

Kompromissbereit: US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence empfingen die Vertreter der Pharmaindustrie im Weissen Haus. Mit dabei auch Novartis-Chef Joe Jimenez (h.r.).

(Bild: Reuters Yuri Gripas)

Walter Niederberger@WaltNiederberg

Noch vor einem Monat hatte Donald Trump den Pharmafirmen offen gedroht. Bisher sei die Branche «ungestraft davongekommen», erklärte er, doch er werde den «astronomischen Preisaufschlägen» mit harten Verhandlungen entgegenwirken. An der Börse waren die Pharmaaktien seither unter Druck. Gestern aber verliess eine Delegation der Pharmaindustrie das Weisse Haus in aufgeräumter Stimmung. Trump hielt zwar an Preisverhandlungen fest, stellte den Firmen aber auch tiefere Steuern, geringere staatliche Kontrollen und eine schnellere Zulassung von Medikamenten in Aussicht.

Ein möglicher Kompromiss führte zu einem leichten Aufatmen an den Börsen. Novartis etwa, deren Chef Joe Jimenez auch den Vorsitz des Dachverbandes der US-Pharmaindustrie innehat, konnte zulegen. Jimenez betonte zu Beginn der Aussprache mit Trump, dass Novartis mehr als 3 Milliarden Dollar in die Forschung und Entwicklung in den USA investiere und 20'000 Angestellte beschäftige. Erwünscht für die Branche wären tiefere Steuern, erklärte Jimenez. «We’ll get it», versicherte der neue US-Präsident.

Pressekonferenz nach dem grossen Treffen: Die Pharma-Bosse vor dem Weissen Haus. (Keystone / MICHAEL REYNOLDS)

Zur Forderung nach tieferen Medikamentenpreisen hat Joe Jimenez ein Gegenmodell zur Hand: Demnach sollen die Pharmafirmen in Zukunft für die Wirksamkeit ihrer Therapien bezahlt werden, nicht mehr nach der Menge der verkauften Medikamente. Novartis und Roche hatten diese Idee einer Geld-­zurück-Garantie schon vor zwei Jahren vorgestellt, doch war sie damals im Wirbel um die Zukunft von Obamacare untergegangen.

Die Kontroversen um die teils exorbitanten Preisaufschläge in den USA hätten den Ruf der Industrie zusätzlich geschädigt, räumte Jimenez am Weltwirtschaftsforum in Davos ein. Die Branche müsse nun beweisen, dass sie ihr Geld wert sei. «Wir müssen uns auf diejenigen Interventionen konzentrieren, die den höchsten Nutzen bringen.» Den Befürchtungen, wonach Trump erhebliche Preiskonzessionen fordern könnte, war Jimenez an der Bilanzpresskonferenz mit dem Hinweis entgegengetreten, dass Novartis nur rund ein Drittel der Erlöse in den USA erziele, die Konkurrenten aber 50 Prozent. Und Novartis werde profitieren, wenn Trump die Unternehmenssteuern senken würde.

Die ersten Tage mit Donald Trump im Amt

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Ein möglicher Deal könnte für die Pharmaindustrie in Preiszugeständnissen sowie zusätzlichen Investitionen in den Arbeits- und Forschungsstandort USA bedeuten. Amgen kündete gestern überraschend an, 1600 neue Stellen in den USA zu schaffen, dies nachdem der Biotechkonzern bisher mit einem markanten Stellenabbau aufgefallen war. Rund 60 Prozent der Medikamente in den USA werden im Inland produziert, doch haben sich die Importe in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.

Hauptlieferanten sind Hersteller in Irland, Indien, Singapur und China. Im Gegenzug dürfte Trump der Industrie mit der steuergünstigen Rückführung der Auslandgewinne, tieferen Einkommenssteuern sowie einem Abbau staatlicher Vorschriften entgegenkommen. Ob er das zustande bringt, bleibt allerdings abzuwarten, da er für wesentliche Teile der Gesundheitsreform die Zustimmung des Kongresses braucht. Zudem hat die Zulassungsbehörde FDA das Bewilligungsverfahren bereits gestrafft und vereinfacht. Wenn US-Präsident Donald Trump nun fordert, Präparate, die noch nicht umfassend auf Nebenwirkungen getestet wurden, rascher zu bewilligen, steigen die Risiken für Patienten und die Industrie.

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