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Schweizer Nationalbank senkt den Leitzins und warnt vor Rezession

Gegen die drohende Wirtschaftskrise fährt die Schweizerische Nationalbank (SNB) grobes Geschütz auf: Sie senkt den Leitzins um einen halben Prozentpunkt. Auch andere Zentralbanken senken die Zinsen.

Es ist die zweite Leitzinssenkung innerhalb von einem Monat. Das Zinszielband für den massgeblichen Dreimonats-Libor werde per sofort auf 1,5 bis 2,5 Prozent zurückgefahren, wie die SNB bekannt gibt. Damit peilen die Währungshüter neu einen Satz von 2 Prozent an, weil sie den Dreimonats-Libor bis auf weiteres im mittleren Bereich des Zielbandes halten wollen.

Auch die Europäische Zentralbank EZB senkt den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent (EZB). Der Zins ist nun so niedrig wie zuletzt vor zwei Jahren. Er liegt aber immer noch weit über dem Niveau in den USA - dem Ausgangspunkt der weltweiten Finanzkrise - mit inzwischen 1,0 Prozent. Ökonomen erwarten daher in Europa weiter fallende Zinsen. Schon im Dezember könnte der nächste Schritt anstehen.

Die Bank von England setzt den Kampf gegen die Rezession ebenfalls mit einer massiven Zinssenkung fort. Der Leitzins - die sogenannte Bank Rate - werde um 1,5 Prozentpunkte auf 3 Prozent gekappt, teilte die Notenbank in London mit.

BIP könnte 2009 schrumpfen

Als Grund für den deutlichen Schritt nannte die Schweizerische Nationalbank, dass sich die internationalen Konjunkturaussichten deutlicher verschlechtert hätten als erwartet. Das Schweizer Bruttoinlandprodukt könnte 2009 schrumpfen, erklärte die Notenbank.

Die Lockerung der Geldpolitik solle die Wirtschaft unterstützen. Die Rückkehr zur Preisstabilität sei nicht gefährdet. Denn die Konjunkturabschwächung, die sinkenden Erdölpreise und der Anstieg des Franken-Kurses dämpften die Inflation, hiess es weiter.

Die Nationalbank werde den Franken-Geldmarkt weiterhin grosszügig und flexibel versorgen und die Entwicklung des Franken-Kurses aufmerksam verfolgen.

Nach jahrelangem Aufwärtstrend hatte die SNB ihren Leitzins am 8. Oktober in einer gemeinsamen Aktion mit führenden Zentralbanken erstmals wieder gesenkt. Das Zinszielband wurde damals um ein Viertel Prozentpunkt zurückgenommen. Angepeilt wurde ein Niveau von 2,5 Prozent.

Der Dreimonatslibor blieb aber lange Zeit deutlich höher. Seit einigen Tagen ist er deutlich gesunken. Am Donnerstag notierte er bei 2,55 Prozent nach 2,60 Prozent am Vortag. Viele Ökonomen hatten angesichts der sich eintrübenden Konjunktur mit einer weiteren Senkung gerechnet.

Economiesuisse begrüsst Zinsentscheid

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hat eine Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erwartet. Verbandsökonom Rudolf Misch zeigte sich aber überrascht über das Ausmass. Er habe damit gerechnet, dass die SNB den Leitzins lediglich um ein Viertelprozentpunkt senke, sagte Minsch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Economiesuisse begrüsse die Senkung aber auf alle Fälle.

«Eine Leitzinssenkung ist ein probates Mittel, um die Konjunktur positiv zu beeinflussen», sagte Minsch weiter. Es sei zudem deutlich wirkungsvoller als finanz- oder steuerpolitische Massnahmen. Eine Anpassung des Zinssatzes habe sich zudem aufgedrängt, weil die Repo-Zinssätze, zu dem die Banken sich Geld leihen, noch deutlich tiefer seien. Da sei es nur richtig, wenn auch der Libor-Zinssatz nach unten angepasst werde.

SGB: «Nationalbank hat Ernst der Lage erkannt»

Die SNB habe den Ernst der Lage erkannt, kommentierte Gewerkschaftsökonom Daniel Lampart die Senkung des Leitzinses. Falls sich die Wirtschaftslage aber weiter verschlechtere, müssten weitere Schritte folgen. Angesichts der düsteren Konjunkturaussichten habe die SNB richtig gehandelt, sagte der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) weiter. Er sei positiv überrascht, dass die SNB so schnell reagiert habe.

Lampart hegte insbesondere die Hoffnung, dass die Leitzinssenkung unter anderem zur Schwächung des Franken beitrage. Für die Exportwirtschaft sei dies von entscheidender Bedeutung. Wenn sich allerdings die schlimmsten konjunkturellen Befürchtungen bewahrheiteten, müsse der Leitzins schon bald noch weiter gesenkt werden, forderte Lampart. Dies sei realistisch. Schliesslich habe die SNB bewiesen, dass sie den Liborzinssatz durchaus in die gewünschte Richtung zu steuern vermöge.

sda/ap/vin/bru

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