Schweizer kaufen wieder öfter im Ausland ein

Der Schweizer Detailhandel tritt auf der Stelle, der Einkaufstourismus wird wieder attraktiver.

Schweizer shoppen in Deutschland: Die Preisdifferenz zum Ausland dürfte auch 2020 sinken. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Schweizer shoppen in Deutschland: Die Preisdifferenz zum Ausland dürfte auch 2020 sinken. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Maren Meyer@MarenMeyer

Der Detailhandel hat es nicht leicht: Die nominalen Umsätze des Schweizer Detailhandels stagnierten im vergangenen Jahr, und die Kaufkraft verharrte etwa auf dem Vorjahresniveau. Einzig das Bevölkerungswachstum stützte den stationären Detailhandel gegen die zunehmende Konkurrenz aus dem Online-Handel und die erhöhte Attraktivität des Einkaufstourismus. Dieser nahm laut dem alljährlichen Retail-Outlook der Credit Suisse (CS) wieder zu.

Denn durch die global tiefen Zinsen sei davon auszugehen, dass der Schweizer Franken gegenüber dem Euro stark bleibe und die Schweizerische Nationalbank ihre Leitzinsen tief halte. Die Preisdifferenz zum deutschen, französischen oder italienischen Ausland dürfte auch für 2020 nicht signifikant sinken.

Und ein wesentlicher Treiber des Einkaufstourismus sei das Preisniveau der ausländischen Produkte im Vergleich zu denen in der Schweiz. Die Preise stiegen hierzulande vergleichsweise stärker an. Die Preisdifferenz inklusive der Wechselkurse zu einem typischen Warenkorb sei laut den CS-Experten in Deutschland am grössten: 2019 bezahlten die Schweizer 48 Prozent mehr als Deutsche.

Nicht nur der Einkaufstourismus, auch das Ladensterben macht dem Detailhandel zu schaffen. Seit Jahren haben Dörfer, Klein- und Grossstädte mit leer stehenden Ladenflächen zu kämpfen. Um dem Leerstand entgegenzuwirken, werden die Flächen immer öfter umgenutzt. Die CS kommt in ihrer Studie zu dem Schluss, dass dabei lediglich 20 Prozent der ausgeschriebenen Retailflächen bei Mischnutzung erneut an Detailhändler vermietet werden. Stattdessen ziehen vor allem Restaurants, Coiffeure oder Kosmetiksalons ein. Verkaufsflächen werden sogar als Büroflächen vermietet – vornehmlich an Kreditinstitute, Immobilienverwaltungen sowie Architektur- und Ingenieurbüros.

Gab es 2013 noch knapp 53'000 Verkaufsstellen, waren es 2017 noch rund 50'000. Dieser Schwund an Verkaufsstellen mache sich vor allem in touristischen Gemeinden mit einem Rückgang von 8,7 Prozent bemerkbar. In den Zentren liege er bei 6 und in einkommensstarken Gemeinden bei über 4 Prozent. Beispiele für den Filialrückgang sind etwa Vögele Shoes oder Ex Libris.

Der Detailhandel muss flexibler werden: Laut der CS könnten innovative Verkaufsflächenformen wieder vermehrt Retailer anlocken. Die Nachfrage sei da: Die Zahl Inserate von flexiblen Verkaufsflächen habe sich mehr als verdoppelt. Zudem bestehe der Wunsch nach einer Flexibilisierung der Schweizer Retailflächen in Bezug auf Mietkonditionen, Infrastruktur oder gesetzliche Rahmenbedingungen wie die Anpassung der erlaubten Öffnungszeiten.

Eine Form dieser flexiblen Mietkonditionen seien Pop-up-Konzepte. So können neue Geschäftskonzepte unter realen und zeitlich beschränkten Verkaufsbedingungen getestet werden. Oder sie dienen dem Vermieter als Überbrückung zwischen zwei Mietverträgen. Doch Pop-up-Stores lohnen sich nur an Standorten mit hoher Kundenfrequenz wirklich. Schlussendlich kommen die Experten zum Schluss: «Sie gelten nicht als Allheilmittel gegen den Strukturwandel in der Detailhandelsbranche.»

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