Schweizer Banker büssen für starken Franken

Drei Wochen nach der Aufhebung des Mindestkurses kündigt Julius Bär ein Sparprogramm an. Gleichzeitig wird die Dividende erhöht. Diese Kombination erntet Kritik.

Posiert vor dem mystischen Matterhorn: Boris Collardi.

Posiert vor dem mystischen Matterhorn: Boris Collardi.

(Bild: Keystone)

Simon Schmid@schmid_simon

Seine Bank sei «am besten positioniert, um den Gegenwind zu absorbieren», sagt Boris Collardi. Der Chef von Julius Bär verliert nach der Abschaffung des Mindestkurses dennoch keine Zeit. Keine drei Wochen nach der SNB-Politikänderung kündigt er ein Sparprogramm an. 100 Millionen Franken schwer ist es, 200 Stellen sollen wegfallen – hauptsächlich in Mid- und Backoffice-Funktionen, sagt Julius Bär. Hauptsächlich in der Schweiz, vermutet der Schweizerische Bankenpersonalverband.

«Die Ankündigung ist ein Schnellschuss», sagt dessen Geschäftsführerin, Denise Chervet. «Man müsste jetzt erst einmal kühlen Kopf bewahren und abwarten, wie sich der Frankenkurs überhaupt entwickelt.» Chervet kritisiert Julius Bär dafür, dass die Bank gleichzeitig mit dem Sparprogramm die Dividende von 60 Rappen auf einen Franken pro Aktie erhöht. «Die Banken sollten jetzt ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und dazu beitragen, dass die Schweiz nicht in eine Rezession abgleitet», sagt sie.

Hohe Währungssensitivität

Der Gesamtgewinn fürs abgelaufene Jahr betrug 367 Millionen Franken, das ist ein Plus von 96 Prozent gegenüber dem Jahr 2013. Dass die Bank trotz dieses guten Resultats die Sparaxt hervornehmen würde, hatten Analysten im Vorfeld der heutigen Präsentation erwartet. Julius Bär dürfte die Frankenaufwertung zwar relativ glimpflich verkraften, wenn man die Bank mit anderen Privatbanken vergleicht, ist sie mit der gesamten Unternehmenslandschaft aber stärker durch Währungsschwankungen verwundbar, wie aus einer heute veröffentlichten Tabelle des UBS-Research hervorgeht.

Dividendenerhöhung im ähnlichen Umfang

Zahlen von Julius Bär zufolge liegt der Anteil der Kosten in Schweizer Franken bei 60 Prozent, dagegen werden nur 13 Prozent der Einkünfte hier erzielt. Steigt der Franken gegenüber fremden Währungen wie dem Euro und dem Dollar an, so verringern sich dadurch also die in Schweizer Währung abgerechneten Einnahmen. Und zwar stärker als die Kosten, die durch den Währungseffekt im Ausland wegfallen. Gemessen an den jüngsten Geschäftszahlen würde der erste Effekt bei Julius Bär mit rund 280 Millionen Franken zu Buche schlagen; der zweite Effekt brächte der Bank dagegen gut 90 Millionen Franken ein – dies bei einem Wertverlust der Fremdwährung von 12,5 Prozent, was einer Senkung des Eurokurses von 1.20 auf 1.05 Franken entspricht.

Über den Daumen gepeilt, macht Julius Bär mit dem Sparpaket somit etwas mehr als die Hälfte des wechselkursbedingten Verlustes von netto 190 Millionen Franken wieder gut. Die nach der Dividendenerhöhung zusätzlich an Aktionäre ausbezahlte Summe ist mit 93 Millionen Franken ähnlich gross wie das Sparpaket. Wie Bankchef Boris Collardi sagt, soll innert der nächsten 6 bis 8 Wochen klar sein, wo gespart wird. Denise Chervet hofft, dass die Mitarbeiter und der Bankenpersonalverband zumindest im Rahmen eines Konsultationsverfahrens dazu Vorschläge einbringen können.

Konsolidierung erwartet

Seitens der Banken zeichnen sich mit dem heutigen Tag verschiedene Strategien ab, wie auf die Frankenstärke reagiert wird. Die offensichtlichste Massnahme ist, Stellen von der Schweiz ins Ausland zu verlagern. Bei Julius Bär will man den hiesigen Kostenanteil innerhalb der nächsten 3 bis 5 Jahre etwa von 60 auf 50 Prozent reduzieren – was bei gleichbleibenden Kosten einer Summe von 180 Millionen Franken oder weiteren 360 Stellen entspricht, wenn man dasselbe Verhältnis zwischen Sparsumme und Arbeitsplätzen wie beim aktuellen Sparprogramm annimmt.

Laut Boris Collardi wird Julius Bär in den kommenden Jahren zudem «überproportional ausserhalb der Schweiz» investieren. Andere Banken dürften ähnliche Strategien verfolgen, soweit sie die Möglichkeit dazu haben. Im Fokus stehen hier Bereiche wie die IT oder Analyseleistungen, die in Länder wie Polen oder Indien ausgelagert werden könnten. Kleinere Boni könnten eine weitere Option sein. Wie es hier bei Julius Bär aussieht, bleibt vorerst offen, weil die Bank den Vergütungsbericht erst später veröffentlicht. Letztlich könnte der starke Franken die Konsolidierung im Bankengeschäft beschleunigen. Boris Collardi selbst geht davon aus, dass sich die Zahl der Privatbanken in den kommenden fünf Jahren von 139 per Anfang 2014 auf dannzumal noch 100 Banken reduzieren wird.

DerBund.ch/Newsnet

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