Schritte zählen für die Kasse

Ruth Humbel will Sportliche mit Prämienabzügen belohnen – und straft damit ohnehin Benachteiligte.

Nationalrätin Ruth Humbel (CVP) will, dass Krankenkassen Gesundheitsdaten ihrer Kunden verwenden dürfen. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Nationalrätin Ruth Humbel (CVP) will, dass Krankenkassen Gesundheitsdaten ihrer Kunden verwenden dürfen. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

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Wer raucht, ungesund isst oder sich wenig bewegt, bekommt eher Herz-Kreislauf-Probleme. Und diese fordern in der Schweiz am meisten Todesopfer überhaupt. Hier will die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel mit einer Motion ansetzen. Dank Smartphone liesse sich etwa die Bewegung per Schrittzähler überwachen – und von Krankenkassen mit Prämienabzügen belohnen. Solche Anreize seien besser als flächendeckende Präventionskampagnen, sagt Humbel. 

Die Helsana gewährt schon heute Abzüge auf die Grundversicherung – für gezählte Schritte, aber auch für das Fitnessabo oder die Ernährungsberatung. Der eidgenössische Datenschützer kritisiert, dass es für diese Verwendung der Daten keine gesetzliche Grundlage gebe. Diese will Humbel nun schaffen.

Als passionierte Orientierungsläuferin ist Ruth Humbel topfit. Sie weiss also, wie sie ihren inneren Schweinehund überwindet – und fordert das auch von anderen. Der Ansatz ist einfach: Wer auf seine Gesundheit achtet, zahlt weniger. Klingt vernünftig. Doch es ist eine Vernunft der Starken. Vergessen gehen in dieser Kalkulation diejenigen, die nicht auf Schrittejagd gehen können – chronisch Kranke und körperlich Behinderte etwa. Die Idee der obligatorischen Krankenversicherung basiert auf der Solidarität mit ihnen. 

Wer schon gesund ist, der hat mit den neuen Prämienmodellen dagegen die Chance, Geld zu sparen. Die Krankenkassen wiederum profitieren von den Gesunden: Sie sind «gute Risiken». 

Auch gesunde, sportliche Menschen müssen ihre Fitnessdaten an die Kassen abliefern, wenn sie sparen wollen. Humbel fordert explizit die wissenschaftliche Verwendung der Daten. Die Krankenkassen haben auch ein kommerzielles Interesse daran. Und mit ihnen Ruth Humbel – sie sitzt im Verwaltungsrat der Concordia.

Mit ihrem Vorschlag straft sie auch, wer die Zahl seiner Schritte, sein Essverhalten und seine Sportabos für sich behalten will. Denn in der Umkehrung der Argumentation bedeutet das Anreizsystem: Wer seine Daten nicht preisgibt, muss sich höhere Krankenkassenprämien leisten können.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 10.10.2018, 18:20 Uhr

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