Schlechte Nachrichten sind nicht die Stärke von Elon Musk

Tesla liefert sein Model 3 deutlich später aus als geplant. Zehntausende US-Kunden könnten einen Steuervorteil verlieren – und vom Kauf zurücktreten.

Tesla-Chef Elon Musk kann vor allem eins: sich vermarkten.  Foto: Keystone

Tesla-Chef Elon Musk kann vor allem eins: sich vermarkten. Foto: Keystone

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Elon Musk ist, das haben die vergangenen Wochen gezeigt, nur nebenberuflich Elektroautobauer, Weltraumvisionär, Tunnelbohrer und Flammenwerferhersteller. Vor allem ist er einer der unterhaltsamsten Entertainer.

Im April 2016 schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter über des Tesla-Model- 3: «180'000 Reservierungen innert Stunden. Der Preis mit durchschnittlicher Ausstattung dürfte bei 42'000 Dollar liegen. Also: 7,5 Milliarden Dollar an einem Tag. Die Zukunft der Elektroautos sieht rosig aus!»

Weil aber jeder, der dieses Auto gerne haben möchte, erst einmal nur eine Anzahlung von 1000 Dollar leisten muss, sind es für Tesla dann doch nur Model- 3-Einnahmen in Höhe von 450 Millionen Dollar. Insgesamt haben Kunden für sämtliche Modelle laut aktueller Quartalszahlen knapp 854 Millionen Dollar angezahlt.

Was Elon Musk nicht gut kann, ist, schlechte Nachrichten zu verbreiten. So redete Gute-Laune-Musk im Gespräch mit Experten anlässlich der jüngsten Quartalszahlen von Tesla (das Unternehmen hatte einen Rekordverlust von 771 Millionen Dollar vermeldet) zum Beispiel nicht darüber, dass Vertriebschef Jon McNeill das Unternehmen verlassen hat – und auch nicht darüber, wie sehr sich die Auslieferung der Standardversion von Model 3 verzögern dürfte. In einer E-Mail an die Kunden hiess es erst am Abend: «Wir arbeiten hart daran, die Nachfrage zu erfüllen. Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir den Zeitpunkt der Auslieferung anpassen mussten.» Sie kann sich nun bis Anfang 2019 ziehen.

Ohne Steuererleichterung kein Tesla?

Die Probleme könnten gravierende Auswirkungen haben. Wer sich derzeit in den USA ein Elektroauto kauft, wird steuerlich um bis zu 7500 Dollar entlastet. Diese Regelung gilt, bis ein Hersteller 200'000 Autos verkauft hat. Tesla soll dies in diesem Jahr erreichen. Die Frage lautet: Ist der Tesla-Model-3 auch dann noch attraktiv, wenn es keine Steuererleichterung mehr gibt?

Andere Hersteller wie Kia oder Hyundai wollen noch in diesem Jahr Elektroautos in der Model-3-Preisklasse auf den Markt bringen, weitere wie Volvo und GM Anfang kommenden Jahres. Tesla hat die Revolution des Personentransports begonnen, doch ist das Unternehmen nun nicht mehr der einzige Mitspieler. Ausserdem könnten zahlreiche Kunden ihre Anzahlung zurückfordern. Dann würde nicht nur dieses Geld fehlen, sondern eben auch die gewaltige Nachfrage, auf die das Unternehmen gerne verweist.

Musk sieht das gelassener als viele Tesla-Fans. Er veröffentlicht Bilder vom roten Tesla-Roadster, den er mit der Space-X-Rakete Falcon Heavy ins All geschossen hat. «Die Leute werden wohl glauben, dass wir auch die Model-3-Produktion lösen können, wenn es uns gelingt, einen Roadster in den Asteroidengürtel zu schicken», sagte er. Auf dem Armaturenbrett des Weltallfahrzeugs ist eine Botschaft angebracht, ein Zitat aus dem Roman «Per Anhalter durch die Galaxis»: «Don’t Panic.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.02.2018, 12:13 Uhr

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