Zum Hauptinhalt springen

Schaffhauser Sitz von chinesischem Solar-Riesen in Gefahr

Die chinesische Suntech gehört zu den weltgrössten Solarmodulherstellern. Doch nun droht die Pleite. Das könnte auch Jobs in der Schweiz treffen.

Der chinesische Solaranlagenhersteller Suntech ist pleite. Gläubigerbanken strengten am Mittwoch ein Insolvenzverfahren zur Rettung des Unternehmens an, wie Suntech in der Stadt Wuxi mitteilte. Zuvor hatte das Unternehmen eingestanden, Anleihen im Wert von umgerechnet 418 Millionen Euro nicht bedienen zu können. Suntech stimmte dem Insolvenzverfahren nach eigenen Angaben zu und will die Produktion fortsetzen. Das an der New Yorker Börse gelistete Unternehmen ist einer der zwei weltgrössten Hersteller in der Solarbranche. Doch der knallharte Preiskampf, den das Unternehmen mit entfachte, Handelssanktionen in den USA und die kränkelnde Weltkonjunktur machen Suntech bereits seit längerem zu schaffen.

Die Pleite der wichtigsten Tochter des chinesischen Solarmodulherstellers bringt ihre Europazentrale in Schaffhausen mit knapp 40 Stellen in Gefahr. Gestern diskutierten Deloitte als Kontrollstelle der in Schaffhausen domizilierten europäischen Vertriebsgesellschaft Suntech Power International (SPI) und Anwälte an einer telefonischen Krisensitzung die Folgen. Die Lage sei «sehr ernst», sagte ein Sprecher des Europavertriebs dem TA. Die Zuständigen prüfen nun, wie stark SPI finanziell von der Insolvenz in China betroffen ist. Positiv für Schaffhausen sei, dass die in Europa vertriebenen Solarmodule zur Hauptsache aus Taiwan und Korea stammen - Probleme in China brächten den Nachschub nicht direkt zum Versiegen. Ob das so bleibe, sei ungewiss. Wie lange die Konzernmutter Suntech Power Holdings sich nach dem Zusammenbruch der grössten Tochter in China halten kann, ist völlig offen. Kontrollstelle und Anwälte müssen dem Verwaltungsrat von SPI nun Vorschläge machen, ob und wie es in Schaffhausen weitergeht.

Werk in den USA dicht gemacht

Zu Monatsbeginn hatte Suntech bereits die Schliessung seines Werks im US-Bundesstaat Arizona angekündigt und den Unternehmensgründer Shi Zhengrong von seinen Aufgaben entbunden. Suntech und andere chinesische Hersteller sahen sich in den vergangenen Monaten wiederholt mit Dumpingvorwürfen aus Europa und den USA konfrontiert. Derzeit laufen drei Ermittlungen der EU-Kommission.

Die Europäer werfen den Chinesen vor, ihre Produkte unter Produktionskosten in Europa zu verkaufen, also Dumping zu betreiben. Dabei könnten sie sich auf staatliche Hilfen stützen, also letztlich mit unfairen Subventionen das Dumping finanzieren. In den USA waren die Solarproduzenten im Oktober aus ähnlichen Gründen zu hohen Geldbussen verurteilt worden.

Billigpreisstrategie schuld?

Analysten bestätigten diese Vorwürfe am Mittwoch indirekt, als sie die Pleite auf Suntechs Billigpreisstrategie zurückführten. Die aggressive Markteroberung unter Herstellungskosten habe dazu geführt, dass Suntech «beinahe kein Produkt mehr mit Gewinn verkaufen» könne, sagte der Analyst Ben Cavender der Nachrichtenagentur AFP in Shanghai.

Der Insolvenzantrag durch die Banken sei ein Zeichen, dass «die Regierung offensichtlich eingeschritten ist», fügte der Analyst Liu Wenping hinzu. Alles sehe danach aus, dass die Führung in Peking das Unternehmen «neu aufstellen» wolle.

SDA/afl

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch