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SBB-Chef Meyer greift Bombardier an

Verspätungen und technische Probleme begleiten die Einführung der neuen SBB-Fernverkehrszüge. Schuld an den Pannen hat laut Andreas Meyer Hersteller Bombardier.

«Die Gründe für die momentane Situation liegen klar bei Bombardier»: SBB-Chef Andreas Meyer. Keystone/Alessandro della Valle
«Die Gründe für die momentane Situation liegen klar bei Bombardier»: SBB-Chef Andreas Meyer. Keystone/Alessandro della Valle

Als «Zangengeburt» bezeichnet SBB-Chef Andreas Meyer die Einführung der neuen SBB-Fernverkehrszüge von Hersteller Bombardier. Die Schuld an zahlreichen Verspätungen und technischen Problemen sieht Meyer beim Lieferanten: «Die Gründe für die momentane Situation liegen klar bei Bombardier», sagt der SBB-Chef in einem Interview mit den Zeitungen von «CH Media» vom Samstag. Der Lieferant sei in der Pflicht, dieser habe sich um den Auftrag beworben.

Sich selbst macht Meyer beim Debakel um die Pannenzüge kaum Vorwürfe. Er übt aber auch Kritik an den Behindertenorganisationen, die zusätzliche Spezifikationen gefordert hätten. Auf elementare Forderungen ist die SBB allerdings nicht eingegangen. So werden viele Menschen im Rollstuhl die neuen Züge bis 2060 nicht selbstständig benutzen können, weil unter anderem die Einstiegsrampen zu steil sind.

Gegen strengere Auflagen

1,9 Milliarden Franken kostet dieser grösste Deal in der Geschichte der SBB. Bislang sei ein Drittel der Zahlung beglichen und mit Bankgarantien abgesichert worden, so Meyer. Abgeschlossen habe man einen «harten Vertrag mit Strafzahlungen, die über das Übliche hinausgehen». Wann alle 59 Züge einsatzfähig sein werden, kann der SBB-Chef nicht sagen.

Meyer spricht sich zudem trotz massiver Probleme gegen strengere Auflagen der Politik bei Beschaffungen aus. Das Gesetz sei bereits heute streng und verursache einen grossen Aufwand. «Wir haben schon jetzt ein sehr enges gesetzliches Korsett bei solchen Beschaffungen, alles wird bis ins letzte Detail geregelt mit einem sehr grossen administrativen Aufwand», sagt er. Er könne sich nicht vorstellen, wie man die Beschaffungsfreiheit weiter einschränken solle. Die SBB seien und blieben Bestellerin, auch wenn es schwierig sei.

Die Pannen rund um den Einsatz der Fernverkehrsdoppelstockzüge wurden unlängst zum Politikum. Die Verkehrskommission des Nationalrats beschäftigte sich am Dienstag mit dem Thema und äusserte sich laut Mitteilung «äusserst besorgt» über die zahlreichen Pannen beim neuen Zug. Die Parlamentskommission fordert von den Verantwortlichen im Februar Antworten.

Bombardier sieht Fortschritte

Der Schweiz-Chef von Bombardier, Stéphane Wettstein, hatte sich am Freitag in einem Interview gegen die Kritik am Zug verteidigt. Die Zuverlässigkeit der Züge habe in den vergangen Wochen deutlich verbessert werden können. Er sei zuversichtlich, dass sehr bald ein stabiler Betrieb zusammen mit den SBB etabliert werden könne. Die Probleme beträfen vor allem Türen und Schiebetritte. Es seien keine Sicherheitsprobleme.

Seit Dezember sind zwölf Kompositionen des neuen Zugs im fahrplanmässigen Betrieb. Anhaltende Mängel führten im ersten Betriebsmonat laut SBB allerdings immer wieder zu Zugausfällen und Verspätungen. Die Züge verkehren seit dem Fahrplanwechsel im Dezember vorläufig nur auf der Interregio-Strecke Basel-Zürich-St. Gallen-Chur.

SDA/scl

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