SBB schlagen im Güterverkehr zurück

Die BLS Cargo profitierte über Jahre von der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn. Nun ist es der SBB gelungen, diese Kooperation zu sprengen.

Ein Güterzug der BLS fährt in Richtung Gotthard.

Ein Güterzug der BLS fährt in Richtung Gotthard.

(Bild: Keystone)

Hans Galli

Der Gütertransport ist das grosse Sorgenkind von BLS und SBB. Die beiden Schweizer Bahnunternehmen haben mit ihren Güterwagen am Gotthard und am Lötschberg auch 2012 schmerzhafte Verluste eingefahren. Ein längerfristiger Vergleich zeigt allerdings die unterschiedliche Entwicklung der beiden Konkurrenten.

Die BLS Cargo AG schrieb bis zum Ausbruch der internationalen Finanzmarktkrise vor fünf Jahren eine Erfolgsgeschichte. Das im Jahr 2001 gegründete Unternehmen profitierte stark von der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn (DB). Die DB hatte sich 2002 in einem ersten Schritt mit einem Anteil von 20 Prozent am Aktienkapital beteiligt und baute diesen später auf 45 Prozent aus.

Die Transportleistung von BLS Cargo ist seit der Gründung auf das Sechsfache gestiegen – in erster Linie auf Kosten der SBB. Der Gewinn wuchs kontinuierlich bis zum Rekordergebnis von über 14 Millionen Franken im Jahr 2007. Dann ging es abwärts, und mit einem Minus von 3,6 Millionen Franken wurde 2009 der Tiefpunkt erreicht. Hauptgrund waren die schlechte Konjunktur in Italien und der schwache Euro.

SBB will verlorene Marktanteile zurückerobern

Im Gegensatz zu BLS Cargo hat sich der SBB-Güterverkehr im vergangenen Jahrzehnt nie von den roten Zahlen verabschieden können. Es erstaunt deshalb nicht, dass die SBB-Spitze schon lange argwöhnisch auf die Zusammenarbeit der kleinen Schweizer Konkurrentin mit der grossen Deutschen Bahn schielte. Nun ist es ihr gelungen, diese Kooperation zu sprengen und das Geschäft mit DB Schenker auf ihre Seite zu ziehen. Die SBB um Konzernchef Andreas Meyer hoffen, nicht nur verlorene Marktanteile zurückzuerobern, sondern auch die Rentabilität im Güterverkehr steigern zu können.

Für die BLS Cargo AG bedeutet der Partnerwechsel der Deutschen Bahn einen schweren Schlag. Sie verliert dadurch nicht nur ein Viertel ihres Geschäfts, sondern wird es auch schwer haben, wieder in die Gewinnzone zurückzukehren.

Der Bund

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