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«Salopp gesagt haben viele Kunden keine Ahnung von Bankgeschäften»

Bankkunden haben sich im Jahr 2010 deutlich weniger beim Schweizer Bankenombudsman Hanspeter Häni beschwert als noch im Vorjahr. Die Kunden sind aber kritischer geworden. Im Interview erklärt er, warum.

Musste im vergangenen Jahr rund 2000 Fälle bearbeiten: Der Schweizer Bankenombudsman Hanspeter Häni. (Video: Keystone)

Noch immer behandelt der Schweizer Bankenombudsman mehr Anfragen besorgter oder verärgerter Kunden als vor der Finanzkrise. Die Zahl der Fälle hat sich allerdings im vergangenen Jahr mehr als halbiert.

Nach über 4700 Anfragen im 2009 gingen im vergangenen Jahr über die Schreibtische von Hanspeter Häni und seinen Mitarbeitern noch knapp 2000 Fälle. Um Vorkrisenniveau zu erreichen, müsste das Niveau auf etwa 1500 abschliessend behandelte Anfragen zurückgehen.

Die Bearbeitung der Fälle sei aber intensiver geworden, resümierte Häni vor den Medien in Zürich. Häni, der zwischen Kunden und Banken vermittelt, stellte fest: «Wir haben den Eindruck, dass Kunden unsere Antwort mehr als früher hinterfragen, dies natürlich insbesondere, wenn unsere Beurteilung zugunsten der Bank ausfällt.»

Kein «Beinahe-Gericht»

Bei rund einem Drittel der Anfragen sei er bei den Banken vorstellig geworden, sagte Häni. In 20 Prozent dieser Fälle habe er bei den Finanzhäusern auf eine Korrektur pochen müssen. In vier von fünf Fällen hätten die Banken eingelenkt, berichtete Häni.

Im Streit zwischen Kunden und Banken ging es laut Häni um «substantielle» Beträge: In 62 Prozent der abgeschlossenen Fälle habe sich die fragliche Summe auf 1001 bis 100'000 Franken belaufen. Bei 17 Prozent ging es um mehr als eine halbe Million Franken.

Auf die Banken einzuprügeln, sei aber nicht seine Aufgabe, sagte Häni. Der Ombudsman, dessen Aufgabe nach eigen Worten in einem zum Teil mühsamen Ringen um Lösungen besteht, will auch keine Spruchkompetenz. Die Rolle des Vermittlers vertrage sich schlecht mit der Rolle des Richters, sagte Häni. Er wolle keinem «Beinahe- Gericht» vorstehen.

Nachwehen der Krise

Vorbei ist für Häni die Finanzkrise trotz starkem Abflauen der Anfragen nicht. Ein grosser Teil der Fälle im Jahr 2010 habe immer noch die Folgen der Krise betroffen, sagte Häni. Besonders der Kollaps der US-Bank Lehman Brothers beschäftigt die Ombudsstelle weiter.

Kunden, deren Geld nicht gemäss des mit der Bank vereinbarten Anlagestils investiert worden seien oder Kunden, um deren Vermögen zu grösse Klumpenrisiken lauerten, beschäftigten ihn weiterhin, sagte Häni.

Bankgeheimnis und Checkbetrug

Im übrigen befasse sich die Ombudsstelle aber auch mit Fragen zu Hypotheken, Krediten, Sparheft- und Kontoproblemen über Bankgeheimnis-Themen bis zum Zahlungsverkehr sowie Check- und Kartenbetrug.

Der Bankenombundsman dient Bankkunden und funktioniert als neutrale und kostenlose Informations- und Vermittlungsstelle. Getragen wird das Büro, das seit 1993 existiert, von einer Stiftung, die von Banken gegründet wurde.

SDA/wid

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