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«Saläre zu definieren, wäre kontraproduktiv»

Nationalbank-Präsident Jean-Pierre Roth erkennt positive Zeichen für den Finanzplatz Schweiz – und spricht sich gegen staatliche Auflagen zu Boni aus.

«Die Lage hat sich spürbar verschlechtert, weil die Finanzkrise die Realwirtschaft deutlich erfasst»: SNB-Präsident Jean-Pierre Roth.
«Die Lage hat sich spürbar verschlechtert, weil die Finanzkrise die Realwirtschaft deutlich erfasst»: SNB-Präsident Jean-Pierre Roth.
Keystone

Nach sehr dramatischen Entwicklungen auf den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen seien heute «positive Zeichen» zu erkennen, sagte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) der «Neuen Zürcher Zeitung» auf die Frage nach dem bisherigen Nutzen des Rettungspakets zugunsten der UBS. «Wir sehen, dass im Bankensektor ein bisschen Vertrauen zurückkommt», sagte Roth. Bei der UBS, die vom Bund und der SNB mit 68 Milliarden Franken gestützt wird, seien «Stabilisierungseffekte» eingetreten. Roth betonte, dass es beim Unterstützungspaket um eine Konsolidierung der Grossbank gegangen sei und nicht um eine Rettung. Der Umfang des Pakets folge der Erfahrung, dass eine Wirkung nur zu erzielen sei, wenn nicht an den Mitteln gespart werde. Die Zweckgesellschaft, in die die UBS-Altlasten ausgegliedert werden, soll in den nächsten Wochen gegründet werden. Laut Roth dürfte der Transfer bis Ende März dauern.

Verteidigt hat Roth die Zurückhaltung bei den Vergütungen und Boni beim Rettungspaket. Die Schweiz habe ein grosses Interesse daran, dass ihr Finanzplatz richtig funktioniere. Und das könne er nur dann, wenn die Schweizer Banken gleich lange Spiesse hätten wie ihre ausländischen Konkurrenten. In besonderem Mass gelte dies für den Arbeitsmarkt, sagte Roth. Bei der Frage der Entschädigung könne die Schweiz nicht den Alleingang wählen. Wenn der Staat die Saläre definieren würde, wäre das kontraproduktiv.

Sorgen um die Realwirtschaft

Besorgt sieht Roth aber die Entwicklung der Realwirtschaft. Die SNB mache sich mehr Sorgen als vor einem Monat. «Die Lage hat sich spürbar verschlechtert, weil die Finanzkrise die Realwirtschaft doch deutlich erfasst», sagte Roth. Auf eine Rezessionsprognose für nächstes Jahr wollte er sich aber nicht hinauslassen. Die SNB-Ökonomen hätten noch kein Szenario erarbeitet, sagte er. Bevor er sich dazu äussere, wolle er die internen Prognosen abwarten.

Auf den festen Frankenkurs angesprochen, sagte Roth, ihn störe nicht das Wechselkursniveau, sondern eher die Dynamik des Kursanstiegs. Der Privatsektor habe Schwierigkeiten sich an rasche Bewegungen anzupassen. Es gebe im Moment zwei Elemente, die nicht in die richtige Richtung wiesen: die nominelle Kursentwicklung des Frankens und der über dem Zielwert liegende Dreimonate-Satz. Das sei ein grosse Herausforderung für die SNB, so Roth.

AP/mbr

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