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Russischer Oligarch droht Schweizer Bank mit Milliardenklage

Zwei der reichsten Männer der Welt kämpfen um die Macht über einen Rohstoff-Giganten. Die Schweiz ist die Bühne für den Wirtschaftskrimi – und ein Anwalt mit einschlägiger Vergangenheit spielt eine Hauptrolle.

Wartet derzeit auf den Entscheid des Bundesstrafgerichtes: Oleg Deripaska, milliardenschwerer Rohstoffhändler aus Russland im SF-Interview.
Wartet derzeit auf den Entscheid des Bundesstrafgerichtes: Oleg Deripaska, milliardenschwerer Rohstoffhändler aus Russland im SF-Interview.
Schweizer Fernsehen

Es ist ein Machtkampf, wie er im Buche steht: Zwei der reichsten Männer der Welt – Oleg Deripaska und Vladimir Potanin – ringen um die Kontrolle über einen der weltgrössten Rohstoffkonzerne. Und als Bühne für diesen Wirtschaftskrimi dient – die Schweiz. Bereits Ende Oktober berichtete der «Tages-Anzeiger» in seiner gedruckten Ausgabe, dass der russische Oligarch Oleg Deripaska im August in Bern bei der Bundesanwaltschaft sowie bei der Finma Strafanzeigen eingereicht hatte. Im Zentrum der Vorwürfe stehen die Privatbank Hyposwiss, eine Tochtergesellschaft der St. Galler Kantonalbank, und ihr Verwaltungsrat Hans Bodmer. Der Vorwurf lautet auf Geldwäscherei in Milliardenhöhe.

Nun hat der Fall einen neuen Höhepunkt erreicht, wie «Eco», das Wirtschaftsmagazin des Schweizer Fernsehens auf seiner Website in einer Vorschau auf die Sendung von heute schreibt. Demnach will Deripaska eine Zivilklage auf Schadenersatz in Milliardenhöhe folgen lassen, sollte er mit seiner Strafanzeige nicht zum Ziel kommen.

Abwegig ist das nicht: Am 13. Oktober hat die Bundesanwaltschaft Deripaskas Strafanzeige zurückgewiesen und sich unter anderem für nicht zuständig erklärt. Der Russe hat den Entscheid darauf ans Bundesstrafgericht weitergezogen, das entscheiden soll, ob sich die Bundesanwaltschaft nicht doch mit dem Fall beschäftigen muss. «Es geht hier um die Reputation des Schweizer Rechtssystems, nicht nur um die Banken», sagt Oleg Deripaska im Interview, das in der «Eco»-Sendung von heute Abend ausgestrahlt werden soll. «Wir glauben, dass die Untersuchung fortschreiten wird und alles an den Tag kommt.»

Geschäft von gigantischem Ausmass

Hintergrund der Anschuldigungen ist der Machtkampf um den weltgrössten Nickelproduzenten Norilsk Nickel. Der starke Mann beim börsenkotierten russischen Konzern ist Vladimir Potanin, der offiziell gut 25 Prozent der Aktien kontrolliert. Er ist damit der grosse Widersacher von Oleg Deripaska, der über seinen Aluminium-Konzern Rusal ebenfalls zu rund 25 Prozent an Norilsk Nickel beteiligt ist. Deripaska sitzt denn auch im Verwaltungsrat von Norilsk Nickel. Beide Oligarchen, Potanin und Deripaska, tauchen auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt auf mit geschätzten Vermögen von je über 10 Milliarden Dollar.

Deripaskas Vorwurf an die Hyposwiss und deren Verwaltungsrat Hans Bodmer: Die Schweizer Vermögensverwaltungsbank soll für seinen Gegenspieler Potanin bei einem Scheingeschäft von gewaltigem Ausmass als Drehscheibe gedient haben. Stark vereinfacht geht es dabei um Aktienverkäufe und -rückkäufe, die Norilsk Nickel auf Initiative von Vladimir Potanin gegen den Willen von Deripaska tätigte.

Das Management des Rohstoff-Giganten verkaufte im Herbst 2010 ein grosses Paket eigener Aktien zum sehr günstigen Preis von rund 180 Dollar pro Aktie. Wenig später kaufte der Konzern über ein Aktienrückkauf-Programm ein vergleichbar grosses Paket zum Preis von rund 250 Dollar zurück.

Brisante Dokumente

Deripaska beschuldigt Potanin, sich bei diesem Scheingeschäft auf Kosten anderer Aktionäre um eine Milliarde Dollar bereichert zu haben. Gegenüber «Eco» sagt er: «Diese Transaktion war ein Betrug, von Anfang an.» Die Gegenseite streitet den Vorwurf ab.

Laut dem Bericht des «Tages-Anzeigers» verfügt Deripaska über brisante Dokumente, die ihm aus den Reihen von Norilsk-Nickel-Mitarbeitern zugespielt wurden. In einem Revisionsbericht muss etwa Norilsks Buchprüfungsfirma KPMG eingestehen, dass die wirtschaftlichen Berechtigten hinter dem umstrittenen Aktiendeal nicht identifiziert werden konnten. Es sei deshalb nicht mit Bestimmtheit zu sagen, ob die Transaktionen tatsächlich mit unabhängigen Drittparteien getätigt worden seien.

Spuren führen zu Hyposwiss

Das Wirtschaftsmagazin «Eco» hat nach eigenen Angaben Verkaufsverträge und Konto-Unterlagen eingesehen, die vermuten liessen, «dass die Transaktion über eine Reihe von Offshore-Gesellschaften abgewickelt wurde, von denen viele bei der Schweizerischen Hyposwiss ein Konto hatten.»

Im Zentrum des Verdachts steht der Zürcher Anwalt Hans Bodmer, der die betreffenden Konti geführt haben soll. Bodmer wurde im Sommer 2011 in den Verwaltungsrat der Hyposwiss berufen – bereits zum zweiten Mal, nachdem er sich 2004 in den USA der Geldwäscherei für schuldig bekannte und von seinem damaligen Hyoposwiss-Mandat zurückgetreten war. Laut Anklage hatte er 150 Millionen Dollar Bestechungsgelder für aserbeidschanische Politiker über Konten vor allem bei der Hyposwiss gewaschen. Das endgültige Urteil steht noch aus. Anfang November ist Bodmer nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe erneut aus dem Hyposwiss-Verwaltungsrat zurückgetreten. Die St. Galler Kantonalbank bekräftigt gegnüber «Eco», sie habe alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten. Die angekündigte Zivilklage kommentierte sie nicht.

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