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Rentner an der UBS-Spitze? «Bei den Topmanagern fehlt der Nachwuchs»

Kaspar Villiger und Oswald Grübel sind im Pensionsalter. Trotzdem muss die UBS auf sie zurückgreifen: Unter den 40- bis 50-Jährigen gibt es keine fähigen Manager, sagt Unternehmensberater Klaus Stöhlker.

Oswald Grübel und Kaspar Villiger (rechts): Beide sind über 65 Jahre alt.
Oswald Grübel und Kaspar Villiger (rechts): Beide sind über 65 Jahre alt.
Keystone

Herr Stöhlker, der neue Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger ist 68 Jahre alt, Konzernchef Oswald Grübel wird dieses Jahr 66. Ist die UBS-Spitze zum Rentner-Club geworden? Nein. Villiger und Grübel sind zwei sehr erfahrene Männer. Oswald Grübel ist unbestritten die Nummer 1 im Reorganisieren grosser Bankkonzerne. Und Kaspar Villiger ist ohne Zweifel einer der grossen Männer in der Schweiz mit Polit- und Finanzerfahrung.

Beide sind schon im Pensionsalter. Damit stehen sie doch automatisch für vergangene Zeiten. Wir durchleben zurzeit eine Krise, in der erfahrene Kapitäne ans Steuer müssen. Die beiden Ernennungen müssen als Misstrauensvotum gegen die Generation der 40- bis 50-Jährigen verstanden werden.

Noch einmal: Meint die UBS, sie könne die letzten zehn Jahre zurückspulen, indem sie auf ehemalige Patrons zurückgreift? Nein. Sehen wir uns das Team Kaspar Villiger und Oswald Grübel doch einmal genau an. Kaspar Villiger wird ideal sein, um den ‹good guy› zu spielen, der den Verwaltungsrat zusammenhält. Er wird Konzernchef Grübel – und das ist entscheidend – souverän Spielraum verschaffen. Grübel hat einmal gesagt, ihm sei es egal, welcher Verwaltungsratspräsident unter ihm arbeitet. Grübel hingegen ist ein Macher: Er hat Lust darauf, den UBS-Konzern wieder auf die Beine zu stellen. Das ist die vielleicht schwierigste Aufgabe, die es heute in der Schweiz gibt.

Wo sind die jüngeren Topmanager, die das Ruder herumreissen könnten? Seit der Jahrtausendwende lief die Nachwuchsförderung bei den Grossbanken UBS und CS schlecht. In der Aufschwungsphase der letzten Jahre haben es die Grossbanken verschlafen, Topmanager auszubilden. Der Rücktritt von UBS-Chef Marcel Rohner bestätigt dies: Die heute 50-Jährigen sind offensichtlich nicht reif für diese Aufgaben. Ich rechne mit weiteren Rücktritten von Topmanagern in dieser Altersgruppe.

Sind die alten Hasen Villiger und Grübel die Retter in der Not? Ja. In den letzten 20 Jahren war das Leben zu leicht. Die Banken haben sehr früh 30- bis 40-Jährige auf hohe Posten gehievt. Doch jetzt gehts ums harte Restrukturieren, jeder Fehlgriff kann zum Untergang führen. Darum holen sich die Banken erfahrene Leute an die Spitze. Villiger ist ein natürlicher Überlebenskünstler, er wird im zerrissenen Verwaltungsrat überleben und Grübel den Weg bereiten. Die UBS hat keine Chance, als das sich Grübel durchsetzt. Wenn ihm dies nicht gelingt, müssen wir ‹UBS Adieu!› sagen.

Wie lange hat die neue UBS-Spitze Zeit, die Krise zu meistern? Oswald Grübel hat sich drei Jahre Zeit gegeben. Sollte es ihm aber nicht gelingen, in den nächsten drei bis sechs Monaten was zu bewegen, wird das Misstrauen wachsen. Das würde auch Kaspar Villiger treffen.

Und wenn Villiger und Grübel scheitern? Kommen dann die Jungen? Das ist eine gute Frage. Wir haben an hiesigen Universitäten Tausende Führungskräfte ausgebildet, die nicht auf ihre Karriere verzichten wollen. Die UBS und Credit Suisse müssen nun auf diesen Nachwuchs setzen.

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