Raschelsack-Verbot sorgt für Ärger

Die Plastikindustrie versucht, den Anbietern kompostierbarer Tüten ein Redeverbot aufzuerlegen.

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Andreas Möckli@AndreasMoeckli

Selten hat eine Motion wie diese für derart viel Aufregung gesorgt: Das Verbot der dünnen weissen Plastiksäckche, die an den Kassen der Detailhändler erhältlich sind. Das Parlament hat der Motion des CVP-Nationalrats Dominique de Buman 2012 zugestimmt. Der Freiburger wurde danach als «Verrückter» und «Idiot» bezeichnet, weil zwischenzeitlich der Eindruck entstand, das Verbot gelte für sämtliche Plastiktaschen, etwa auch jene Beutel, die für Gemüse und Obst vorgesehen sind. De Buman wollte dies aber explizit nicht, er führte die Aufregung auf einen Übersetzungsfehler zurück.

Nach der Annahme der Motion begann das Bundesamt für Umwelt (Bafu) mit der Umsetzung, tut sich aber offenbar schwer damit. Ursprünglich war das Verbot der Wegwerfsäckchen auf den 1. Januar 2015 vorgesehen. Nun verzögert es sich bis zum 1. Januar 2016, wie eine Sprecherin des Bafu sagt. Die Änderung der entsprechenden Verordnung beanspruche aufgrund der kontroversen Positionen mehr Zeit als ursprünglich angenommen. Zudem sei für die Änderung eine Anhörung nötig.

Redeverbot

Tatsächlich sorgt das Thema in der Branche für Zoff. So hat einer der Hersteller kompostierbarer Säckchen einen bösen Brief erhalten. Darin wird der Chef der Waadtländer Firma Bioapply, Frederic Mauch, aufgefordert, sich ab sofort nicht mehr zum Plastiksäckchen-Verbot zu äussern.

Der Hintergrund: Mauch tritt morgen Mittwoch an einer Verpackungsmesse in Zürich auf und wird sich dort zum Verbot der Plastiktüten und Alternativen äussern. Dies passt den Vertretern der Plastikindustrie gar nicht. Sie wollen, dass Mauch den Auftritt absagt und sich künftig nicht mehr zum Verbot äussert. Mauch wird darauf aufmerksam gemacht, dass er gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstosse. Am Schluss des Briefs wird dem Firmenchef ein Ultimatum gesetzt. So hätte er bis vergangenen Freitag bestätigen müssen, dass er die Schweigeaufforderung einhalten wird.

Wer konkret hinter der Drohung und dem Ultimatum steckt, ist unklar. Geschrieben hat der Brief der Waadtländer Anwalt Eduardo Redondo. Diesen versuchte Mauch letzte Woche zu kontaktieren, allerdings erfolglos. «Ich werde mich nicht zum Schweigen bringen lassen», sagt Mauch. Er werde den Auftritt an der Messe wahrnehmen. «Ich finde diese Nordkorea-Methoden fast schon lächerlich.»

Migros prescht in der Westschweiz vor

Steckt etwa der Verband Swiss Plastics hinter dem Brief des Anwalts? Sprecher Michael Baumgartner verneint. «Wir finden Maulkörbe denkbar schlecht.» Zwar sei der Verband unglücklich über das kommende Verbot. Es gelte nun aber, das Beste daraus zu machen. «Daher würden wir es begrüssen, wenn das Verbot lediglich die Plastiktüten an der Kasse betrifft und nicht etwa die grösseren Plastiktaschen oder die Säckli für das Obst oder Gemüse», sagt Baumgartner.

Während das Verbot der Platikbeutel noch auf sich warten lässt, sind einzelne Detailhändler bereits weiter. So gibt es bei der Migros Waadt seit November vergangenen Jahres keine Gratissäckchen mehr an der Kasse. Stattdessen können die Kunden für 5 Rappen einen kompostierbaren Beutel kaufen. Lieferant der Tüten ist die Firma Bioapply. Andere Grossverteiler wie Coop geben sich zurückhaltender.

Dass es auch ganz ohne Einwegsäcke geht, zeigt der Fall der Migros Genf. Sie hat die Plastiksäckli Anfang 2009 aus dem Verkehr gezogen. Weniger als 1 Prozent der Kunden hätten sich darüber beschwert, sagte eine Sprecherin der Migros Genf dem «Tages-Anzeiger» im November. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die klassischen Papiertaschen im ersten Jahr nach der Einführung gratis waren.

DerBund.ch/Newsnet

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