Postfinance verzichtet auf Rauswurf von Kunden

Postfinance-Kunden müssen den neuen Geschäftsbedingungen nun doch nicht vorbehaltlos zustimmen.

Der Datenschützer intervenierte: Die Seite von Postfinance auf einem iPad. (15. April 2014)

Der Datenschützer intervenierte: Die Seite von Postfinance auf einem iPad. (15. April 2014)

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Bruno Schletti@tagesanzeiger

Noch Anfang Oktober drohte Postfinance widerspenstigen Kunden mit dem Rauswurf: «Kundinnen und Kunden, die die neuen Teilnahmebedingungen nicht akzeptieren, werden E-Finance ab dem 12. Oktober 2014 nicht mehr nutzen können.» Wenige Tage vor dem 12. Oktober knickt der Finanzdienstleister jetzt aber ein. Um 18 Uhr gestern Abend verschickte er eine Medienmitteilung mit der Botschaft: «Die Kundinnen und Kunden von Postfinance erhalten beim Login ins neue E-Finance die Möglichkeit, die neuen Teilnahmebedingungen mit oder ohne Analyse von Personendaten zu Marketingzwecken zu akzeptieren.»

Wie DerBund.ch/Newsnet bereits im August berichtete, will Postfinance in Zukunft mit Kundendaten Geld verdienen. Drittfirmen sollen gestützt auf Auswertungen der Daten von Postfinance-Kunden die Möglichkeit erhalten, diesen gezielt Rabattangebote zu unterbreiten, wobei die Anonymität der Kunden gewahrt werden soll. Postfinance verlangte von den Kunden ultimativ, die neuen Geschäftsbedingungen bis am 12. Oktober zu akzeptieren. Ein möglicher Verzicht auf Angebote Dritter wurde zwar in Aussicht gestellt, aber erst auf Beginn der geplanten Rabattangebote im kommenden April.

Datenschützer intervenierte

Auch der Eidgenössische Datenschützer vollzog einen Schwenker. Dieser war Anfang Jahr von Postfinance über das Vorhaben informiert worden. Er gab in der Folge Empfehlungen für die Umsetzung der Pläne ab. Aufgrund mehrerer Interventionen des «Tages-Anzeigers» und wohl auch aufgrund negativer Reaktionen seitens Postfinance-Kunden kam es erneut zu Kontakten zwischen dem Datenschutzbeauftragten und dem Finanzdienstleister. Das Resultat liegt nun vor: Wer die neuen Geschäftsbedingungen bisher nicht akzeptiert hat, kann dies jetzt mit dem entsprechenden Vorbehalt tun.

Man sei damit auf jene Kunden zugegangen, die die neuen Bedingungen noch nicht akzeptiert hätten, sagt Postfinance-Sprecher Johannes Möri. Er räumt ein, dass man sich auch aufgrund von Kundenreaktionen zu diesem Vorgehen entschlossen habe. Wie viele Kunden sich quergelegt haben, will er nicht bekanntgeben. Er sagt aber: «Die grosse Mehrheit hat bereits zugestimmt.»

DerBund.ch/Newsnet

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