Postfinance setzt auf das Handy

Die Post-Tochter will 2015 eine eigene Bezahllösung für Smartphones lancieren.

Die Postfinance will eine eigene Smartphone-App anbieten, mit der man beispielsweise im Supermarkt bezahlen kann.

Die Postfinance will eine eigene Smartphone-App anbieten, mit der man beispielsweise im Supermarkt bezahlen kann.

(Bild: Alessandro Della Bella (Keystone))

Mischa Stünzi

Im Laden nicht mehr mit Bar- oder Plastikgeld bezahlen, sondern mit dem Smartphone. In diesem Zukunftsgeschäft will auch die Postfinance mitmischen. Gestern hat die Post-Tochter bekannt gegeben, dass sie nächstes Jahr eine eigene Bezahllösung für das Handy auf den Markt bringen wird. Twint soll es heissen und nicht nur für Kunden der Postfinance offen sein. Das ist laut Twint-Geschäftsführer Thierry Kneissler möglich, weil alle User vor dem Gebrauch Geld ins virtuelle Portemonnaie laden. So steht das Angebot auch Personen zur Verfügung, die keine Kreditkarte besitzen.

Das ist einer der Unterschiede zu den grossen Konkurrenten am Markt. Die Swisscom etwa hat dieses Jahr eine App namens Tapit lanciert, in Zusammenarbeit mit den Konkurrenten Sunrise und Orange und den Kreditkartengesellschaften Cornèrcard und Viseca. Dort läuft die Zahlung über eine Kreditkarte, die hinterlegt wurde. Ähnlich funktionieren die Angebote mächtiger Marktplayer wie Google, Apple, Visa und ­Mastercard.

Weil letztlich via Kreditkarte bezahlt wird, fallen beim Händler Gebühren von rund 2,5 Prozent an. Twint werde «äusserst kostengünstig» sein, verspricht das Communiqué. Kneissler spricht von rund 10 Rappen pro Transaktion oder etwa halben Debitkartengebühren, welche rund 1,5 Prozent betragen.

Daten werden ausgewertet

Mit derart tiefen Preisen wird die Postfinance-Tochter Twint nicht reich. Deshalb setzt sie auf ein zweites Ertragsbein: Gutscheine und Rabattcoupons. Um dem Kunden möglichst akkurate Angebote zu unterbreiten, kann Twint das Kaufverhalten auswerten und so entscheiden, welche Bons dem Kunden dienen könnten.

Zudem kann die Anwendung standortbasierte Gutscheine übertragen, sie soll also den Aufenthaltsort der User feststellen können. Kneissler verspricht aber: «Wir fragen den Kunden vorgängig explizit, ob er an für ihn relevanten Coupons interessiert ist und wir dafür seine Daten auswerten dürfen. Falls nicht, analysieren wir die Daten nicht.»

Postfinance setzt auf die Bluetooth-Technologie Beacon. Twint-Geschäftsführer Kneissler sieht hier nicht nur die Zukunft, sondern will damit auch bewusst von der Infrastruktur der Kreditkartenindustrie unabhängig bleiben. Dass für Twint nun eine eigene Infrastruktur aufgebaut werden muss, nimmt er in Kauf. Zudem: «Eine Beacon-Station kostet bei weitem nicht so viel wie ein Bezahlterminal.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt