Post zeigt Entgegenkommen –Kritiker sprechen von Zückerchen

Die Post reagiert auf die Kritik an den geplanten Poststellenschliessungen und führt mehr Dienstleistungen ein. Den Gewerkschaften genügt das nicht.

Zusatzaufgabe für Pöstler: Sie sollen neu Bareinzahlungen der Kunden entgegennehmen.

Zusatzaufgabe für Pöstler: Sie sollen neu Bareinzahlungen der Kunden entgegennehmen.

(Bild: Samuel Golay (Keystone))

Yvonne Debrunner@yvonnedebrunner

«Wir investieren in Dienstleistungen, nicht in Beton» – diesen Satz wiederholte Post-Geschäftsleitungsmitglied Thomas Baur am Donnerstag wieder und wieder. Er sagte ihn zu Beginn der Medienkonferenz, zum Schluss und später in die Mikrofone der Journalisten. Es ist die Rechtfertigung der Post für die geplante Schliessung von bis zu 600 Poststellen in den nächsten vier Jahren.

Heute gibt es noch 1400 Filialen, um die Jahrtausendwende waren es mehr als 3000. Den erneuten Abbau hatte die Post im Oktober angekündigt. An dem Plan hat sich nichts geändert. Welche Postschalter geschlossen werden, bleibt weiter unklar. Dazu soll es im zweiten Quartal mehr Informationen geben.

Serviceabbau wettmachen

Am Donnerstag hat das Staatsunternehmen neue Dienstleistungen präsentiert: kleine Neuerungen, die den Serviceabbau teilweise wettmachen sollen. Die wichtigste betrifft Bareinzahlungen. Ab September sollen Kunden, in deren Ortschaft es statt einer richtigen Poststelle nur eine Postagentur gibt, Bareinzahlungen beim Briefträger an der Haustür vornehmen können. Bei Postagenturen handelt es sich zum Beispiel um Volg-Läden, die Postdienstleistungen anbieten.

Ein Grossteil der wegfallenden Poststellen wird durch Agenturen ersetzt. In diesen kann aber kein Geld einbezahlt werden, unter anderem wegen Bestimmungen des Geldwäschereigesetzes. Die Bargeldeinzahlung an der Haustür sei deshalb ein Bedürfnis, sagte Baur, insbesondere bei älteren Leuten. Maximal 10'000 Franken können ab September direkt dem Briefträger übergeben werden.

Eine weitere Neuerung betrifft Massensendungen, also den Versand von 350 oder mehr Briefen: Ab September sollen kleinere und mittlere Unternehmen bei Postagenturen auch Massensendungen aufgeben können. Allerdings wird das nicht überall möglich sein. Ein kleiner Dorfladen in einer Gemeinde mit vielen Unternehmen dürfte platzmässig an seine Grenzen kommen.

In solchen Fällen werde man eine Geschäftskundenbox installieren, sagte Baur. Solche Boxen gibt es bereits. Unternehmen können dort rund um die Uhr Sendungen aufgeben. Künftig solle es mehr davon geben, sagte Baur. Erachtet die Post eine Geschäftskundenbox als nicht sinnvoll, will sie Massensendungen auch direkt bei den Unternehmen abholen. Dafür müssen diese jedoch zahlen.

Schliesslich sollen Zeitungen künftig überall, also auch in ländlichen Gebieten, wo es keine Frühzusteller gibt, bis spätestens 12 Uhr mittags im Briefkasten sein. Heute kommen sie an einigen Orten erst am frühen Nachmittag an.

Reaktion auf Kritik

Die neuen Services sind eine Reaktion der Post auf teils harsche Kritik an den Poststellenschliessungen. Ein rauer Wind blies dem Unternehmen zum einen aus der Bevölkerung entgegen. Wie angekündigt, will die Post die Bevölkerung in den Prozess «einbeziehen». Dazu wurden zuerst Gespräche mit den Kantonen geführt, mit Raumplanern beispielsweise. Dabei ging es um Fragen wie: Welche Gemeinden werden in Zukunft wachsen? Oder: Wie werden die Pendlerströme verlaufen? Es habe einige Fälle gegeben, bei denen die Post nach den Gesprächen von den ursprünglichen Plänen abgewichen sei, sagte Baur.

Einseitiger sind die Gespräche, die die Post nun mit der Bevölkerung in den betroffenen Gemeinden führt. Die Anlässe, welche derzeit in Mehrzweckhallen im ganzen Land stattfinden, nennen sich denn auch unverblümt «Informationsveranstaltungen». Es wird über beschlossene Schritte orientiert. Daran zu rütteln gibt es nichts. Dennoch höre man gut zu, sagte Baur. Die Bareinzahlung an der Haustüre und die anderen neuen Dienstleistungen seien Reaktionen auf das Gehörte.

Eine Rolle gespielt hat wohl auch der Bundesrat: Er forderte im Januar, dass die Vorschriften, in welcher Zeit man eine Poststelle mit Zahlungsverkehr erreichen muss, verschärft werden. Heute gilt, dass 90 Prozent der Bevölkerung eine solche Poststelle innert 30 Minuten erreichen müssen.

«Post schiesst mit Nebelpetarden»

Die Gewerkschaften, die schärfsten Kritiker des Poststellenabbaus, sind mit den präsentierten Neuerungen nicht zufriedenzustellen. Die Post schiesse mit Nebelpetarden und verteile Zückerchen, schreibt Syndicom. Statt solcher Feinjustierungen brauche es eine strategische Diskussion über die Netzentwicklung. Die Bareinzahlung beim Postboten sei «nicht einmal eine halbe Lösung». Sie sei nur für jene Kunden eine Option, die ihren Tag um den Pöstler herum strukturieren könnten.

Transfair schreibt, die Weiterentwicklung der Post sei nachvollziehbar, letztlich handle es sich aber um einen Personalabbau. Auf dem Land werde es viele Teilzeit arbeitende Frauen treffen. Der Personalverband fordert für diese eine Weiterbeschäftigung im Unternehmen.

Der Bund

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