Post lässt offen, welche Poststellen gefährdet sind

Die Post hat mittlerweile mit allen Kantonen über das Poststellennetz gesprochen. Trotzdem will sie erst Ende Frühling über das weitere Vorgehen informieren.

Die Post lässt vorerst offen, welche ihrer Stellen gefährdet sind.

Die Post lässt vorerst offen, welche ihrer Stellen gefährdet sind.

(Bild: Keystone)

Mischa Stünzi

Es war ein Paukenschlag, als die Post letzten Oktober ankündigte, sie werde fast die Hälfte der noch existierenden Poststellen schliessen. Im Jahr 2020 soll es noch 800 bis 900 traditionelle Poststellen geben. Gleichzeitig hat die Post versprochen, dass die Kantone, die Gemeinden und die Bevölkerung bei der Ausgestaltung des Filialnetzes ein Wörtchen mitzureden haben würden.

Man werde vorab mit den Kantonen das Gespräch suchen und die Bedürfnisse abholen. Eine erste solche Gesprächsrunde ist nun abgeschlossen, wie die Post gestern mitteilte.

Umstrittene Standort-Liste

Kunden, Angestellte und Gemeinden, die gehofft hatten, nach diesen Debatten herrsche etwas mehr Klarheit, was die Zukunft der gelben Filialen betrifft, wurden gestern enttäuscht. Die Post vertröstet: Erst im Verlauf der ersten Jahreshälfte, nach Abschluss einer zweiten Gesprächsrunde mit den Kantonen, will sie eine Zwischenbilanz ziehen und über die wichtigsten Erkenntnisse sowie die weiteren Schritte informieren. «Bis dahin sind sämtliche Mutmassungen zur Entwicklung des Poststellennetzes in den einzelnen Kantonen rein spekulativ», hält die Post im Communiqué fest. Damit spielt die Post auf eine Karte an, die die Gewerkschaft Syndicom erstellt hat. Auf dieser «Gefährdungskarte» hat Syndicom die Poststellen unterteilt in nicht gefährdete, gefährdete und solche, deren Schliessung bereits angekündigt wurde.

Dies Poststellen sind gefährdet:

Die Gewerkschaft habe dabei die Post eigenen Kriterien verwendet, wie sie mitteilt: Eine Poststelle garantiert haben Gemeinden mit mindestens 20 000 Einwohnern und Kantons- oder Bezirkshauptorte. Zudem wendete Syndicom die gesetzlichen Vorgaben an, wonach 90 Prozent der Bevölkerung in 20 Minuten zu Fuss oder per ÖV eine Poststelle erreichen können muss – oder in 30 Minuten, wo die Post den Hausservice anbietet. Weiter schreibt das Postgesetz vor, dass in jeder Raumplanungsregion mindestens eine Poststelle stehen muss. Für den Kanton Bern weist die Gewerkschaft 23 Poststellen aus, deren Zukunft nicht gefährdet ist.

Als «Angstmacherei» bezeichnete Post Präsident Urs Schwaller das Vorgehen der Gewerkschaft Ende Januar im Gespräch mit dem «Bund». Und in der aktuellen Mitteilung hält die Post fest, die Karten und Listen von Syndicom seien «weder zielführend noch konstruktiv».

Schliessungsstopp gefordert

Die Gewerkschaft ihrerseits wirft der Post «Geheimniskrämerei» vor. Statt die Pläne zum Poststellennetz zu veröffentlichen, habe sie diese hinter verschlossenen Türen den Kantonsregierungen präsentiert. Der Dialog mit der Bevölkerung – ein entsprechender erster Testlauf wurde kürzlich in Freiburg durchgeführt – sei eine Farce, so Syndicom. Es gehe nicht darum, die Bedürfnisse der Bevölkerung abzuholen, sondern darum, die Leute über bereits beschlossene Schritte zu informieren. Auch die Post selber nennt die Gespräche mit der Bevölkerung «Informationsveranstaltungen». Es gehe darum, nach einer Poststellenschliessung die Postversorgung und die Vielfalt der Angebote aufzuzeigen.

Syndicom fordert von der Politik, dass gegenüber der Post ein Schliessungsstopp verhängt werde, bis die Strategie geklärt sei. Davon will die Post allerdings nichts wissen. «Den Umwandlungsprozess können wir nicht anhalten», sagte Schwaller im Interview.

Der Bund

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