Post baut «Krimskrams»-Angebot ab

Das Angebot in den Filialen soll um ein Fünftel gestrafft werden.

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Matthias Pfander@MatthiasPfander

Seifen, Duftkerzen, Nachtlichter fürs Kinderzimmer, ein Fensterputzgerät («empfohlen von Deutschlands Heimwerkerkönig Mark Kühler»), Duschbrausen, Kaffeemaschinen, Smoothie-Mixer – so schaut ein kleiner Querschnitt durch die Produkte aus, die heute in den Postfilialen angeboten werden. Mit dieser Vielfalt soll bald Schluss sein, wie die Post gestern mitteilte.

An 20 Standorten, verteilt über die ganze Schweiz, wird bis Ende Sommer mit einem schmaleren Sortiment experimentiert. Begleitet wird der Versuch von einer Kundenbefragung. Danach soll bis Ende Jahr entschieden werden, welche Produkte den Postkunden künftig vorgesetzt werden. Laut Sprecher Oliver Flüeler soll das Angebot um etwa 20 Prozent verkleinert werden.

Ein Augenschein in einer bereits umgestalteten Filiale in Zürich-Höngg zeigt: An den Papeterieartikeln wird festgehalten. Ebenso an Büchern, Geschenk­karten oder Autobahnvignetten. Handys bleiben ebenfalls im Angebot sowie weitere Telecom-Produkte und die dazugehörigen Dienstleistungen oder Versicherungspolicen. Je nach Gemeinde und Kanton sollen die Kunden Behördengänge weiterhin via Post erledigen können und etwa einen Betreibungs- oder Strafregisterauszug am Schalter be­stellen können. Weg sind die diversen Haushaltsartikel und insbesondere die Gestelle mit den Süssigkeiten vor den Schaltern. Die Quengelware also, wie diese Auslage auf Augenhöhe von Kindern auch bezeichnet wird.

Drittprodukte sind eine Erfolgsgeschichte

Die offizielle Begründung, weshalb die Post das Sortiment nun umgestalten und verkleinern will, lautet so: «Die Meinungen unserer täglich über 500'000 Kunden in den Poststellen gehen zum Teil weit auseinander, was in einer Poststelle verkauft werden soll und was nicht. Deshalb positionieren wir uns klarer und straffen das Sortiment.»

Die Erklärung erstaunt: Laut «Basler Zeitung» schrieb Postchefin Susanne Ruoff in einem Brief an die Parlamentarier, die Kunden würden «das breite Sortiment» der Post anerkennen.

Tatsächlich ist der Verkauf von Drittprodukten in den Poststellen gemessen am Umsatz eine Erfolgsgeschichte. Die Zahl der Filialen, in denen die Post das Gemischtwarenangebot feilhält, ist über die letzten Jahre zwar laufend kleiner geworden. Der Umsatz ist trotzdem gestiegen. Im letzten Jahr hat er sogar erstmals die Marke von einer halben Milliarde Franken durchbrochen. Der Gesamtumsatz in den Filialen beläuft sich auf 1,66 Milliarden Franken.

Wie viel Gewinn das Geschäft mit den sogenannt «nicht postalischen Markenartikeln» einbringt, legt die Post mittlerweile nicht mehr offen. Vor zehn Jahren schwankte der Betriebsgewinn (Ebit) zwischen 19 und 27 Millionen Franken. Legt man dem aktuellen Umsatz dieselbe Marge zugrunde wären es heute zwischen 25 und 35 Millionen Franken.

Wie viele Artikel das bisherige Sortiment genau umfasst, beziffert die Post nicht. Das Angebot unterscheide sich je nach Standort und Grösse der Filiale.

Zuspruch der Gewerkschaft

Seit die Post begann, Anfang der Nullerjahre in ihren Filialen den Verkauf von Drittprodukten voranzutreiben, war sie Kritik ausgesetzt. Im Parlament waren die Aktivitäten auch dieses Jahr wieder Thema. Im Januar scheiterte SVP-Nationalrat Rudolf Joder zwar mit seinem Vorstoss, «die Post soll sich auf ihren Unternehmenszweck konzentrieren und nicht immer mehr Krimskrams verkaufen». Die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrats verlangt nun aber vom Bundesrat per Postulat, er solle die Post auffordern, weniger Drittprodukte zu verkaufen.

Dass die Post nun selber in diese Richtung arbeitet, trägt ihr Zuspruch der Gewerkschaft ein: «Aus Sicht des Schalterpersonals begrüssen wir es, dass die Post endlich das Angebot vereinfachen will», sagt Syndicom-Sprecherin Nina Scheu. Die Gewerkschaft kritisierte wiederholt den Druck aufs Personal durch hohe Umsatzziele beim Verkauf der Drittprodukte und den Informationsaufwand für die Mitarbeiter bei einem solch breiten Angebot.

Von den Umbauarbeiten bei der Post unberührt ist der Online-Shop. Bereits 2006 rühmte sich die Post damit, auf diesem Kanal ein «virtuelles Einkaufszentrum» mit «einem breiten Sortiment von über 500 000 Artikeln anzubieten.

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