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Politik zum Dessert

Die Firma Dubler stellt Mohrenköpfe her und nennt sie immer noch so. Deshalb ist eine Polemik entbrannt.

Schon längst zum Politikum geworden: Der Mohrenkopf.
Schon längst zum Politikum geworden: Der Mohrenkopf.
Keystone

Die Frage, was gesagt werden darf, ist heute so etwas wie der Gradmesser politischer Gesinnung. Jüngstes Beispiel: die Diskussion um die Firma Dubler aus Waltenschwil, Aargau. Inhaber Robert Dubler ist Unternehmer in zweiter Generation. Sein Produkt: Mohrenköpfe. Und ja, Dubler nennt sie noch immer so, obwohl sie bei Grossverteilern unterdessen Schaumkuss oder Choco-Köpfli heissen.

Mit seiner Veränderungsresistenz hat Dubler einige Leute verärgert. Bis gestern Abend waren es über 650. Sie alle haben online eine Petition des «Komitees gegen rassistische Süssigkeiten» unterzeichnet, das Dubler auffordert, seine Produkte umzubenennen. Die Gruppierung fordert: «Dekolonisiert die Patisserie!» Das Wort «Mohr» sei von Beginn weg eine rassistische Bezeichnung gewesen. Dubler habe jedoch bisher nicht auf die Kritik reagiert. Mehrfache Nachfragen seien seit Jahren unbeantwortet geblieben.

Auf die Petition reagiert hat dafür gestern die Vereinigung Pro Libertate, die vom Berner SVP-Grossrat Thomas Fuchs präsidiert wird. Sie schlägt sich auf Dublers Seite und fordert die Kritiker auf, «eigene Betriebe zu gründen, statt sich gegen einen Schweizer Traditionsbetrieb zu stellen». Deren Produkte könnten sie dann rassismus- und genderkonform verkaufen. Und das ist nicht alles an Unterstützung: Laut «Blick» will die Junge SVP des Kantons Bern aus Solidarität mit Dubler heute in Biel Mohrenköpfe verteilen.

Namenswechsel kein Thema

Was sagt Robert Dubler zu all dem? Er sei «fast gerührt», wie viele Leute Anteil nähmen und ihm helfen wollten. Seine Verkäufe hätten seit der Petition sogar etwas zugenommen. Dass die Anteilnahme stark von rechts komme, ist ihm jedoch nicht ganz geheuer. «Ich will weder links noch rechts sein», sagt er, und fügt an: «Das einzig Politische, was ich sagen kann, ist, dass ich keine grosse Hoffnung in die Politik habe.»

Und ein Namenswechsel, war das ein Thema? «Nein, wieso?», fragt Dubler. Schon sein Vater habe Mohrenköpfe produziert. Er selbst sei deshalb in der Schule immer «der Mohrenkopf» gewesen – und das sei für ihn nie etwas Schlimmes gewesen. Dennoch gewinnt er der Diskussion um den Begriff Positives ab. «Sie hat dazu geführt, dass nur noch die wirklich guten Mohrenköpfe ‹Mohrenkopf› heissen.» Neben seinen eigenen etwa jene der Firma Richterich aus Laufen. Die Chocolat Ammann AG aus Heimberg nennt ihre Produkte «Mohrenkönig», «Mohrenprinz», oder – in der Riesenausführung – «Big King».

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