Piller wirft Chef raus, Migros-Zentrale will dies nicht akzeptieren

Am Dienstag suspendierte die regionale Verwaltung Neuenburg-Freiburg den Direktor. Die Migros anerkennt die Nachfolgerin aber nicht.

Damien Piller, Direktor der Regionalgenossenschaft Neuenburg-Freiburg. Foto: Keystone

Damien Piller, Direktor der Regionalgenossenschaft Neuenburg-Freiburg. Foto: Keystone

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Bei der Migros kehrt weiterhin keine Ruhe ein. Gestern Dienstag wurde mit Jean-Marc Bovay der Direktor der Regionalgenossenschaft Neuenburg-Freiburg suspendiert. Dies auf Geheiss von Damien Piller und der regionalen Verwaltung. Die Migros-Zentrale erkennt diesen Entscheid nicht an. Die Affäre rund um Regionalfürst Damien Piller ist damit um ein Kapitel reicher. Eine Lösung zeichnet sich nicht ab.

Die regionale Verwaltung hat neben der Suspendierung auch gleich einen neue Direktorin ad interim berufen. Es handelt sich dabei um Marcelle Junod, die ehemalige Direktorin der Migros Neuenburg-Freiburg. Sie ist ebenfalls in der regionalen Verwaltung tätig und steht selber in der Kritik wegen der Affäre Piller.

Der Grund für die Suspendierung: Die Verwaltung habe den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgeteilt, dass «sie verpflichtet gewesen sei, Massnahmen zu ergreifen, um den reibungslosen Betrieb der Genossenschaft zu gewährleisten», meldet das Westschweizer Radio RTN.

Die Suspendierung sei kein kein Racheakt, sondern eine Massnahme, um den Dialog wieder in Gang zu bringen, wie am Mittwoch André Clerc, Anwalt der Migros-Verwaltung, laut der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Gab es Wahlmanipulationen?

Erst vor einer Woche hatte Piller noch einen Sieg gegen die Migros-Zentrale davongetragen. In einer Urabstimmung hat sich eine Mehrheit der Genossenschafter für einen Verbleib von Piller an der Spitzer der Verwaltung ausgesprochen. Der Genossenschaftsrat der Migros Neuenburg-Freiburg hat dazu aufgerufen, neben Piller auch Junod abzuwählen. Trotz aller Kritik und Querelen, hat sich die Verwaltung nun aber entschieden, Junod wieder in die Direktion zu hieven.

Gegen die Urabstimmung hat der Genossenschaftsrat – also der Vertreter Interessen der Genossenschafterinnen und Genossenschafter – Anzeige wegen Wahlbetrug erstattet. Der Genossenschaftsrat ist der direkte Gegenspieler von Piller und der regionalen Verwaltung.

Für die Migros ist klar: Die Verwaltung ist gar nicht befugt Bovay auf die Strasse zu stellen. Die Suspendierung «verstösst gegen die Statuten der Genossenschaft und ist daher nicht rechtsgültig», schreibt die Migros in einer Mitteilung. Solche Entscheide könnten nur mit Zustimmung der Verwaltung des Migros-Genossenschafts-Bundes getroffen werden. Dieser stehe aber weiterhin hinter Bovay und den übrigen Geschäftsleitungsmitgliedern. Somit sei Junod nicht rechtmässig eingesetzt und als Geschäftsleiterin nicht handlungsbefugt.

Affäre um Piller schädigt Ruf der Migros

Man sei zudem irritiert, dass Damien Piller als Präsident und die übrigen Mitglieder der regionalen Verwaltung mit den Entscheiden vom Dienstag nicht nur die eigene Genossenschaft schädigen, sondern den Ruf der Migros insgesamt gefährden.

Die Affäre rund um Piller schädigt den Ruf der Migros nicht erst seit diesem Dienstag. Denn der Streit zwischen der Zentrale und dem Regionalfürsten Damien Piller läuft schon seit Monaten. Im Sommer hatte die Migros-Zentrale eine Strafanzeige gegen Piller eingereicht. ihm wird ungetreue Geschäftsführung vorgeworfen. Seither hat Piller mehrere Gutachten in Auftrag gegeben, die seine Unschuld beweisen sollen.

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