Zum Hauptinhalt springen

Piccard fliegt auf Lantal-Luftkissen um die Welt

Die Langenthaler Textilfirma hat für Solar Impulse 2 einen Sitz samt Massageapparat und eingebautem WC entwickelt.

Bertrand Piccard im Cockpit von Solar Impulse 2 mit dem Spezialsitz aus Langenthal, links André Borschberg.
Bertrand Piccard im Cockpit von Solar Impulse 2 mit dem Spezialsitz aus Langenthal, links André Borschberg.
Keystone

Seit zwei Wochen sind Bertrand Piccard und André Borschberg mit der Solar ­Impulse 2 unterwegs auf Weltumrundung. Noch sind die Etappen mit rund 20 Flugstunden vergleichsweise gemütlich. Demnächst wird das Solarflugzeug in Nanjing in China abheben zur Überquerung des Pazifiks. Ein Pilot wird den fünftägigen Flug nach Hawaii allein bewältigen, eingeklemmt im engen Cockpit. Damit er die Tortur besser ­übersteht, hat die Langenthaler Textilfirma Lantal einen Spezialsitz entwickelt. In Langenthal steht ein Nachbau, der den Journalisten gestern an der Bilanzmedienkonferenz gezeigt wurde.

Grundlage ist der Luftkissensitz, wie er seit einigen Jahren von verschiedenen Fluggesellschaften eingesetzt wird. Er ist leicht und die Passagiere können die Sitzhärte mittels elektrischer ­Luftpumpe selber einstellen. Der Sitz des Solarflugzeugs hat aber einige Besonderheiten. Er kann ganz nach hinten geklappt werden, sodass der Pilot liegend schlafen kann. Vorgesehen sind jeweils Schlafpausen von 20 Minuten, ein Computer steuert in dieser Phase das Flugzeug, bei Unregelmässigkeiten schlägt er Alarm.Auch die Rückenlehne besteht aus ­einem Luftkissen, dahinter sind der Fallschirm und das aufblasbare Rettungsboot in den Sitz eingebaut. Die ganze Rückenpartie ist per Tragriemen mit dem Piloten verbunden. Im Notfall würde die Rückenlehne aus der Verankerung gerissen und der Pilot könnte mit dem Fallschirm nach unten gleiten und sich ins Rettungsboot setzen.

Fünf Tage eingeklemmt im engen Flugzeug ist eine körperliche Qual, deshalb ist der Pilotensitz der Solar Impulse 2 zugleich ein Massagesitz. Neben der Fitness haben auch Piloten noch andere menschliche Bedürfnisse, deshalb ist unter der Sitz­fläche eine Toilette angebracht, ausgestattet mit Plastiksäcken, welche dem ­System Robidog ähneln. Der Pilot nimmt einen Teil des Sitzes weg und erledigt sein Geschäft. Die festen und flüssigen ­Ausscheidungen im Plastiksack deponiert er in einem Behälter hinter dem Sitz.

Luxus für König und Scheichs

Lantal stattet drei von fünf Flugzeugen auf der Welt mit feuerfesten Sitzüberzügen und Teppichen aus. Vom Engagement bei Solar Impulse 2 verspricht sich Lantal-Chef und Mehrheitsaktionär Urs Rickenbacher einen Werbeeffekt. «Wenn wir zeigen können, dass sich unsere Sitze auch unter den extremen Bedingungen des Projekts Solar Impulse bewähren, wird das potenzielle neue Kunden überzeugen», sagt Rickenbacher. Er denkt dabei nicht zuletzt an Könige, Scheichs und Popstars. Lantal liefert für deren Jachten und Privatflugzeuge luxuriöse Inneneinrichtungen.

Hauptkunden von Lantal werden Fluggesellschaften sowie Bahn- und Busunternehmen bleiben. Die Aussichten seien günstig, sagte Rickenbacher, denn die Mobilität wachse weltweit. Die Schweiz, wo heute 300 der 391 Beschäftigten tätig sind, soll der Hauptstandort bleiben. Aber auch der Standort in den USA soll ausgebaut werden. In Singapur wurde soeben ein Verkaufsbüro eröffnet, der Bau einer Fabrik zur Belieferung des ­chinesischen Marktes wird geprüft.

Unsicherheit wegen Eurokurs

Nach dem starken Anstieg um 26 Prozent im Vorjahr hat Lantal den Umsatz 2014 noch einmal um 2 Prozent auf 101,8 Millionen Franken erhöht. Wegen des hohen Exportanteils von 96 Prozent seien die Aussichten für das Jahr 2015 schwierig zu beurteilen, sagt Rickenbacher. Lantal rechne die Hälfte der Aufträge in Franken ab, rund 33 Prozent in Euro und 17 Prozent in Dollar. Momentan plane Lantal weder längere Arbeitszeiten noch Lohnkürzungen. Aber das Unternehmen kaufe vermehrt Vorprodukte im Ausland, zudem seien betrieblich nicht absolut notwendige Investitionen zurückgestellt worden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch