Petrobras-Skandal erfasst den Finanzplatz Genf

Eine Kaderfrau der Bank Lombard Odier taucht im Bestechungsfall in Brasilien auf. Bern ermittelt.

Konten für Petrobras-Topmanager: Privatbank Lombard Odier in Genf. Foto: Keystone

Konten für Petrobras-Topmanager: Privatbank Lombard Odier in Genf. Foto: Keystone

Die Dimension sprengt alle bisherigen Schmiergeldaffären. Mit rund 100 Millionen Dollar sollen zahlreiche brasilianische Politiker und ehemalige Manager der staatlichen Öl- und Energiegesellschaft Petrobras von Zulieferern bestochen worden sein. Der Skandal erreichte letzte Woche einen neuen Höhepunkt, als die Staatsanwaltschaft das oberste Gericht Brasiliens um Erlaubnis bat für Strafermittlungen gegen 54 Verdächtigte, darunter den Präsidenten des Abgeordnetenhauses.

Nun gerät auch der Schweizer Finanzplatz in den Strudel der Affäre. Gleich mehrere Privatbanken mit Domizil in Genf, bei denen der grösste Teil der 100 Millionen Dollar mutmasslich gewaschen worden sei, wurden am Montag von der «Financial Times» genannt. Die Bundesanwaltschaft in Bern arbeitet seit letztem Frühling mit Brasiliens Behörden zusammen. Eine Sprecherin wollte keine näheren Angaben machen.

Über eine brasilianische Kundenberaterin mit jahrelanger Operationsbasis in Genf geraten vor allem die Bank Safra Sarasin und die Lombard Odier ins Visier der Behörden. Die Frau heisst Denise Kos und ist seit 2011 bei Lombard Odier als stellvertretende Direktorin tätig. Weder die Bank Safra Sarasin noch Lombard Odier wollten gegenüber dem «Tages-Anzeiger» Fragen zur Brasilien-Kundenberaterin und deren Bedeutung rund um Petrobras beantworten. Auch die Finanzmarktaufsicht wollte sich nicht dazu äussern.

Denise Kos (50) war ursprünglich für die Republic National Bank in Genf tätig, die dem verstorbenen brasilianischen Banker Edmond Safra gehörte und 1999 von der HSBC erworben und in deren Genfer Private Banking integriert wurde. Sie soll über Kontakte zu vermögenden Brasilianern verfügen.

Damals eröffnete Kos laut dem Kronzeugen der Ermittler, einem ehemaligen Topmanager von Petrobras namens Pedro Barus­co, ein Konto bei der Republic National Bank. Barusco ging später mit dem Geld zu anderen Banken, unter anderem der Genfer Safra. Diese gehört Edmonds Bruder Joseph, der 2011 die Basler Privatbank Sarasin übernahm und beide Institute zur Safra Sarasin verschmolz.

Beim Safra-Konto von 2003 blieb der Name des Begünstigten unerwähnt. Laut brasilianischen Gerichtsunterlagen passt die Beschreibung des wirtschaftlich Berechtigten auf einen Ex-Industrieberater, der als Mittelsmann eine entscheidende Rolle beim Schmieren von Funktionären und Politikern spielte.

Auf das Safra-Nummernkonto 601244 soll der Berater namens Julio Faerman hohe Summen von Schmiergeldern eingezahlt haben, sagt der Petrobras-Zeuge Barusco. Das Geld sei für ihn bestimmt gewesen und von Zulieferern des Petrobras-Konzerns gekommen. Das Spiel sei danach weitergegangen, behauptet Barusco. So soll Bankerin Denise Kos, inzwischen bei Safra, für ihn weitere Konten eröffnet haben, darunter für Spezial­gesellschaften ohne wirtschaftliche Bedeutung, aber mit exotischen Namen wie Tropez und Dole Tech.

Lombard Odier wurde aktiv

Kos erhielt 2011 bei der Genfer Privatbank Lombard Odier den Titel einer stellvertretenden Direktorin. Kronzeuge Barusco sagt, er habe Konten bei Lombard Odier und weiteren Genfer Banken eröffnet, darunter die Cramer-Bank von AHV-Präsident Marco Netzer sowie die Bank Julius Bär. Es war offenbar Lombard Odier, die den Fall in der Schweiz ins Rollen brachte. Die Genfer erstatteten vor circa einem Jahr eine Meldung bei der Geldwäschereistelle, wie Recherchen zeigen. Die Bank sah sich dazu gezwungen, nachdem sie Hinweise auf ­illegale Kontobewegungen gehabt hatte.

Im Spitzengremium von Lombard Odier sitzt mit Patrick Odier der Präsident der Bankiervereinigung. In dieser Funktion stellt sich Odier seit Jahren als Aufräumer der alten Schwarzgeldära dar. «Institutionen, die sich falsch verhalten haben, müssen dafür Verantwortung übernehmen», meinte Odier in einem Interview schon vor drei Jahren. An der neuen Strategie Richtung sauberen Finanzplatz habe sich nichts geändert, meinte eine Sprecherin der Bankiervereinigung. Zur Petrobras-Affäre und deren Bezug zur Bank ihres Präsidenten wollte sie sich nicht äussern.

Laut brasilianischen Oppositionspolitikern machten Kunden aus Brasilien die viertgrösste Gruppe aus unter den bei der HSBC Schweiz aufgeflogenen über 100'000 Klienten.

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