Nur ein erster Schritt

Raiffeisen hat den Verwaltungsrat neu aufgestellt, nun muss sie ihre Chefetage neu formieren.

Wie weiter bei der Raiffeisen? Der Kommentar von Wirtschaftsredaktor Jorgos Brouzos. Video: Jan Derrer
Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Die Bank Raiffeisen rappelt sich auf. Guy Lachappelle soll Präsident und damit der neue starke Mann bei der Genossenschaftsbank werden. Zusammen mit ihm wurden vier weitere Kandidaten für den Verwaltungsrat vorgestellt. Damit hat die Bank eine erste wichtige Etappe auf ihrem Erneuerungsprozess absolviert.

Die Bank kommt damit einer Forderung der Finanzmarktaufsicht (Finma) nach. Diese verlangte im Juni, dass sich der Verwaltungsrat von Raiffeisen erneuere und fachlich verstärke. Zu schwach war er zuvor aufgestellt – es fehlten das Know-how und der Willen, sich mit dem ehemaligen Chef Pierin Vincenz anzulegen.

Bei vielen fragwürdigen Geschäften muss der frühere Verwaltungsrat weggesehen haben. Weshalb er das tat, bleibt bis heute offen. Doch beim Wegsehen blieb es nicht, im ungünstigsten Moment verkündete das Gremium sogar noch eine Salärerhöhung.

Neue Personen alleine reichen nicht

Der neue Verwaltungsrat muss nun zeigen, dass er im Unterschied zu seinem Vorgänger in der Lage ist, effektiv Kontrolle auszuüben. Die nächste wichtige Entscheidung wird die Wahl des neuen Chefs sein. Patrik Gisel gibt seinen Posten auf Ende Jahr auf. Sein Nachfolger wird eine neue Chefetage installieren und sich von den Führungskräften verabschieden müssen, die durch die Vincenz-Affäre belastet sind. Es ist der nächste wichtige Schritt auf dem Weg aus der Krise.

Neue Personen alleine reichen allerdings nicht. So muss die neue Bankspitze die komplexen Strukturen bereinigen und vereinfachen, was auch im Interesse der Aufsicht sein dürfte. Gleichzeitig drängt die Basis zu Recht stärker auf Mitsprache bei Raiffeisen Schweiz. Viele Raiffeisen-Banker bemängeln auch, dass die Zentrale, die eigentlich als Service-Einheit gedacht ist, ihnen Konkurrenz mache, weil sie über eigene Bankfilialen verfügt.

Das ist kein einfacher Spagat. Es ist auch keine Entwicklung, die sich in wenigen Wochen umsetzen lässt –die Erneuerung bei Raiffeisen könnte Jahre dauern.

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