Neuer Stellenabbau bei Roche

Nach Kaiseraugst streicht der Pharmariese Arbeitsplätze in der Produktion seiner wichtigen US-Tochter Genentech.

Hauptsitz der Roche-Tochter Genentech in Kalifornien.

Hauptsitz der Roche-Tochter Genentech in Kalifornien. Bild: Paul Sakuma/Keystone

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Vor gut einer Woche schockte Roche mit der Nachricht, am Standort Kaiseraugst 235 Arbeitsplätze in der Verpackungsabteilung streichen zu wollen. Jetzt wird bekannt: Auch bei Roches hochgelobter Biotech-Tochter Genentech in den USA wird gekürzt.

Laut Roche streicht Genentech in seinem Werk im kalifornischen Vacaville 130 Stellen bis zum Ende des Jahres. Das sind mehr als zehn Prozent aller Arbeitsplätze. Insgesamt arbeiten bisher 1100 Menschen in der Anlage, die Biotech-Medikamente für den Konzern produziert. Das Werk in Vacaville ist die grösste Produktionsanlage von Genentech.

«Nach einer detaillierten operationellen Analyse haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, rund 130 Stellen in unserem Werk in Vacaville bis Ende des Jahres zu streichen», teilte Roche mit. «Wir nehmen derzeit organisatorische Änderungen vor als Antwort auf aktuelle und künftige Produktionsanforderungen und die benötigten Produktionsvolumen für einige unserer neuen Wirkstoffe», hiess es weiter.

Neuer Konkurrenzdruck durch Nachahmer-Medikamente

Roche reagiert damit offenbar auf die verstärkte Konkurrenz von Nachahmer-Medikamenten. Dank der Biotech-Tochter Genentech stieg Roche zum Weltmarktführer bei Krebsmedikamenten auf. 2009 hatte Roche Genentech komplett für umgerechnet 51,4 Milliarden Franken übernommen. Genentech schützte Roche lange vor der Billigkonkurrenz, denn die vor allem biotechnisch hergestellten Wirkstoffe wie Avastin oder Herceptin sind schwerer zu kopieren als chemisch produzierte Medikamente.

Doch die Konkurrenz holt auf, auch Biotech-Medikamente können heute kopiert werden. Eine der führenden Anbieter solcher sogenannter Biosimilars ist die Novartis-Tochter Sandoz. Im Juni bekam Novartis die Zulassung für seine Nachahmerversion des Roche-Bestsellers Rituxan in der EU. In den USA kämpft Roche vor Gericht gegen den Wettbewerber Amgen, um zu verhindern, dass Amgen ein Biosimilar des Roche-Medikaments Avastin auf den Markt bringen darf.

Absatz in Europa bricht ein

Auch wenn Roches Pharmageschäft insgesamt weiter wächst – erste Schleifspuren in den Absatzzahlen haben die Biosimilars bei Roche bereits hinterlassen. So brach der Verkaufserlös des Biotech-Medikaments MabThera in Europa im dritten Quartal um 16 Prozent ein. Rund die Hälfte dieses Rückgangs sei auf die neue Konkurrenz von Biosimilars zurückzuführen, hatte Pharma-Chef Daniel O’Day in einer Telefonkonferenz erklärt. Nach wie vor zeigt sich die Roche-Führung aber zuversichtlich, diese Absatzrückgänge mit dem Verkauf von neuen, patentgeschützten Medikamenten wie dem Multiple-Sklerose-Mittel Ocrevus kompensieren zu können. Dennoch kürzt Genentech nun seine Produktionskapazität.

In der Schweiz will Roche bekanntlich bis Ende kommenden Jahres 235 Stellen von insgesamt 2300 Arbeitsplätzen am Standort Kaiseraugst streichen. Diese Kürzung ist die Folge davon, dass Roche vier Werke zur Produktion von klassisch-chemischen Wirkstoffen verkauft hatte. Nun soll die Verpackung dieser Mittel der Produktion folgen. Der Standort Kaiseraugst selbst sei aber nicht in Gefahr, betont Roche. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2017, 11:35 Uhr

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